Walldürn

„Kommunalpolitisches Urgestein“ Heinrich Hennig feiert seinen 80. Geburtstag / Als Gestalter viele Initiativen angestoßen / Bau einer Flurkapelle geplant

Ein Macher der Kategorie „Phänomen“

Neusass.Den Ruhesessel, den Heinrich Hennig vor zehn Jahren von seinen Ortsvorsteher-Kollegen zu seinem 70. Geburtstag geschenkt bekam, hat er bis heute nicht allzu oft benutzt. Noch immer ist der frühere Ortsvorsteher von Glashofen, Neusaß und Gerolzahn unterwegs. Allerdings nicht mehr so häufig wie zu seiner aktiven Zeit. Auch wenn er nun kürzer tritt, ist Ausruhen nur selten angesagt. Heute feiert der bekannte Neusasser seinen 80. Geburtstag.

Der Abschied von der Kommunalpolitik fiel Heinrich Hennig nach über 50 Jahren Engagement für die Allgemeinheit im vergangenen Jahr nicht leicht. Inzwischen hat er sich in den neuen Lebensabschnitt gut eingefunden und genießt es, nicht mehr in der ersten Reihe stehen zu müssen.

Zupackende Art

Hennig hat mit seiner zupackenden Art auf der Walldürner Höhe zahlreiche Projekte angestoßen und umgesetzt. Hier sind vor allem der Sportplatz- und der Sporthallenbau in Glashofen und die Errichtung des Bürgerhauses in Gerolzahn zu nennen. Aber auch die zukunftsweisende Dorferneuerung, die er konsequent und energisch zusammen mit den Einwohnern vorangetrieben hat. Als kreativer Gestalter übernahm er immer wieder die Initiative für eine bessere Infrastruktur, um junge Leute und Familien am Ort zu halten.

Als Initiator des Golfplatz-Baus und eines Solarparks in Neusaß setzte Heinrich Hennig seine Visionen in die Tat um. Ihm wird eine „patriotische Kämpfernatur“ nachgesagt, nicht nur in der Sache, sondern zum Wohl der ganzen Stadt. Was die Durchsetzung seiner Ziele angeht, ordnen ihn seine früheren Amtskollegen in die Kategorie „Phänomen“ ein.

Golfanlage sein Lebenswerk

Die Golfanlage in seinem Heimatort betrachtet der Jubilar als sein Lebenswerk. Als Ehrenpräsident des Golfclubs Glashofen-Neusaß verfolgt er bis heute mit Interesse dessen Entwicklung. Ein funktionierendes Vereinsleben lag Hennig immer am Herzen. So lenkte er viele Jahre die Geschicke des SV Wettersdorf/Glashofen und brachte sich als Sportringvorsitzender in der Stadt Walldürn ein.

Für seinen Berufsstand ging der Landwirtschaftsmeister Heinrich Hennig in den 1980er Jahren auf die Barrikaden. Er stemmte sich gegen den Wandel auf dem Agrarsektor und das damit einhergehende Höfe-Sterben, was ihm die Beinamen „Rebell vom Odenwald“ und „Lech Walesa von der Höh“ einbrachte. Sein Einsatz, dass die Landwirte bei der Sanierung der Milchzentrale Nordbaden ihre vollen Einlagen zurückbekommen haben, wird bis heute als „unternehmerische Glanzleistung“ gewertet.

Für seine beharrliche Art und seinen Mut, immer wieder Neues anzugehen und zu realisieren, erhielt das „kommunalpolitische Urgestein“ zahlreiche Auszeichnungen. So 1983 die Erinnerungsmedaille der Stadt in Silber, 2006 die Ehrennadel des Gemeindetages Baden-Württemberg in Gold und 2008 das Verdienstabzeichen des Städtetages Baden-Württemberg in Gold mit Lorbeerkranz für seine 40-jährige Tätigkeit als Gemeinde- und Ortschaftsrat. Die außergewöhnliche Lebensleistung Hennigs wurde im Jahr 2018 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt. Dieses Schmuckstück verstaut er jedoch nicht in einer Schatulle in der Schublade, sondern zeigt es hin und wieder bei Auftritten an seinem Jackett.

Ein Projekt hat der verdiente Kommunalpolitiker noch in Planung. Es ist ein privates Vorhaben, das er umsetzen will: den Bau einer kleinen Flurkapelle, die der Gottesmutter geweiht sein soll. Sie ist in Neusaß am sogenannten „Dreispitz“ vorgesehen, unweit des Golfplatzes auf einem Wiesengrundstück Hennigs am Waldrand.

Viel gestaltet und bewegt

„Diese Kapelle soll Ausdruck meines Dankes dafür sein, dass ich im Leben vieles gestalten und bewegen konnte. Natürlich mit Gottes Beistand“, betont er. Nach den Vorstellungen Hennigs wird sie allen offen stehen, die Ruhe suchen oder ein Anliegen haben.

Eine große Feier zu seinem 80. Geburtstag wird es wegen der Corona-Pandemie nicht geben. Nur im kleinen Kreis mit der Familie und Freunden wird Heinrich Hennig diesen Tag begehen. Die Fränkischen Nachrichten gratulieren zum Ehrentag und wünschen alles Gute. mira

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