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FN-Interview Gitarrist Sebastian Lange (Van Lange) und Sänger Michael Robert Rhein (Das letzte Einhorn) von „In Extremo“ zur neuen Scheibe und zum Musikantendasein zu Corona-Zeiten

Ein Party-Album mit deutlicher Botschaft

Archivartikel

Es hätte ein rauschendes Jubiläumsjahr werden sollen. Die neue CD „Kompass zur Sonne“ von „In Extremo“ landete auf Platz eins der deutschen Album Charts, und mit den Fans zusammen sollte das 25-jährige Bestehen live ausgiebig gefeiert werden. Doch es kam anders: Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Jubiläumstour aufs nächste Jahr verschoben werden. Im FN-Interview geben Gitarrist Sebastian Lange (Van Lange) und Sänger Michael Robert Rhein (Das letzte Einhorn) einen Einblick ins derzeitige Musikantendasein und sprechen natürlich über das neueste Werk.

Wo „In Extremo“ draufsteht, ist auch „In Extremo“ drin. Oder anders gesagt. „Kompass zur Sonne“ knüpft nahtlos an die vorherigen Veröffentlichungen an?

Michael Robert Rhein: Natürlich machen wir jetzt nicht ganz andere Musik. Zum einen ist die Band dieselbe geblieben, mit all ihren musikalischen Vorlieben und Inputs. Und zum anderen erwarten unsere Fans, die sehr treu sind, auch gewisse Dinge von uns. Die Stellschrauben für unsere Musik sind schon irgendwie gesetzt. Die grobe Marschrichtung steht im Prinzip. Und dennoch versuchen wir, uns immer ein wenig zu verändern, auch über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich denke, es ist uns gut gelungen, das Bewährte mit doch ein paar neuen Einfällen zu kombinieren.

Ihr klingt nicht mehr ganz so düster wie in früheren Tagen, und die Gitarren geben mächtig Gas, es geht stramm nach vorne.

Sebastian Lange: Wir wollten ein Party-Album machen, das in dieser düsteren Zeit den Menschen auch ein wenig Spaß bringt. Die Corona-Pandemie sorgt nicht gerade für Hochstimmung bei den Menschen. Wir sind der Meinung, egal, wie dreckig es einen geht, ein bisschen Party machen und mal die Fünfe gerade sein lassen, geht immer und muss auch sein. Rhein: Wir sind positive Menschen und wollen das mit unserer Musik vermitteln. Wenn wir schon untergehen, dann mit einer ausgelassenen Sause und einem großen Abschiedsknall.

Während Ihr musikalisch auf Party-Kracher setzt, bezieht Ihr textlich klare Kante gegen Rechts.

Lange: Es geschehen gerade ganz sonderbare Dinge in Thüringen und anderen Bundesländern. Da sind Leute mit ganz komischen Ansichten unterwegs. Da muss man als Musiker klar Stellung beziehen gegen die rechte Gesinnung, die sich immer mehr breit macht. Da kann man nicht einfach ruhig bleiben und wegschauen. Wir als Musiker kommen nicht drumherum, die Dinge klar anzusprechen und auch anzuprangern.

Wie ist das eigentlich? Steht zuerst der Text und komponiert ihr dann die Musik – oder ist es eher umgekehrt?

Rhein: Das ist unterschiedlich. Beim Komponieren sind wir nicht festgelegt. Manchmal steht schon die komplette Songstruktur, bevor wir ins Studio gehen, manchmal nur der Text.

Während Eure musikalische Marschrichtung ziemlich konstant ist, habt Ihr in den letzten Jahren Euer Outfit und auch das Art-Work Eurer CDs doch stark verändert?

Lange: Das macht natürlich unheimlich Spaß, sich immer wieder in einer anderen Kulisse und anderem Bühnen-Outift zu präsentieren.

Angefangen habt Ihr als mittelalterliche Barden, jetzt seit Ihr nach 25 Jahren in den 1920er Jahren gelandet. Wie präsentiert ihr Euch in 25 Jahren.

Lange: Vermutlich werden wir dann als Kosmonauten auftreten. Das wäre sicher lustig.

Apropos live. Eure für dieses Jahr geplante Jubiläumstour musstet Ihr aufs nächste Jahr verschieben. Wird es dennoch eine Jubiläumstour und worauf was dürfen sich die Fans freuen?

Rhein: Natürlich wollten wir es so richtig krachen lassen. Wir hatten schon einen Strauß bunter Melodien gebunden, der natürlich Songs aus allen Bandphasen beinhaltet. Und wir wollten an speziellen Plätzen spezielle Shows spielen. Neben den Standards wären sicherlich auch einige Überraschungen im Programm gewesen. Jetzt sind unsere Live-Aktivitäten leider auf Eis gelegt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und wir werden alles nächstes Jahr ausgiebig nachholen.

Für Musiker sind das besonders schwere Zeiten?

Lange: Wir Musiker haben wenigstens noch Einkünfte durch CD-Verkäufe. Viel härter trifft es unsere Crew-Mitglieder. Sie müssen das Jahr komplett ohne Arbeit und damit auch ohne Einkünfte überstehen. Deshalb hoffen wir, dass Corona bald vorübergeht und wir wieder loslegen können. Nichts geht über den direkten Kontakt zum Publikum.