Walldürn

Marsbach Untere Wasserbehörde und Biberberater Martin Kuhnt suchen nach Ursachen für trockenes Bachbett ab der Brücke in der Seestraße

Biberdamm wirkt sich nicht auf Quellschüttung aus

Walldürn.Eigentlich fließt das Wasser des Marsbachs von seiner Quelle in der Nähe des ehemaligen römischen Badehauses in Walldürn über den Main und den Rhein in die Nordsee. Nicht so seit dem Hochsommer 2020: Ab der Marsbach-Brücke in der Seestraße bis zur Kläranlage ist das Bachbett trocken. Das wenige ankommende Wasser versickert im Untergrund.

Kommen als Verursacher die seit 2018 im oberen Marsbachtal heimischen Biber als Verursacher in Betracht, weil sie mit ihren Dämmen den Bach anstauen? Dieser Frage ging in den vergangenen Wochen das Landratsamt als Untere Wasserbehörde in Zusammenarbeit mit Biberberater Martin Kuhnt nach.

Biber sind durch den Bau von Dämmen in der Lage, kleinere Fließgewässer anzustauen. An den Dämmen bilden sich dann, abhängig vom Gewässerprofil, sogenannte Biberteiche. Da Biberdämme aus Holz, Schlamm, Steinen und weiteren organischen Materialien bestehen, sind sie trotz ihrer stauenden Wirkung auch durchlässig. Vereinfacht gesagt, fließt die Menge Wasser, die dem von Bibern besetzten Gewässerabschnitt zugeführt wird, abzüglich der Verdunstungs- und Versickerungsmenge, unterhalb des Biberreviers wieder im Gewässer weiter. So verhält es sich auch beim Marsbach.

Damm fachmännisch geöffnet

Es stellte sich somit die Frage, ob der Aufstau des Marsbachs im Quellbereich einen Einfluss auf die Quellschüttung, also die austretende Wassermenge, hat. Um dies herauszufinden, wurde ein Biberdamm im Bereich des Marsbach-Brunnenfeldes von einem Mitarbeiter des städtischen Bauhofs fachmännisch geöffnet.

Da es sich um einen sogenannten Erschließungsdamm und nicht um einen den Biberbau schützenden Damm handelte, konnte die Maßnahme durch den Biberberater veranlasst werden. Denn Biberdämme dürfen nicht einfach geöffnet oder beseitigt werden. Je nach Dammtyp ist die Genehmigung der Unteren beziehungsweise Höheren Naturschutzbehörde, vertreten durch die Biberberater (Landkreis) und Biberbeauftragten (Regierungspräsidium), erforderlich.

Durch die Öffnung des Damms wurde der Biberteich abgesenkt, so dass auch der Aufstau im Bereich der Quellaustritte reduziert wurde. Über mehrere Wochen hinweg kontrollierte ein Bauhof-Mitarbeiter den Damm in regelmäßigen Abständen t und öffnete diesen sofern notwendig erneut.

Denn Biber reagieren auf Eingriffe in ihr angelegtes Dammsystem in der Regel unmittelbar mit Reparaturmaßnahmen.

Messungen der Wasserpegel zeigten, dass der Quellaustritt des Marsbachs durch die Maßnahme frei lag. Zu einer Veränderung der austretenden Wassermenge führte dies allerdings nicht. Somit ist kein unmittelbar erkennbarer Einfluss der Biberaktivitäten im oberen Marsbachtal auf die Quellschüttung festzustellen. Untersuchungen zu den Ursachen der geringen Quellschüttung und zum Trockenfallen des genannten Marsbach-Abschnittes werden seitens der Unteren Wasserbehörde weiter betrieben.

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