Walldürn

Neckar-Odenwald-Tage Grandioser Chanson-Abend mit der Walldürner Sängerin und Kabarettistin Ann-Kathrin Schneider und Edi Farrenkopf am Piano

Amüsante musikalische Reise zum eigenen Ich

Archivartikel

Walldürn.„So oder so ist das Leben“ – Eine Frau macht Inventur: Der Chanson-Abend mit Ann-Kathrin Schneider war krönender Abschluss der gut besuchten Neckar-Odenwald-Tage in Walldürn, das dieses Jahr seine 1225 Jahre währende Geschichte feiert. Und so feierten die vielen Frauen (und wenigen Männer) beim Frauen- und Mädchentag des Kreises in der Nibelungenhalle mit und freuten sich auf einen unterhaltsamen Abend mit der jungen Interpretin und Edi Farrenkopf am Piano.

Bevor es musikalisch zurück in die 1920er bis 1960er Jahre ging, hieß Susanne Heering in Vertretung der erkrankten Chancengleichheits- und Frauenbeauftragten Angelika Bronner-Blatz die Besucher willkommen. Sie warf einen Blick auf erfolgreiche und bekannte Walldürner Sportlerinnen wie Silvia Neid und Nadine Talkner, aber auch solche, die sich für das Wahlrecht für Frauen einsetzten.

Bürgermeister Markus Günther hingegen vermerkte, dass es bei der Besetzung von Spitzenpositionen in der Wirtschaft und bezüglich der Parität in politischen Gremien bei Frauen noch Luft nach oben gebe. „Wir brauchen intelligente und gut ausgebildete Frauen“, betonte er.

„Ich freue mich über die riesige Resonanz“, sagte Landrat Dr. Achim Brötel in der Nibelungenhalle. „Sechs Veranstaltungen in zwölf Tagen - und alle wirklich ganz hervorragend gelungen“, mit diesen Worten zollte er der Stadt Walldürn als Gastgeber der diesjährigen Neckar-Odenwald-Tage ein großes Lob. Nach den Grüßen der Frauen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis, die Kreisrätin Heide Lochmann überbrachte, war es endlich soweit für die Hauptakteure des Abends.

Doch vorweg: Das Bühnenbild war auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich: schwarzer Hintergrund, wild drapierte Umzugskartons, ein Klavier. Was das wohl werden soll? Einfach überraschen lassen! Ann-Kathrin Schneider machte mit ihren Liedern über Frauen nicht einfach mal so Inventur – wenn schon, dann mussten auch die Schuhe dran glauben. Und die soll es bei Frauen ja reichlich geben.

In der Tat. Die Theaterpädagogin zauberte passend zu ihren Chansons das entsprechende Paar aus dem Karton: Da gab es schicke und lässige, hohe und flache, schwarze und weiße, rote und grüne, bequeme und unbequeme, gediegene und schrille. Und bereits an den Schuhen ließ sich erahnen, wo die amüsante musikalische Reise hingehen könnte. Zum Beispiel ins Sehnsuchtsvolle, ins Verzweifelte, ins Leidenschaftliche, ins Biedere oder ins Sinnliche.

Wie Ann-Kathrin Schneider es so treffend formulierte, seien Frauen ja immer irgendwie auf der Suche - nach Zufriedenheit, nach Glück oder einfach nur nach sich selbst. Da sei das ewige Problem mit der Identität, komme auch mal der Punkt, wo man ausbrechen wolle und die Dame der alten Schule einfach nur mal einen Gigolo küssen möchte.

Da kam Zarah Leanders Frage „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ nicht ungelegen, auch wenn das Lügen und Betrügen nicht nur Freude, sondern auch Leid bringt. Und die vermeintlich tröstenden Worte dann lauten: „Nur nicht aus Liebe weinen“.

Die Sängerin überzeugte das Publikum mit ihrer unvergleichlichen Stimme, ihrer Mimik und Gestik, präsentierte sich als ausdrucksstarkes Energiebündel. Die ausgesuchten Stücke wirkten wie auf sie zugeschnitten, seien es „Ein Neandertaler“, „Kann denn Liebe Sünde sein?“ oder Marlene Dietrichs Erfolgstitel „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ als Lola in „Der Blaue Engel“. Das perfekte Zusammenspiel mit Edi Farrenkopf tat sein Übriges.

Unvergessliche Songs

Verführerisch gestaltete Ann-Kathrin Schneider für die „Kenner aus der Provinz“ Günther Neumanns „Enthüllungen einer Striptease-Tänzerin“, alles natürlich in anständigem Rahmen. Mit unvergesslichen Songs wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef und Zarah Leanders „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ erlebten die Zuhörer einen genussvollen Abend. Am Ende hatten die Zuhörer im Saal eine Reihe von Frauen – sogar auf berlinerisch oder österreichisch – mit unterschiedlichsten Lebensweisen kennengelernt: So oder eben so. Letztendlich komme es darauf an, sich im Leben zu entscheiden, so Ann-Kathrin Schneider. Und mit seiner Entscheidung glücklich zu sein.

Tosender Applaus

Tosender Applaus war der Dank des Publikums für eine grandiose Vorstellung. Das Programm entwickelten Ann-Kathrin Schneider und Edi Farrenkopf gemeinsam vor drei Jahren, und sie können bis heute damit Erfolge feiern. Als Dank rezitierte die Künstlerin ihrem Pianisten frei nach Heinz Erhardt den „eminenten Tastenhengst“. Zur Zugabe schlüpfte die waschechte Walldürnerin in bequeme, silberglänzende Slipper und verabschiedete die Zuhörer musikalisch in der Hoffnung, „Ein bisserl fürs Hirn und fürs Herz“ geboten zu haben.

Für die Bewirtung sorgten die Damen von Mona Lisa und der Förderverein Frauen- und Kinderschutzhaus Neckar-Odenwald-Kreis. An Ständen der Kooperationspartner konnten sich die Besucher über unterschiedliche Themenfelder informieren. Der Erlös des Abends kommt dem Frauen- und Kinderschutzhaus sowie der Initiative Mona Lisa zugute.

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