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Bayerische Landesausstellung Würzburger Heiligenfigur unter Ausstellungsstücken in Regensburg

Einblicke in vergangene Zeiten

Die Bayerische Landesausstellung „Hundert Schätze aus tausend Jahren“ ist im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu sehen. 100 hochrangige Exponate von Museen aus Bayern Deutschland und ganz Europa werden Einblicke in mehr als ein Jahrtausend bayerische Geschichte zwischen dem sechsten Jahrhundert und 1800 geben. Darunter ist auch ein „Schatz“ aus Unterfranken: ein heiliger Nikolaus aus Lindenholz, gefertigt von Tilman Riemenschneider (um 1460 bis 1531). Die Figur ist eine Leihgabe des Museums für Franken in Würzburg.

„Das Haus der Bayerischen Geschichte hatte um eine Riemenschneider-Figur angefragt, die das Können und die Gestaltung dieses Würzburger Meisters verdeutlichen könne und eine besondere Geschichte erzählen würde“, sagt Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte.

Ein „Muss“ für Landesausstellung

Die Ausstellung umfasst insgesamt zehn Abteilungen. Der heilige Nikolaus wird in der vierten Abteilung mit der Überschrift „Gewissensfragen – Bayern vor 500 Jahren“ zu sehen sein. Als einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit sei Riemenschneider ein „Muss“ für die Bayerische Landesausstellung, schreibt das Haus der Bayerischen Geschichte. Seine Arbeiten kennzeichneten die Wende von der Gotik zur Renaissance.

„Das Antlitz des heiligen Nikolaus ist ein beredtes Beispiel dafür, wie der Meister durch das Zusammenspiel weniger Details Stimmungen und Gefühle zum Ausdruck brachte“, erklärt Lichte.

Das Alter habe darin seine Spuren hinterlassen, trotzdem sei die Lebenskraft nicht aus dem Gesicht gewichen. „Das Gesicht charakterisiert den Heiligen als weisen, asketischen Mann, der wissend in die Ferne blickt.“

Die aus Lindenholz gefertigte Figur war ursprünglich bemalt. Riemenschneider sei zwar berühmt für seine unbemalten Bildwerke aus Lindenholz, doch habe er daneben Zeit seines Lebens auch Holzbildwerke geschnitzt, die für eine Bemalung vorgesehen waren. Mit ihren Anstückungen, Ausbesserungen und ungeglätteten Oberflächen seien sie für den mehrschichtigen Farbauftrag vorgesehen gewesen.

Mit der Wiederentdeckung Riemenschneiders im 19. Jahrhundert sei auch seine Einschätzung als Schöpfer anmutiger, in sich ruhender, einfarbiger Schönheiten in Holz oder Stein einhergegangen. „Entsprechend wurden von vielen seiner farbigen Bildwerke die Fassungen entfernt“, erklärt Lichte.

Dramatische Geschichte

Ursprünglich sei die Heiligenfigur wohl für einen Altar im Siechenhaus Sankt Nikolaus in Würzburg angefertigt worden. 1882 gelangte sie in die Städtischen Kunstsammlungen und war später im Mainfränkischen Museum ausgestellt. Das Gebäude wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs fast vollständig zerstört. Die Figur galt danach als verbrannt.

Erst 1950 habe sich herausgestellt, dass sie im Schutt durch einen Privatmann „sichergestellt“ worden war.

Der „Finder“ habe den heiligen Nikolaus durch einen Mittelsmann an das Mainfränkische Museum zurückgeben lassen, das 1947 in der Festung Marienberg mit ersten Schauräumen wiedereröffnet wurde. „Seit dem 17. Oktober 1950 ist sie nun wieder im Riemenschneider-Saal ausgestellt, den sie nur zu besonderen, wohl begründeten Anlässen (…) verlassen darf“, schreibt Lichte in einem Text zur Ausstellung.

Historische Entwicklungen

Die Landesausstellung ermöglicht aufregende Einblicke in vergangene Zeiten und zeigen historische Entwicklungen auf. Der Bogen reicht von goldglänzenden Schätzen bis hin zum alltäglichen Objekt, das vieles über die Lebenswirklichkeiten in früheren Zeiten aussagen könne. Ergänzt wird die Ausstellung durch zehn biografische Skizzen.

So begleiten etwa eine jüdische Ärztin, ein Kaufmann, eine Bauerstochter oder der Dorfgeistliche den Besucher in die Vergangenheit und schildern aus ihrer Sicht den Lauf der Zeiten.

Die Bayerische Landesausstellung „Hundert Schätze aus tausend Jahren“ ist bis 8. März 2020 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu sehen. Die Öffnungszeiten sind täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr.

An folgenden Tagen ist die Ausstellung geschlossen: 24. Dezember (Heiligabend), 25. Dezember (erster Weihnachtsfeiertag), 31. Dezember (Silvester), 1. Januar 2020 (Neujahr) sowie am 10. April (Karfreitag). pow