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Kabarett Werner Koczwara gastierte beim Kunstverein in Tauberbischofsheim

Echt starke Vorstellung

Archivartikel

Ein echtes „Urgestein“ des bundesdeutschen Kabaretts gab sich jüngst nach gut sechsjjähriger Abstinenz im Engelsaal des Kunstvereins in Tauberbischofsheim wieder einmal die Ehre: Werner Koczwara sorgte vor (in seinem Fall kann schon sagen: naturgemäß) ausverkauftem Haus mit einem „Best of“-Programm für Lacher am laufenden Band und demonstrierte einmal mehr, dass ihm besonders in der von ihm selbst ins Leben gerufenen Sparte des „juristischen“ Kabaretts, aber auch in manch anderer Hinsicht hierzulande niemand etwas vormacht.

Die Witze über den Juristenstand, seine spezielle Mentalität und seine dem Verstand des Normalbürgers sich häufig entziehende Standessprache, die sogenannte oft mit skurrilen Schöpfungen aufwartende „Juristensprache“ sind wohl so alt wie dieser ebenso viel geschmähte wie unentbehrliche Berufsstand selbst.

Die Rechtsgelehrten waren und sind nun einmal eine besondere Menschengattung, deutlichst abgesondert von allen Unzugehörigen und darin allenfalls noch den Ärzten oder Geistlichen vergleichbar. Und ihre Sprache, in der das für jeden Normalbürger schlechthin Natürliche und Selbstverständliche, d.h. all das, was man nicht eigens zu sagen braucht, dennoch gesagt, festgestellt auf möglichst umständliche und pedantische Weise ausformuliert wird („Mit dem Tod des Dienstreisenden ist die Dienstreise beendet“ – ein Beispiel aus dem Beamtenrecht) fordert geradezu heraus, die darin enthaltene unfreiwillige Komik auszustellen und auszuloten. Wahrscheinlich hat auch die spezifisch deutsche Neigung zur theoretischen Gründlichkeit dazu beigetragen, dass unsere Rechtssprache einen wieder zum Lachen bringt.

Halb grimmig, halb gutmütig

Der mittlerweile 62-jährige Koczwara, seit nun mehr als drei Jahrzehnten auf der Kabarettbühne aktiv und mit zahlreichen einschlägigen Preisen bedacht, ist schon vom Typ her gleichsam wie geschaffen für diese Form der Kleinkunst: Ein bieder-bärbeißiger Schwabe von eher untersetzter, bodenständiger Statur, immer halb grimmig, halb gutmütig dreinschauend, der seine Schlag auf Schlag gesetzten Späße mit einer mächtigen, urwüchsigen Stimme vom Stapel lässt, die aus dem Trichter einer gestopften Trompete zu kommen scheint, mit immer gleichbleibendem Tempo, gleicher Tonhöhe und Lautstärke.

Das schafft den Eindruck einer grotesken Feierlichkeit, immer mit etwas Sarkasmus gewürzt, die ihrem Gegenstand durchaus angemessen ist, und sich zu echt schwäbischer Treuherzigkeit und Gemütlichkeit wandelt, wenn der geborene Schwäbisch Gmünder mal (wie im zweiten Teil seines „Best of“-Programms) das Thema wechselt und auf seine Kinder- und Jugendjahre in der Provinz der 60er Jahre, auf den Religionsunterricht und die Pubertätserlebnisse seiner Generation zu sprechen kommt.

Was gab es so alles zu lachen (und gelacht wurde praktisch ohne Pause) an diesem Abend? Der „Schönfelder“ und der „Sartorius“ natürlich, diese dickleibigen Paragrafensammlungen mit zugehörigen Kommentaren, die durch ihr enormes Gewicht den sie tragenden Juristen die Arme länger machen, der „Ohnbeiner“, eine der schönsten Sprachschöpfungen der deutschen Juristensprache, die Tücken bei der Abfassung eines Testaments, allerlei Reisemängel, zum Beispiel die „mangelnde Lebensgefahr“ bei einem gebuchten „Abenteuerurlaub“, die anscheinend tatsächlich von einem Kläger beanstandet wurde. Oder Beispielurteile hoher und höchster Instanzen, beispielsweise das „Suppenurteil“ des Bundesgerichtshofs, in dem bei einem erfolgreichen Anschlag mit vergifteter Suppe zwischen Mord und Totschlag unterschieden wurde: „Schmeckte die Suppe gut, ist es Mord, schmeckte sie schlecht, ist es Totschlag“.

Auch an Werner Koczwara sind die Jahre natürlich nicht ganz spurlos vorübergegangen – er ist inzwischen schlohweiß, und manchmal ließ an diesem Abend die Deutlichkeit seiner Artikulation ein wenig zu wünschen übrig. Gleichwohl war es wieder eine echt starke Vorstellung von einem echten Original, so dass das Publikum den komischen Rechtsgelehrten nicht ohne zwei Zugaben von der Bühne ließ.