Walldürn

Finanzausschuss Forsthaushalt 2021 wurde beraten / Entscheidung über Waldbrandversicherung vertagt

Holzpreise sind niedriger als geplant

Archivartikel

Walldürn.Im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung Finanzausschusses des Walldürner Gemeinderates standen forstwirtschaftliche Themen wie „Forsthaushalt 2021“, Brennholzpreise 2020/2021“, „Waldbrandversicherung“ und Informationen der FVOB.

Bürgermeister Markus Günther sagte, als Ersatz für die wegen der Corona-Pandemie ausgefallene Waldbegehung des Gemeinderates habe im Vorfeld dieser Finanzausschusssitzung eine gemeinsame Waldbild-Begehung stattgefunden, an der neben ihm Anna Haas als derzeitige kommissarische Leiterin der Forstbetriebsleitung Walldürn und den Revierleitern die verantwortlichen Mitarbeitern aus der Verwaltung teilgenommen hätten.

Näher auf das Zahlenwerk des Forsthaushaltes eingehend sagte Günther, dass aufgrund der Kalamitäten sowie der Situation auf dem Holzmarkt nicht gerade von rosigen Zeiten gesprochen werden könne.

Anna Haas sagte, im Forstwirtschaftsjahr 2019 wurden Hiebsatz und Kulturplanung voll erfüllt. Dennoch erwies sich das Forstwirtschaftsjahr witterungsbedingt als ein recht schwieriges Jahr mit viel Schadholz durch Sturm, Käferbefall und die lang anhaltende Dürre. Insgesamt seien rund 17 000 Festmeter Holz eingeschlagen worden, von denen circa 7000 Festmeter Schadholz und somit mehr als doppelt soviel wie 2018 gewesen seien. Dennoch habe man am Ende mit einem positiven Rechnungsergebnis von 28 154 Euro (Einnahmen 905 264, Ausgaben 877 110 Euro) abschließen können.

Wald im Klimastress

Näher auf die Zwischenbilanz für das Forstwirtschaftsjahr 2020 eingehend, zeigte Haas auf, dass der Wald einem echten Klimastress ausgesetzt sei. Im Vergleich zum Mittel der Jahre 1981 bis 2010 habe die Temperatur im Frühling und Sommer um circa 1,6 Grad Celsius und im Winter 2019/2020 gar um 3,2 Grad Celsius über dem Mittel des genannten Zeitraumes gelege. Der Niederschlag in der Vegetationszeit habe nur rund 50 Prozent der sonst üblichen Niederschlagsmenge betragen.

Die Zwischenbilanz 2020 stelle sich wie folgt dar: 2800 Festmeter Sturmholz durch Sturm „Sabine“ im Frühjahr, rund 5000 Festmeter Käferholz bei der Fichte, sowie über 50 Prozent des Einschlags nicht planmäßig. Die geplanten 17 000 Festmeter Einschlag würden in diesem laufenden Forstwirtschaftsjahr 2020 nicht erreicht.

Besonders negativ auswirken auf den Forsthaushalt 2020 würden sich die desaströsen Holzpreise, die niedriger als geplant seien, die nicht mehr kostendeckende Aufarbeitung bei der Fichte, das Nicht-Erreichen des geplanten Hiebsatzes, der erhöhte Aufwand bei der Verkehrssicherung sowie das „Worst case Szenario“ mit einem Minus von 185 000 Euro.

Für den Natural- und Haushaltsplan 2021 sei geplant: Belassen des Hiebsatzes auf dem Niveau der Fortsteinrichtung; zufällige Nutzung (Käferbefall) eingeplant 1000 Festmeter; Laubholz/Nadelholz zu fast gleichen Teilen; Buche, Eiche, Douglasie, Lärche seien voraussichtlich gut zu verkaufen, während bei Fichte und Kiefer noch große Unsicherheiten bestehen würden; geplante Kulturen rund sieben Hektar plus Nachbesserungen sowie Kultursicherung.

