Walldürn

Fahrradwallfahrt Rund 150 Teilnehmer waren dabei / Vier Stationen angefahren / Reisesegen erteilt / Gottesdienst in der Basilika

„Das Unterwegs-Sein genießen“

Rund 150 Radfahrer nahmen am Samstag an der Fahrradwallfahrt teil. Sie stand unter dem Leitwort „Wenn du Frieden willst – Rundfahrt für den Frieden“.

Walldürn. Die Wallfahrt stieß trotz des nicht optimalen Wetters auf große Resonanz. Die Teilnehmer kamen aus der näheren und weiteren Umgebung. Um 10 Uhr starteten am Vormittag rund 80 Teilnehmer unter der Leitung von Stadtpfarrer P. Josef Bregula OFM Conv. und des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Wolfgang Eisenhauer an der Friedenskapelle in der Würzburgerstraße zu einer zweistündigen Friedens-Rundfahrt. Angefahren wurden mehrere Stationen: Der Gedenkstein an die Stürme „Wiebke“ und „Vivien“ 1990, die Kapelle am Märzenbrünnlein, die Kirche „St. Marien“, wo jeweils eine mit Wegmeditation, Gebet, Fürbitten und Gesang ausgefüllte Rast eingelegt wurde. Die Fahrt endete an der vierten Station auf dem Wallfahrtsplatz mit dem gemeinsam gesungenen „Großer Gott, wir loben dich“.

Begleitet wurden die Radwallfahrer vom Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Wolfgang Eisenhauer, dem neuen Gemeindeassistenten der Seelsorgeeinheit, Adrian Ambiel, sowie von Achim Dörr und Jürgen Kugler als Wallfahrtsausschuss-Mitgliedern und weiteren Wallfahrtshelfern. Nach der Rundfahrt traf man sich mit weiteren Radwallfahrern zum gemeinsamen Mittagessen im Pfarrsaal, das von vielen fleißigen Helfern bestens vorbereitet worden war.

Höhepunkt dieses Wallfahrtstages 2019 war am Nachmittag der Gottesdienst in der Wallfahrtsbasilika, der von Stadtpfarrer P. Josef Bregula OFM Conv. zelebriert und von Organist Jürgen Miko kirchenmusikalisch umrahmt wurde.

Nach der Lesung aus dem 1. Petrusbrief durch Lektorin Doris Kobold sowie nach der Verkündigung des Heiligen Evangeliums nach Johannes durch Pater Josef stellte dieser zu Beginn seiner Predigt fest, dass ein jeder, der schon einmal ein Fahrrad bestiegen habe, die Erfahrung gemacht habe, dass ein vor einem liegender Weg oftmals einen Knick mache, aber nicht nach links oder rechts, sondern in der dritten Dimension, in die Höhe also, und es somit darum gehe, gegen die Schwerkraft der Erde anzukämpfen.

„Kampf wird zum Krampf“

Es sei dann so, als wolle man einem die gute alte Erde festhalten und nicht loslassen. Der nun beginnende Kampf gegen die Gravitation der Erde, dieser Kampf werde dann schnell zum Krampf. Gebannt schaue man dann nach oben – zum Scheitelpunkt der Steigung, und oft erscheine es einem dann so, als wolle das Ende der Steigung einfach nicht näher kommen, und oftmals laufe man dann Gefahr, sich in ei-nen verbissenen Kampfradler zu verwandeln.

Doch gebe es vielleicht nicht eine menschlichere Art, mit Herausforderungen und Anstrengungen umzugehen?: Ja, die gebe es, und sie beginne zunächst einmal im Kopf. Man müsse sich freimachen von der Fixierung auf das Ende der Mühe. Es gelte, den Gedanken „Hätte ich´s doch endlich geschafft“ loszulassen. Man müsse nicht unbedingt besonders schnell „oben“ sein, man müsse dazu bereit sein, einfach einmal in einen kleineren Gang zu schalten. Bei dieser Fahrweise könne man intensiver als sonst auf die Landschaft achten, die Blumen am Wegrand wahrnehmen, und den Gesang der Vögel hören.

Eine interessante Erfahrung für ihn persönlich bestehe darin, die Pedalumdrehungen mit einer kurzen, meditativen Gebetsformel zu synchronisieren. Dahinter stehe eine alte Pilgerweisheit, dass gleichmäßige körperliche Bewegung und Gebet sich gegenseitig unterstützen und tragen würden. Es sei seltsam: trotz der langsamen Gangart scheine der Gipfel auf diese Art und Weise schneller erreicht als in einem verbissenen Kampf gegen Schwerkraft und gegen die Uhr.

Danach könne man sich auf´s Bergab-Rollen freuen, und auch das habe durchaus etwas Hintergründiges: Die Mühe des Bergauf-Radelns sei darin aufgehoben, und zwar im doppelten Sinn des Wortes. Sie sei bewahrt, da es ohne die zuvorgehende Anstrengung kein Abwärtsgleiten gäbe. Und sie sei überwunden, indem die Mühen erstaunlich schnell vergessen seien. Auch das innere Gebet, das einem bergauf begleite, werde dann nicht mehr gesprochen – es gehe ja alles wie von alleine.

Nicht vergessen solle man jedoch, dass das mühelose Rollen auch irgendwann wieder vorbei sein werde. Das sei aber kein Grund, es nicht zu genießen. Im Gegenteil, alles Kostbare besitze seinen Wert aufgrund der Tatsache, dass es begrenzt sei und irgendwann zu Ende gehen werde. Es gebe nichts Unbegrenztes, nichts, was man nicht irgendwann zum letzten Mal tun und erleben würde, und darin liege nicht nur der Schmerz, sondern die Kostbarkeit unseres Daseins.

Natürlich habe man damit die Grenze zwischen Erfahrungen beim Radfahren und allgemeinen Lebenserfahrungen überschritten. In der Tat würden einem die genannten Radler-Erfahrungen immer wieder auf grundlegende Lebensweisheiten hinweisen.

Wie krampfhaft-verbissen könne das Streben nach immer Höherem sein! Wie wohltuend und entspannend sei es dagegen, wohl ein Ziel zu haben, es aber immer wie-der vergessen zu dürfen im und für den Augenblick zu leben und das reine Unterwegs-Sein zu genießen.

Wir Menschen würden oftmals unter der fordernden Schnelligkeit unserer Zeit leiden. Oft würden wir die Zeit als unseren Feind erleben, dem es mühsam Stunden, Minuten, Sekunden abzuringen gelte. Wie schön sei es dagegen, in der Zeit den besten Verbündeten zu sehen, der einem ganz sicher – mit der Zeit – an´s Ziel bringe. Radfahren könne uns lehren, wie wir Mensch sein und bleiben könnten.

Reisesegen erteilt

Nach der Predigt nahm der Stadtpfarrer auf dem Wallfahrtsplatz die Segnung der Fahrräder vor und erteilte allen Teilnehmern den Reisesegen. ds

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