Walldürn

Historikertag Im Rahmen der Neckar-Odenwald-Tage am Freitag, 11. Oktober, im Pfarrsaal referieren Dr. Christoph Schmider und Walter Gramlich

Die Wallfahrt im Blick von zwei Vorträgen

Archivartikel

Walldürn.Die Stadt Walldürn blickt 2019 auf eine urkundlich verbürgte 1225-jährige Geschichte zurück. Eine der prägendsten und wichtigsten Institutionen, wenn nicht sogar die bedeutendste in der Historie der Stadt, ist die Wallfahrt zum Heiligen Blut.

1589 berichtete der Walldürner Pfarrer Hoffius über eine Begebenheit aus dem Jahr 1330, nach der ein Priester namens Heinrich Otto nach der Wandlung den bereits konsekrierten Kelch aus Unachtsamkeit umgestoßen hatte und sich daraufhin auf dem Korporale das Bild des Gekreuzigten und elf einzelne Häupter Christi mit Dornenkrone (Veronicae) abzeichneten. Der Priester versteckte das Tuch und gab das Geheimnis erst auf seinem Sterbebett preis. In der Folge entwickelte sich die 1408 vom Würzburger Bischof Johann I. von Egloffstein offiziell bestätigte Wallfahrt zum Heiligen Blut, die für die Stadt Walldürn und unsere Region insgesamt enorme Bedeutung erlangen sollte.

Der Historikertag 2019 am Freitag, 11. Oktober, um 14 Uhr im Pfarrsaal St. Georg widmet sich daher der Geschichte der Walldürner Wallfahrt in ihren kirchen-, wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Aspekten. Dazu wurden zwei versierte Historiker und Kenner der Materie gewonnen.

Dr. Christoph Schmider, Erzbischöflicher Oberarchivdirektor des Erzbischöflichen Archivs Freiburg, wird ausgehend von einem Blick auf die religionsgeschichtlichen Hintergründe die Entstehung und Ausbreitung der Walldürner Wallfahrt in groben Zügen schildern. Neben einer Analyse der Wallfahrt werden verschiedene historische Erscheinungsformen der Prozessionen exemplarisch in den Blick genommen, ebenso wie manche Bedrohungen, denen die Wallfahrt aus unterschiedlichen Gründen immer wieder einmal ausgesetzt war.

Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf dem 19. Jahrhundert und der Frage liegen, wie das 1827 errichtete, anfangs noch stark von der rationalistisch-nüchternen Theologie der katholischen Aufklärung geprägte Erzbistum Freiburg mit dem mittelalterlich-barocken Erbe der Wallfahrt umgegangen ist.

Im Anschluss wird der Vortrag von Studiendirektor i.R. Walter Gramlich der seit etwa 1408 bestehenden Verflechtung zwischen der Stadt Walldürn und der Wallfahrt nachspüren und unmittelbare Bezüge aufzeigen, um fördernde, aber auch hemmende Elemente herauszustellen.

Änderungen und Veränderungen

Wie sich der Charakter der Wallfahrt beziehungsweise der des Wallfahrens im Laufe der historischen Entwicklung gewandelt und den Zeitläufen der Geschichte mehr oder minder angepasst hat, so haben sich auch dessen Folgeerscheinungen als Änderungen und Veränderungen auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet im Bild der Stadt bemerkbar gemacht.

Nach den beiden Vorträgen besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch die Wallfahrtsbasilika St. Georg teilzunehmen.

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