Walldürn

Bei der Schützengilde Walldürn In zweijähriger Arbeit wurden die Schießstände saniert

Erster Schützenverein im Kreis mit moderner Anlage

Archivartikel

Walldürn.Auch Sportanlagen müssen geprüft und kontrolliert werden – gerade auf eine Sportschießanlage trifft das in besonderem Maß zu. Wenn man bedenkt, dass ein Großkalibergeschoss bis zum Ende seiner Energie mehrere Kilometer an Strecke zurücklegen kann, ist Sicherheit oberstes Gebot.

Damit kein Geschoss oder Geschoßfragment das Gelände verlassen kann, sind sichere Kugelfänge, viele Hochblenden und stabile Seitenwände Eckpfeiler eines einwandfreien Betriebs. Die Schießstandrichtlinien 2012 des Bundesinnenministeriums geben diese Richtlinien zwingend vor, und die Schützengilde Walldürn 1848 sanierte in den letzten zwei Jahren allein durch die Mitglieder ihre Außenschießstände, die vor Kurzem erfolgreich abgenommen wurden.

Da die turnusmäßige Kontrolle nach dem Waffengesetz durch die Aufsichtsbehörde anstand, wurde im Februar 2018 eine Eingangsbefundung durch Schießstandsachverständigen Dr. Volker Diefenthäler durchgeführt. Im Vorstand der Schützengilde wurde einstimmig beschlossen, „nicht nur das Nötigste zu machen“, sondern vorausschauend in die Zukunft zu blicken und umfassend zu sanieren. Unter der Prämisse „auch Bleistaub ist Feinstaub“ sollten Schießstände und vor allem Kugelfänge über das behördlich geforderte Maß hinaus auf den technisch modernsten Stand gebracht werden.

Ein Vorhaben, das sich in bemerkenswerter Weise realisieren ließ: „Ganz allein durch die Tatkraft und Mithilfe unserer Mitglieder wurde dieser ‚Gewaltakt’ in unzähligen Arbeitsstunden über zwei Jahre bewältigt. Es war immer wieder ein erhebendes Bild, wenn zwölfjährige Kinder neben 80-jährigen Mitgliedern standen und an der gemeinsamen Sache arbeiteten. Es wurde gegraben, Fundamente gelegt und gemauert, gestrichen und geschweißt.

Die Hochblenden wurden an die neuen gesetzlichen Vorgaben angepasst und aufgemauert. Stahlbeton wurde saniert und zum Schutz vor Rückprallern mit Holz verkleidet. In diesem Zusammenhang wurden die 50- und 100-Meter-Schießstände mit modernster LED-Beleuchtung ausgestatte, um ein Schießen unabhängig vom Tageslicht zu ermöglichen“, resümiert der Vorstand erfreut.

In den Kugelfängen wurde der verbrauchte Sand ausgeräumt und entsorgt. Rückwände wurden saniert und mit zehn Millimeter starkem Stahlblech mit einer Zugfestigkeit von 1600 N/mm² verkleidet. Grobkörniges Granulat, das aus recyceltem Gummi hergestellt wird, füllt jetzt die Stände und ist damit eines der modernsten Materialien, das zurzeit zur Verfügung steht. Behördliche Schießstände, etwa von der Polizei, werden bevorzugt damit ausgerüstet.

Einige Vorteile

Das Granulat böte als Geschossfang gegenüber dem bisher verwendeten Sand einige handfeste Vorteile: „Die Stände können viermal länger verwendet werden, bevor eine Ausbesserung nötig ist. Es gibt eine zuverlässige und sichere Geschossaufnahme ohne Rückpraller. Das Gummigranulat staubt anders als der Sand nicht und muss daher auch nicht gewässert werden. Die Stände sind einfach zu handhaben sowie leicht und kostensparend auszubessern.

Und auch die Bildung von Emissionen ist im Gegensatz zu Stahl und Sand sehr vermindert“, betonte man, die auf Schießanlagen- und Schießstandbau spezialisierte Fachfirma Gerd Bücheler (Stuttgart) leistete wertvolle Unterstützung, ebenso Schießsachverständiger Dr. Volker Diefenthäler, der mit vielen guten Ideen und Tipps zur Seite stand. „So wurden unsere Stände im September sowohl vom Schießstandsachverständigen als auch von der Waffenbehörde ohne die geringste Beanstandung abgenommen und zum Schießbetrieb freigegeben“, freut sich Oberschützenmeister Rolf Schneider.

Die Walldürner Schützengilde ist damit der erste Schützenverein im Kreis, der eine solch moderne, mit Gummigranulat versehene Anlage betreibt. Nicht ohne Stolz spricht Rolf Schneider auch eine Einladung aus: „Besucher und Gastschützen sind immer willkommen, um sich die Stände zu den üblichen Öffnungszeiten anzusehen und zu benutzen!“ ad

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