Walldürn

Serie Nachhaltigkeit Der Biotopschutzbund Walldürn setzt sich schon lange für den Schutz von Bienen und Co. ein

„Dürn muss blühe!“ hilft Insekten

Archivartikel

Der Schutz von Insekten ist ein hochaktuelles Thema. Das sieht man auch beim Biotopschutzbund Walldürn so. Der hat sich mit diesem Thema schon befasst, als es noch nicht diese Brisanz hatte.

Walldürn. „Insektenschutz wurde bei uns schon immer großgeschrieben“, sagt Bernhard Spreitzenbarth, Vorstandsteam-Mitglied des überaus rührigen Vereins, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. „Schon immer“ heißt in diesem Fall mindestens 26 Jahre, denn so lange sind die Naturfreunde ein eingetragener Verein. Aber schon davor gab es rege Aktivitäten, so Spreitzenbarth. Die FN haben sich mit ihm, Petra Spreitzenbarth, Ramona Paar und Elke und Michael Conrad über die Aktion „“Dürn muss blühe!“und die Aktivitäten des Biotopschutzbundes unterhalten.

Der Biotopschutzbund war vor der Vereinsgründung ein Zusammenschluss von Menschen, denen die Natur und insbesondere ihre Heimat am Herzen lagen. Die Historie des Vereins begann im Zusammenwirken verschiedener Organisationen, wie der Jugendgruppe der Siedlergemeinschaft und Schülern der Konrad-von-Dürn-Realschule. Eine lebenswerte Umwelt ist nur durch entsprechendes Engagement der Bürger erreichbar – das war und ist ihre Überzeugung.

Anfangs als „Arbeitskreis Biotopvernetzung Oberes Marsbachtal“ aktiv, folgte am 10. Dezember 1993 die Gründung des Biotopschutzbundes Walldürn. Zielsetzung damals und heute: die noch vorhandenen Lebensräume erhalten, pflegen, optimieren und – wo immer es geht – erweitern. Der Leitfaden des Handelns ist dabei klar definiert: Nur wer seine Heimat liebt und die Landschaft in ihrer Schönheit und Vielfalt zu schätzen weiß, der geht auch pfleglich mit ihr um.

Aktionen auf den Weg gebracht

34 Biotope haben die Walldürner Naturfreunde in den Jahren geschaffen, zahlreiche Aktionen hat der Biotopschutzbund angeregt und auf Weg gebracht. Etwa die Aktion „Rettet die Lappen“, die Hochzeitswäldchen, die Aktion „1200 Bäume für 1200 Jahre“ zum Stadtjubiläum oder Hecken- und Baumpflanzaktionen.

Viel ist in den Jahren geschehen, vieles wurde erreicht, so die Mitglieder des Biotopschutzbundes. Aber mehr ist möglich, da sind sie sich auch einig. Hier kommt das Biotopvernetzungskonzept ins Gespräch – ein Dauerthema. Das wurde 1993 als Vorschlag erarbeitet und dem damaligen Bürgermeister Karl-Heinz Joseph übergeben und auch im Gemeinderat diskutiert. Auf dem Weg zu einem Gesamtkonzept ist aber nach Ansicht der Mitglieder noch ein gutes Stück des Weges zu gehen.

Der Biotopschutzbund konnte, dem Konzept folgend, eine Reihe von „Knoten“ des „Netzes“ schaffen. Eine durchgehende Vernetzung gibt es aber nicht. Die wäre aber relativ leicht zu bewerkstelligen: indem man etwa die Weg- und Straßenränder nicht permanent bis auf die Grasnarbe runter mäht.

Würde man hier etwas „Wildwuchs“ zulassen, gäbe es Korridore und damit eine Vernetzung. Für die Insekten wichtige Verbindungskorridore. „Dadurch ist ein Austausch der Arten gegeben.“ Ein weiterer Punkt ist das Gewässerentwicklungskonzept. Auch das gibt es schon einige Zeit, auch hier hapert es mit der Umsetzung. Für den Biotopschutzbund ist klar: „Die Instrumente sind vorhanden, sie müssen nur angewendet werden.“

Ein Schwerpunkt aus aktuellem Anlass ist das Projekt „Dürn muss blühe!“ Unter dem Motto „Reden rettet keine Bienen“ hat der Biotopschutzbund diese Aktion initiiert. Zielsetzung: „Jeder kann helfen!“ Start war beim Blumen- und Lichterfest. Ein Flugblatt informiert über Motivation und Ziel der Aktion, eine Idee von Elke und Michael Conrad.

