Walldürn

Leserbrief Zur Errichtung von zehn Windkraftanlagen im Gewann „Altheimer Höhe III“

High-Tech hat nur da einen Platz, wo es auch Sinn ergibt

Die Errichtung eines Windparks mit zehn Windkraftanlagen im Gewann „Altheimer Höhe III“ ist ein Thema, das Waldstetten und seinen Einwohnern Kopfzerbrechen bereitet. Aus Waldstettener Sicht bedürfen vor allem folgende Punkte einen gewissen Klärungsbedarf oder sprechen klar gegen den Aufbau der Anlagen.

Ein Thema ist die Verspargelung der Landschaft: Ist es in einem Gebiet, das durchaus auch vom Tourismus lebt, sinnig, sich dieses „touristisch attraktive Bild“ mit zusätzlichen Windkrafträdern zu zerstören, obwohl sich bereits in zahlreichen Orten der Umgebung Solche befinden? Zehn Windkraftanlagen sollen verwirklicht werden, sieben davon im Wald! Das bedeutet, zwischen Altheim und Waldstetten müssen etwa 70 000 Quadratmeter Wald gerodet werden. Dazu werden 5000 Quadratmeter wertvollen Waldbodens und 2200 Quadratmeter Ackerboden mit zehn Mal 3500 Tonnen hochfestem Stahlbeton für die Fundamente versiegelt. Seit August 2020 verbietet Baden-Württemberg Schottergärten. Sollte man ein solches Vorhaben zulassen, wäre dies nicht nachvollziehbar und stellt der Politik keine Glaubwürdigkeit aus.

Gerade das Tal „Altheimer Grund“ gilt als schönstes Tal Waldstettens mit entsprechender Frequentation durch Ausflügler und Wanderer. Außerdem ist Waldstetten bereits jetzt von über 50 Windkrafträdern ringsherum regelrecht umzingelt. Käme der „Windpark Kornberg-Dreimärker“, wäre dieser Zustand noch dramatischer. Bereits im Bereich Kornberg-Dreimärker ist der Artenschutz ein weiterer Faktor, der die Windkraft in einem unattraktiven Licht erscheinen lässt: Es sei allein an das Vorkommen des Rotmilans erinnert.

In Waldstetten ist eine Wertminderung von Immobilien zu befürchten. Es ist kein einladendes Bild, Windkrafträder in sichtbarer Nähe zu haben – erst recht nicht, wenn sie 246 Meter hoch werden sollen, wie im Falle des Windparks „Altheimer Höhe III“. Würde eine solche optische Beklemmung Altheim und seinen Bürgern gefallen?

Das würde bedeuten, dass auch junge Familien, die man sich auch in Waldstetten wünscht, möglicherweise nicht mehr dazu bereit sind, in der Nähe sichtbarer und zu vernehmender Windkraftanlagen zu bauen. Ob dies zur Lösung der demografischen Frage beiträgt, sei dahingestellt. Die gesundheitlichen Aspekte sind nicht zu vernachlässigen: Nachgewiesenermaßen trägt der Infraschall nicht zum Wohlbefinden des Menschen bei – stattdessen bewirkt dieser fehlende Erholung des Körpers durch Schlafstörungen und weitere Folgen. Ist das der Preis, den Waldstetten für die Energiewende zu zahlen hat?

Wir leben im windschwächsten Bundesland Deutschlands. Wegen des schwachen Winds stehen die Rotoren oftmals entweder still oder drehen sich so langsam, dass kaum Strom erzeugt wird – ein Zustand, der teilweise bei über einem Viertel des ganzen Jahres zu beobachten ist. Optische Belästigungen und Infraschall gibt es trotzdem!

Zudem müssen wir weiter denken – etwa 20 Jahre im Voraus. Auf einen solchen Zeitraum wird die durchschnittliche Laufzeit von Windkrafträdern angesetzt. Was passiert danach? Eine von vielen ungeklärten Fragen ist dabei die Entsorgung der Rotorblätter. Ist das nicht ein Affront gegen die umweltpolitischen Aspekte der angeblichen „Energiewende“ sowie aller Bestrebungen für den Klimaschutz – und ist es nicht sogar das genaue Gegenteil der Forderungen?

Auch der Luftverkehr ist ein nicht außer Acht zu lassendes Thema. Nur wenige Kilometer vom geplanten Standort entfernt befindet sich der Segelflugplatz Walldürn: Windkraftanlagen würden diesen mit 15 000 Landungen pro Jahr zur öffentlichen Verkehrsinfrastruktur gehörenden Platz gefährden. Da die Existenz des Platzes gerade den Ländlichen Raum klar aufwertet, sei eine Frage gestellt: Muss man das ohnehin kräftig gebeutelte „Hinterland“ noch vorsätzlich und mit fadenscheinigen Argumenten letztlich aus reinem Gewinninteresse eines Projektierers schädigen? Zusammenfassend sei gesagt: High-Tech hat nur da einen Platz, wo es auch Sinn ergibt – aber eben nicht in Waldstetten und auch nicht in Altheim.

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