Walldürn

Kulturabend der OWK-Ortsgruppe Ann-Kathrin Schneider und Edi Farrenkopf machten sich mit dem Publikum auf den Weg

Ein Abend voller Heimat und Fernweh

Unterwegs mit einem Rucksack voller Texte, Geschichten, Gedichten und Philosophischem war Ann-Kathrin Schneider beim Kulturabend des OWK, musikalisch begleitet von Edi Farrenkopf.

Walldürn. Der von der OWK-Ortsgruppe Walldürn anlässlich des 1225-Jahr-Stadtjubiläums Walldürns veranstaltete Kulturabend „UnterWEGs“ wurde zu einem großartigen Erlebnis für die 250 Besucher. Am Freitagabend machten sie sich im ausverkauften Haus der offenen Tür mit der Theaterpädagogin, Kabarettistin, Rezitatorin und Sängerin Ann-Kathrin Schneider, begleitet von Edi Farrenkopf am Piano und auf dem Akkordeon, zwei Stunden lang auf den Weg.

Ann-Kathrin Schneider in zünftiger Wanderkluft hatte ihren Rucksack dabei gefüllt mit Texten, Geschichten, Gedichten und Philosophischem, die allesamt von der Reiselust, vom Wandern, vom „Sich auf den Weg machen“, von der Sehnsucht nach der Ferne, vom Abschied und vom Aufbruch, und vom Erinnern an die Heimat handelten. Und die von der Heimat als auch von der Ferne erzählten, niedergeschrieben von deutschsprachigen Schriftstellern wie Hermann Hesse, Kurt Tucholsky oder Robert Walser, aber auch von internationalen Dichtern und Denkern, die es während ihrer Lebenszeit oftmals in die schöne, freie Natur zog. Auch die zu hörenden deutschen Volkslieder, Chansons und englischen Songs handelten immer wieder vom Wandern und vom Fernweh.

Sehnsucht im Mittelpunkt

Eröffnet wurde der Kulturabend mit dem aus dem Musical „Mozart“ stammenden und von Ann-Kathrin Schneider gesanglich hervorragend dargeboten und von Edi Farrenkopf am Piano begleitetet Song „Gold von den Sternen“. Sehnsucht stand im Mittelpunkt des Textes „Die Made“, einem Klassiker aus der Feder von Heinz Erhard. Neugier als Motiv, sich auf den Weg zu machen beinhaltete der TextBeitrag des Schweizer Schriftstellers Jürgen Schubiger.

Nach dem Liedvortrag von Ann-Kathrin Schneider „Die Gedanken sind frei“ machte sich auch bei Christian Morgensterns „Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst“ eine Schnecke besinnliche Gedanken, ob sie aus ihrem Haus raus soll oder nicht.

Mit dem Thema Abschied befasste sich Ann-Kathrin Schneider dann mit den Beiträgen „Zu Fuß nach Paris“ von dem zeitgenössischen niederländischen Schriftsteller Remco Campert, „Der Abschied“ von Eugen Roth, „Reich mir zum Abschied“ („Good night“) aus der Operette „Viktoria und ihr Husar“ sowie „Abschied“ von Joseph von Eichendorff.

Weiter ging die Wanderreise dann mit „Wanderparkplatz“ aus dem Audioguide von Wanderführer Manuel Andrack, einem Wanderprofi und Deutschlands bekanntester Wanderfreund. Es ging weiter mit dem Schwerpunkt „Wanderlust“ und dem Text „Wanderlust“ von Wilhelm Busch. Ann-Kathrin Schneider ließ mit instrumentaler Begleitung durch Edi Farrenkopf die drei bekannten Volkslieder „Mich brennt´s in meinen Reiseschuh´n“, (Text von Joseph von Eichendorff), „Ich komme schon durch manche Land“ (Text von Johann Wolfgang von Goethe, Musik von Ludwig van Beethoven) sowie „Aus grauer Städte Mauern“ folgen.