Schottergärten oder Steingärten sind den Mitgliedern dabei ein Dorn im Auge. Vermeintlich pflegeleicht sind sie schlecht für die Natur und die Artenvielfalt. Manche Blume wie Geranien, fleißige Lieschen oder Margeriten sehen zwar schön aus, bieten Insekten aber keine Nahrung, so die Naturschützer.

Das Gespräch der FN ist daher unter anderem ein Plädoyer für einen naturnahen Garten – „und wenn es nur ein Teil des Gartens ist“. Eine Blumenwiese helfe den Insekten, ebenso die richtigen Balkonblumen. Das kann schön und bunt sein, sollte aber eben auch insektenfreundlich sein. Hier bieten sich etwa Mauerpfefferarten, Lavendel, Josefskraut oder Lippenblütler an.

Richtige Mischung

Wer die richtige Mischung sucht, dem wird beim Biotopschutzbund geholfen. Der bietet Samentüten an: Ringelbume, Sonnenblume, Buchweizen, Koriander oder Gemeiner Lein finden sich in den Tütchen. Den Samen kann man im Garten oder auf dem Balkon in einem Blumenkasten anpflanzen.

„Auch kleine Maßnahmen helfen“, sagt Bernhard Spreitzenbarth. Das Insektensterben sei in aller Munde, „aber noch können wir etwas dagegen unternehmen“. Aber es gilt eben: „Handeln! Und zwar jetzt, denn wir müssen handeln.“

Insekten spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen. Zigtausende Arten von Wildbienen und viele andere Insekten wie Fliegen, Schmetterlinge und Käfer bestäuben nicht nur Wildpflanzen, sondern auch Kulturpflanzen, zum Beispiel viele Obst- und Gemüsesorten, Kräuter und Gewürzpflanzen. Ohne Insekten gebe es kein Obst aus dem eigenen Garten oder im Supermarkt oder Honig.

Das Fazit der Naturfreunde: „Wildbienen und Schmetterlinge leisten unschätzbare Arbeit.“ Und weiter: „Um die Artenvielfalt zu erhalten, braucht es naturnahe Gärten und Grünflächen mit heimischen Arten. Damit die Insekten nicht sterben und der Mensch aufblüht.“

Und bei den um sich greifenden Steinwüsten in den Vorgärten sehen die Naturschützer die Kommune in der Vorbildfunktion. Das Thema wurde auch schon im Walldürner Gemeinderat besprochen. Ein Antrag der Freien Wähler stand in der Januarsitzung auf der Tagesordnung – der die Unterstützung des Biotopschutzbundes fand und findet. In älteren als auch aktuellen Walldürner Bebauungsplänen, so der Antrag, sei bei den Festsetzungen zur Gestaltung der Grundstücksflächen zu lesen, dass Vorgärten nicht als Arbeits- und Lagerflächen genutzt werden dürfen, sondern als Grünflächen oder gärtnerisch anzulegen und zu pflegen sind. Diese Festsetzung habe unter anderem den Zweck, auch private Flächen als versickerungsfähige Grünflächen zu erhalten. In den letzten Jahren sei allerdings massiv zu beobachten, dass diese Festsetzungen nicht eingehalten werden und neben Zufahrten, Terrassen, Stellplätzen auch die restlichen Grundstücksflächen und Vorgärten großzügig mit allen Arten von Steinen belegt werden.

Immer seltener finden sich abwechslungsreiche Bepflanzungen, heimische Hecken und Sträucher oder Bäume, die nicht nur den Betrachter erfreuen, sondern auch ein wichtiger Beitrag für Lebensqualität und Stadtklima seien. Klimawandel, Insektensterben, Starkregenereignisse ebenso wie fehlender Regen hätten große Auswirkungen auch vor der eigenen Haustür.

Gesellschaftliche Verpflichtung

Private Grünflächen können und sollen ihren Teil zu Biodiversität und Regenwassermanagement beitragen. Es ist eben nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, wie eine Grundstücksfläche gestaltet ist, sondern werde immer mehr auch zu einer gesellschaftlichen Verpflichtung, findet auch der Biotopschutzbund.

Viele Kommunen setzen Ideen für Bürgerbeteiligungen von Gieß- über Baumpatenschaften bis zu Nachbarschaftsgärten um. Modelle, die man gerne auch in der Heimatstadt sehen würde.

Viele kleine Schritte

Viele kleine Schritte sind bei dem Treffen angesprochen worden, das ist den Walldürner Naturschützern durchaus bewusst. Aber viele kleine Schritte können auch zu etwas Großem führen. Und wenn Viele viele kleine Schritte machen, umso besser. Denn klar ist auch: „Umwelt- und Naturschutz beginnt vor der eigenen Haustür, in der eigenen Kommune.“

Zum Thema