Veranstaltungen

„Enkel für Anfänger“ Wolfgang Groos plädiert in seiner Komödie für mehr harmonisches Miteinander

Patente Patchwork-Familien

Archivartikel

Ein Leinwand-Seniorentreffen: Maren Kroymann („Freier Fall“), Jahrgang 1949, Barbara Sukowa („Hannah Arendt“), Jahrgang 1950, Heiner Lauterbach („Willkommen bei den Hartmanns“), Jahrgang 1953, und Günther Maria Halmer („Der Polizist und das Mädchen“), Jahrgang 1943. Überaus populäre, sogenannte „Best Ager“ zusammenzuspannen, hat sich im Kino in den letzten Jahren vielfach in soliden Zuschauerzahlen und positiven Kritiken niedergeschlagen, siehe Jane Fonda und Robert Redford in „Unsere Seelen bei Nacht“ oder die beiden „Best Exotic Marigold“-Dramödien mit Judi Dench und Bill Nighy.

Nun also nach „Wir sind die Neuen“ eine weitere deutsche Variante: „Enkel für Anfänger“ von Wolfgang Groos („Die Vampirschwestern“): In ihrem schicken Einfamilienhaus mit gepflegtem Garten lassen es sich Karin (Kroymann) und Gatte Harald (Halmer) gut gehen. Wäre da nicht die Langeweile, die die Ehefrau plagt – und ihr Wunsch, endlich einmal nach Neuseeland zu fliegen. Was ihre bessere Hälfte so gar nicht versteht – „Reisen ist extrem teuer. Für das Geld kriegen wir zwei Treppenlifte!“ –, ist er doch vollauf damit zufrieden, seine Spielzeuglokomotiven zu pflegen und sich darüber zu ärgern, dass Karin stets von seinen „Eisenbahnen“ spricht. Wo doch der Begriff übergeordnet für Schienenverkehr steht.

Egal. Denn Philippa (Sukowa) hält ihren Bruder ohnehin für einen Spießer, während sie in einem umfunktionierten Bauwagen wohnt, auf Konventionen pfeift und in Sachen Kleidung und Frisur alten Hippietagen – Joint inklusive – nachhängt. Um sich fit zu halten, hat sie sich bei einem „Enkel-Dienst“ angemeldet und passt auf die Tochter von Helikopter-Eltern auf, die sich, wie das Kind betont, ausschließlich „Bio“ ernähren. Das wäre doch auch eine passende Aufgabe für ihre Schwägerin sowie den ehemaligen Schulfreund Gerhard (Lauterbach) – „Der schwule Internist mit dem Stock im Arsch“ –, der ihnen über den Weg läuft...

Viele Klischees

Eine Mehrgenerationenkomödie. Keine schlechte Idee. Leider aber geraten die Figuren des Drehbuchs von Robert Löhr („Das Institut, Oase des Scheiterns“) häufig zum Klischee, und die Späße orientieren sich gerne am derben Humor, den Comedians wie Atze Schröder pflegen. Etwa wenn „Patenkind“ Viktor (Bruno Grüner) zwei Passantinnen erklärt, dass Opa Gerhard ihm seine „Blockflöte“ zeigen will und diese angeblich ein „Riesending“ sei. Was mit der Polizei geklärt werden muss. Oder wenn sich Griesgram Harald mehr um seinen Mähroboter sorgt als um das Mädchen, das auf ihm sitzend über den Rasen fährt: „Da sind rotierende Klingen drin. Wenn man da mit dem Fuß reinkommt, können sie kaputtgehen.“

Arrangiert man sich jedoch mit dem Witz, kann man sich kurzweilig unterhalten. Ob der Wahrheiten, die die Story birgt.

Siehe die herumliegenden Lego-Steine, auf die man schmerzhaft tritt, die Hüpfburg, die Erwachsene wieder zu Kindern werden lässt, die Schwierigkeit Arbeit, Aufsichtspflicht und Haushalt zu vereinen oder die moderne Partnersuche via Tinder. Schnell kommen sich Jung und Alt näher, Animositäten sind bald ausgeräumt und man macht einander mit „neuen“ Dingen vertraut.

Darunter eine Schreibmaschine, die der kleine Jannik – als Wirbelwind gespielt von Julius Maximilian Weckauf aus „Der Junge muss an die frische Luft“ – sofort als „alten Computer mit Drucker drin“ erkennt.

Alles nicht neu, aber schön präsentiert. Ein heiter-harmloser Heile-Welt- und Wohlfühlfilm, ein Plädoyer für Toleranz und die Vorzüge von Patchwork-Familien, das von den überzeugenden Darstellern lebt, die sichtlich mit Spaß bei der Sache sind. Dazu grundsolide inszeniert, akkurat ausgestattet und in klaren hellen Bildern von Andreas Berger („Das schönste Mädchen der Welt“) gefilmt. Gebhard Hölzl