Bei der Holzsortenplanung sei ein durchschnittlicher Holzerlös von 43,70 Euro pro Festmeter geplant. Ferner seien Fördermittel für Schadholzaufarbeitung, Hacken, Kulturen eingerechnet (insgesamt 55 200 Euro), und des Weiteren seien Förderungen für Käfermonitoring und Naturschutz möglich.

Bei einem planmäßigen Hiebsatz von 17 000 Festmetern würden 2021 Gesamterträge in Höhe von 807 852 Euro erwartet, denen Aufwendungen von rund 1,1 Millionen Euro entgegenstehen würden. Dadurch sei dann ein Verlust von 293 000 Euro ausgewiesen.

Bürgermeister Günther dankte den Mitarbeitern des Forstes für die im zurückliegenden Forstwirtschaftsjahr geleistete hervorragende Arbeit. Die Ausschussmitglieder nahmen Kenntnis von den Ausführungen der Forstbetriebsleitung Walldürn. Die Beschlussfassung über den Forsthaushalt 2021 erfolgt im Rahmen der Haushaltsplanungen des Gesamtgemeinderates.

Brennholzpreise festgelegt

Einstimmig beschlossen wurde von den Mitgliedern des Finanzaus-schusses die Brennholzpreise für das Forstwirtschaftsjahr 2020/2021 beizubehalten.

Nächster Tagesordnungspunkt war der eventuelle Abschluss einer Waldbrandversicherung für den Stadtwald. Nachdem mit deutschlandweit 1708 Waldbränden 2019 wie bereits 2018 schon ein deutlich überdurchschnittliches Waldbrandjahr im Vergleich zum mehrjährigen Mittel der Jahre 1993 bis 2018 (1016 Waldbrände pro Jahr) zu verzeichnen war - im wesentlichen bedingt durch erhöhte Temperaturen und rückläufige Niederschläge in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten -, würden Risikountersuchungen ein steigendes Waldbrandrisiko für Deutschland für die kommenden Jahrzehnte voraussagen.

Die Waldbrandversicherung sei eine Möglichkeit, den finanziellen Schaden eines Waldbrandes abzumildern. Kosten für die Wiederaufforstung seien in der Regel nicht Gegenstand einer Waldbrandversicherung. Die Gesamtbeschädigungssumme innerhalb eines Versicherungsjahres sei auf zwei Millionen Euro begrenzt, bei den Aufräum- und Feuerlöschkosten seien Obergrenzen beinhaltet. Die Summe für eine Waldbrandversicherung für den Stadtwald bewege sich zwischen 3840 und 4400 Euro jährlich. Nach kurzer Diskussion wurde die Entscheidung vertagt.

Schadholzanfall gestiegen

Der Geschäftsführer der Forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland, Helmut Schnatterbeck, informierte über Holzpreise und Schadholzanfall. Der Schadholzanfall sei seit 2005 europaweit stetig und kontinuierlich angestiegen, und der Höhepunkt der Kalamitäten mit derzeit 128 Millionen Festmeter europaweit noch nicht erreicht. In einem Zehn-Jahres-Zeitraum sei mit einem europaweiten Schadholzanfall von rund 750 Millionen Festmeter zu rechnen.

Nicht alle Sorten betroffen

Der Schadholzanfall in Deutschland habe sich in den letzten beiden Jahren deutlich erhöht. 2019 habe er circa 70 Millionen Festmeter betragen und 2020 betrage er voraussichtlich 60 bis 65 Millionen Festmeter. In Baden-Württemberg seien im vergangenen Jahr 2019 6,3 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. 2020 seien zu den Trockenschäden auch noch Sturmschäden im Frühjahr hinzugekommen. Was die Holzpreise betreffe, würden sich gewisse Probleme ergeben, allerdings jedoch nicht bei allen Holzsorten-Arten. Gut nachgefragt seien nach wie vor Douglasie, Lärche, Buche, Esche, Ahorn und Linde. ds

Zum Thema