Walldürn

Wohnungsbau Verhältnis von Fertigstellungen und Bedarf lag Ende 2019 bei 248,3 Prozent

Bestand um 532 Wohnungen gewachsen

Im Neckar-Odenwald-Kreis werden jährlich 214 neue Wohnungen benötigt. Im Jahr 2019 ist der Bestand deutlich über Bedarf hinaus gestiegen, nämlich um 532 Wohnungen.

Neckar-Odenwald-Kreis. Mit 68 133 Wohnungen aller Art und Größe ist der Wohnungsmarkt im Neckar-Odenwald-Kreis ins Coronajahr 2020 gegangen. Das ist ein Wohnungsplus gegenüber dem Vorjahr von 0,8 Prozent und damit neuer Rekordbestand. Das sagt die aktuelle Wohnungsbestandsstatistik der Statistischen Landesämter. Was allerdings nichts darüber aussagt, ob die bestehenden Wohnungen auch zu mieten oder zu kaufen sind.

Dafür lässt sich auf der Basis des Wohnungsbedarfsmodells des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) berechnen, dass das im Neckar-Odenwald-Kreis Anfang 2020 erreichte Verhältnis von Fertigstellungen und Bedarf bei 248,3 Prozent liegt: Der Bedarf ist also durch nachwachsende Wohnungen mehr als gedeckt. Insgesamt gab es im Neckar-Odenwald-Kreis zum Stichtag 42 228 Gebäude mit Wohnungen (Vorjahr: 41 988).

0,8 Prozent Zuwachs

Die Wissenschaftler haben bis 2020 vorausberechnet, wie viele Wohnungen gebaut werden müssen, um mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt zu halten. Ergebnis für den Neckar-Odenwald-Kreis: Es werden jährlich 214 Wohnungen benötigt. Durch das reale Baugeschehen bis zum Jahreswechsel 2020 erhöhte sich der hiesige Bestand aber tatsächlich um 532 Wohnungen oder 0,8 Prozent.

Die Wohnungsträume zu beschreiben, die in diesem Bedarf inbegriffen sind, ist einfach: gute Lage, mit Balkon oder Garten, möglichst niedrige Miete, neudeutsch „bezahlbar“ – das sind die Eckpunkte der Traumwohnung. Arbeitsplatznähe und gute Infrastruktur kommen dazu. Welche der 68 133 vorhandenen Wohnungen im Neckar-Odenwald-Kreis diesem Ideal nahekommen, lässt sich statistisch freilich nicht erfassen. Bei der Frage, ob der Mensch lieber verdichtet oder auf Abstand wohnt, lässt sich die Antwort hingegen daraus ablesen, für was Bauherren ihr Geld ausgeben:

Traum vom Eigenheim

Der größte Traum der Menschen ist und bleibt das eigene Haus für die Familie: 28 642 Ein-Familienhäuser gibt es mittlerweile im Neckar-Odenwald-Kreis. Aber nicht für jeden ist dieser Traum bezahlbar. Bleibt die Eigentumswohnung oder das Wohnen zur Miete in einem der 3407 Mehrfamilienhäuser als Alternative. Als Mehrfamilienhäuser gelten alle Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen. Sozusagen ein Zwischending sind Häuser mit zwei Wohnungen. Von denen gibt es im Landkreis 10 144.

Große Wohnungen mit fünf Räumen (einschließlich Küche) und mehr waren im Neckar-Odenwald-Kreis zuletzt inklusive der Ein-Familienhäuser insgesamt 40 066 erfasst. Das sind rund 58,8 Prozent des Bestandes. 14 823 Wohnungen (21,8 Prozent) verfügten über vier Räume, 9077 Wohnungen (13,3 Prozent) waren Dreizimmerwohnungen, 3099 (4,5 Prozent) hatten zwei Räume und 1068 ein Zimmer (1,6 Prozent).

Rund 91,9 Quadratmeter hat die bundesweite Durchschnittswohnung aktuell, macht 47 Quadratmeter pro Kopf, sagt das Statistische Bundesamte. Im Jahr 2000 lag die Pro-Kopf-Wohnfläche bundesweit noch bei 39,5 Quadratmetern. 1960 waren es 19 Quadratmeter, hat das Wuppertal Institut nachgeschlagen, weil es einen Auftrag von „Fridays für Future“ bekommen hat, herauszufinden, wie Klimaneutralität schon 2035 erreicht werden kann.

Emissionen mindern

Ein Volk mit zuviel Raum macht da Probleme: Die Beheizung ist klimaschädlich (zumindest solange sie nicht CO2-neutral ist). Den Zuwachs „zu begrenzen und im Idealfall umzukehren wäre ein starker Hebel zur Emissionsminderung“, steht in der Studie. Zusammenrücken wärmt, wussten schon die Höhlenmenschen.

„Umfasst der Raum eine Größe von zwölf Quadratmetern erfüllt er das Mindestmaß, jedoch bietet eine größere Grundfläche von 15 bis 20 Quadratmetern weitaus mehr Entfaltungsmöglichkeiten für den kreativen Nachwuchs“, heißt es auf Fertighauswelt.de. Zumindest wenn sich die Eltern im Neckar-Odenwald-Kreis eine Wohnung mit entsprechender Größe aus dem Bestand leisten können oder im Interesse der Kinder wollen.

Zum Thema