Walldürn

Kreativspiel des Bücherladens Aktion gegen Langeweile und Frust in der Corona-Zwangspause von Kindern

Gemaltes, Gebasteltes und kleine Briefe

Archivartikel

Walldürn.Die „besonders langen Ferien“ stellen vor allem quirlige, immer nach Beschäftigung und Freude suchende Kinder vor manches Rätsel: Wenn alle Hobbys vorübergehend „ausgelutscht“ sind, geben Langeweile und Frustration den Takt vor. Dem wirkt das Kreativspiel des Walldürner „BücherLadens“ am alten Rathaus auf bemerkenswerte Weise entgegen: Gaby Eder-Herold und Achim Ullrich hatten ihre jungen Leser zu einem Kreativspiel animiert, bei dem sie Gemaltes, Gebasteltes oder auch kleine Briefe einreichen konnten

„Am Ostermontag kam mir in den Sinn, dass man doch etwas für die Kids machen könnte, um ihnen eine sinnvolle Beschäftigung und Freude durch Kreativität zu vermitteln“, erklärt Gaby Eder-Herold und schildert, dass die von Eltern, Großeltern oder älteren Geschwistern momentan zu stemmenden Aufgaben häufig unterschätzt werden: „Es ist eine Riesensache, den Nachwuchs zuhause zu beschäftigen“, fährt sie fort.

Gemeinsam mit Achim Ullrich verteilte sie gleich nach den Osterfeiertagen rund 35 selbstgebastelte „Einladungskarten“ an die Kinder der Stammkundenfamilien in Walldürn und umliegenden Ortschaften. „Aufgrund unseres Lieferangebots, das von vielen genutzt wurde, waren uns ja auch die Adressen bekannt“, betont Achim Ullrich. Allerdings könne unabhängig von den Ersteinladungen jedes Kind teilnehmen: „Wir freuen uns jedes Mal, wenn etwas ins Haus flattert“, bemerkt Gaby Eder-Herold.

Aktuell freuen sich die Buchhändler über eine Reihe eingegangener Briefe, Zeichnungen, Gemälde oder auch anspruchsvolle Bastelarbeiten, die bereits zu einem Album zusammengestellt wurden. „Uns sind auch noch noch einige Einsendungen angekündigt worden“, betont Gaby Eder-Herold und stellt klar, dass es sich nicht um einen Wettbewerb handelt. „Es geht nicht darum, das schönste oder größte Werk zu prämieren – es geht einfach um die Geste und die sichtbare Freude und Dankbarkeit der Kinder, die mit Büchern, Lesezeichen, Stickern oder anderen Kleinigkeiten ‚belohnt’ werden“, sagt Achim Ullrich.

Die Hauptzielgruppe liegt zwischen acht und zwölf Jahren, wobei auch Dreijährige etwas eingereicht hatten. „Hier haben natürlich die Eltern mitgeholfen und zu Papier gebracht, was ihnen die Kleinen ‚diktiert’ hatten“, berichtet Eder-Herold und lobt vor allem den Einfallsreichtum und die Kreativität der jungen Teilnehmer. Oft sei auch zu beobachten, dass die Kinder eine Affinität zum guten Buch haben: „Gerade die Kinder- und Jugendliteratur ist häufig sehr tiefsinnig und hintergründig, zumal die Kinder ehrlicher und kritischer als viele erwachsene Leser sind und die Autoren gerade junge Leser diesbezüglich sehr ernst nehmen müssen“, verdeutlicht sie.

Beobachtungen, die Achim Ullrich teilt: „Kinder wollen nicht nur unterhalten werden und eigene Erkenntnisse der Autoren auf sich wirken lassen, sie verlangen auch nach Anknüpfungspunkten zu ihrer eigenen Realität und möchten greifbare Lese-Erlebnisse“, schildert er und bemerkt, dass auch Teenager verstärkt ein Buch zur Hand nehmen.

Das noch bis zum 15. Mai laufende Projekt betrachten sie als „schöne Erfahrung, bei der etwas rüber kommt“ und „großartige Entscheidung“.

Dazu gesellt sich ein ganz persönlicher Aspekt, nämlich das Gefühl: „Uns selbst ging natürlich nach der Lektüre der Briefe und Texte das Herz auf. Dort sind dann so schöne Sätze zu finden wie „Erstmal hallo, meine zwei Lieblingsbuchhändler – seid ihr gesund?“ oder: „Über eure Postkarte habe ich mich gefreut“ (und eine Mädchen mit Jubelpose dazu gezeichnet) oder: „Jetzt kann ich meine Freunde nicht mehr treffen. Ich möchte ein Buch bei dir kaufen - BITTE. Dein Henri.“ oder: „Mir war sehr oft langweilig. Deshalb hat Papa mir ein Buch bei euch gekauft. Beim Lesen konnte ich immer viel lachen. Miss Braithwhistle ist eine sehr lustige Lehrerin“. oder: „Danke für die Post – am liebsten lese ich die Pferdebuchreihen von Nele Neuhaus, ich habe sie schon doppelt und dreifach durch, ich wünsche euch eine gute Zeit und dass es euch gut geht“„, zählen Gaby Eder-Herold und Achim Ullrich begeistert auf. „So persönlich und natürlich schreiben einfach die nettesten Kinder, finden wir. Und: Wenn unsere Kunden schon die Besten sind – ihre Kinder sind wohl dann die Allerbesten“, merken Eder-Herold und Ullrich humorvoll an. ad

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