Klassische Heldenreise

Dann ging es auf eine klassische Heldenreise, in dem Schneider „Siegfrieds Kampf mit dem Drachen“ vortrug, die der langjährige Direktor des Amorbacher Karl-Ernst-Gymnasiums, Reinhold Grzega, in seinem Hörbuch „Siegfried – Heldensage für Kinder von 7 bis 107 Jahren“ verfasst hat. Beeindruckend dann auch der Text von Andrea Schwarz „Die Rucksäcke sind gepackt“, in dessen Mittelpunkt die Aussage stand, dass nur derjenige, der sich auf den Weg macht, auch das wahre Leben erleben wird, während in „Wer kennt Odenwald und Spessart?“ von Kurt Tucholsky vor allem die Rückkehr und das Bewusstseinmachen von der Heimat im Fokus stand. In die Pause ging es mit „Leb wohl, gute Reise“.

Den zweite Programmteil eröffnete Ann-Kathrin Schneider musikalisch mit einem Lied, das aufzeigte, dass Unterwegs sein auch Getriebensein bedeuten kann: „Heute hier und morgen dort“ von Hannes Wader.

Mit einem Auszug aus der Erzählung „Der Spaziergang“ des deutsch-schweizerischen Schriftstellers Robert Walser – „Mit offenen Augen“ – war zu erkennen, dass ausgedehnte Spaziergänge nicht ausschließlich nur Müßiggang, sondern oftmals auch berufliche Weiterbildung sein können.

Weiter im Wandergeschehen ging es mit so manch Philosophischem aus der Feder einiger bekannter Dichter und Denker: So mit „Meine Gedanken schlafen ein“ des französischen Philosophen Michel de Montaigne aus dem Jahr 1580, dem „Umherspazieren“ des belgischen Schriftstellers des 20. Jahrhunderts, Georges Simenon, dem „Mein Körper muss in Bewegung bleiben“ aus den „Bekenntnissen“ von Jean-Jacques Rousseau, sowie „Ich habe mir die besten Gedanken angelaufen“ von Soren Kierkegaard.

Musikalisch ging es weiter mit einer Cover-Version des Dean-Martin-Hits „Memories are made of this“, mit dem durch Freddy Quinn bekannt gewordenen Millionenseller „Heimweh“. Im Mittelpunkt stand anschließend das Sich-Erinnern und das Sich-Zurückbesinnen“: So bei dem Text „Sehnsucht“ aus der „Fußwanderung“ von Robert Walser, bei „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff, bei „der Wanderpfad“ von Otto Friedrich Bollnow, sowie bei „Der Wanderer“ von Peter Härtling.

Nächster Schwerpunkt war die Sehnsucht nach dem Ankommen wollen und das Vermissen von einem Zuhause, von Ann-Kathrin Schneider nachhaltig interpretierte mit dem Titel „Zuhause“ des zeitgenössischen Sängers Max Griesinger, dem sich Gedanken zum Thema Natur anschlossen, unterlegt durch die Beiträge „Über Naturauffassung“ von Kurt Tucholsky, „Gefunden“ von Goethe, „Und nichts zu suchen, das fällt schwer“ von Michail Krausnick sowie „Summe meine Fehlfahrten“ von Matthias Politycki.

Das amerikanische Lied „Home on the range“ leitete über zu den drei letzten Beiträgen: Nach Osten“ aus dem 2012 erschienenen Buch „Spaziergänge“ von Franz Hohler, „Das Wandern“ von Theodor Heuss von 1959 sowie „Wandersehnsucht“ von Hermann Hesse.

„Über sieben Brücken musst du gehn“ – mit Rückbesinnen auf den bildhaften „Lebensweg“ – bildete dann den Schlusspunkt dieser nahezu 40 Programmpunkte umfassende Kulturabends

Doch beschlossen wurde die Veranstaltung nach dem Beifall des begeisterten Publikums mit zwei Zugaben: dem Text „Die Ameisen“ von Joachim Ringelnatz und dem Lied „Kein schöner Land“.

„Grandioser Abend“

Agnes Sans, die Vorsitzende des Odenwaldklubs, dankte abschließend Ann-Kathrin Schneider und Edi Farrenkopf für die Gestaltung dieses grandiosen Abends, der mit der Zugabe „Wer weiß, was uns die Zukunft bringt“ endete. ds

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