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Interview Enrico De Pieri spielt im Wolfgang-Petry-Musical „Wahnsinn!“ mit

„Die Musik ist ehrlich und direkt“

„Das ist Wahnsinn!“, das Musical mit den Hits von Wolfgang Petry, kommt im April erstmals nach Würzburg. Musicaldarsteller Enrico De Pieri verkörpert darin Lkw-Fahrer Peter und erzählt im FN-Interview unter anderem, wie überraschend schwer Petry-Songs gerade für einen Mann zu singen sind.

Herr De Pieri, was erlebt die von Ihnen gespielte Figur Peter in dem Musical eigentlich?

Enrico De Pieri: Peter ist ein mittelständischer Logistikunternehmer, der noch viele Fahrten mit dem Lkw selbst unternimmt. Darüber vergisst er völlig das Wohl seiner Frau und auch den gemeinsamen Hochzeitstag. Seine Frau ist deshalb sauer und will sich scheiden lassen. Peter fährt daraufhin wutentbrannt los und macht sich auf den Weg nach Dänemark – mit einer Ladung Scampis im Gepäck. Er entschließt sich dann aber, um die Liebe zu kämpfen, landet auf der fiktiven spanischen Insel Bahia del Sol und erlebt einiges.

Ist das die Hauptgeschichte?

De Pieri: Insgesamt laufen vier parallele Liebesgeschichten. Diese Geschichten spielen sozusagen in verschiedenen Stadien des Lebens. Da gibt es eben Peter, der seine Ehe retten will, aber auch Tobi, der Rocksänger, der frisch verliebt ist.

Dann noch Tobis Eltern, ein rustikales Ruhrpott-Pärchen, und noch Wolf und Jessica, ein ehemaliges Hippie-Gespann, das nach langer Zeit wieder zueinander findet.

Aber was passiert denn mit den Scampis? Werden die nicht schlecht?

De Pieri: Ja, ich fand das auch einen ganz lustigen Aspekt meiner Geschichte (lacht). Aber keine Sorge. Peter schenkt sie einem Dorf. Wir achten auf Nachhaltigkeit in diesem Musical (lacht).

Wolfgang Petry und seine Musik kommen aus dem Schlagerbereich. Konnten Sie vor der Rolle bei „Das ist Wahnsinn“ etwas mit diesem Musikgenre anfangen?

De Pieri: Wenn ich ehrlich bin, nicht so wirklich. Ich war nach dem Anruf, ob ich in dieser Produktion mitspielen will, erst zögerlich. Ich habe mich ein wenig damit beschäftigt, mir Aufnahmen von Konzerten angesehen und angehört. Was sich dann gezeigt hat: Die Musik ist ehrlich, direkt und die Texte treffend. Es ist auch eine Kunst, das so hinzubekommen. Situationen lassen sich damit sehr gut ausdrücken und vermitteln. Und wir haben ja auch eine Rockband auf der Bühne, das ist wie ein Livekonzert. Das hat alles dazu geführt, dass ich zugesagt habe.

Beim Proben ist mir dann auch erst einmal richtig bewusst geworden, was für ein guter Sänger Wolfgang Petry ist. Die Stücke sind so komponiert, damit Frauen und Männer gleichermaßen mitsingen können, sind also für einen Mann sehr hoch geschrieben. Das ist schon eine Herausforderung.

Der Schlager erlebt seit einigen Jahren starken Aufwind, wird salonfähig durch junge Künstler wie Helene Fischer, Beatrice Egli oder Linda Hesse. Glauben Sie, dass ein Musical mit den Songs von Wolfgang Petry deshalb auch heutzutage funktioniert? Vor zehn Jahren wäre das wohl noch nicht der Fall gewesen . . .

De Pieri: Mal überlegen . . . Das Udo Jürgens-Musical läuft ja schon länger als zehn Jahre, glaube ich, und das hat auch funktioniert.

Die Musik ist gewissermaßen auch Schlager. Aber wahrscheinlich haben Sie Recht, dass die Hürde, das Musical zu besuchen, ein wenig kleiner geworden ist mit dem Schlagerboom. Aber angefangen hat ja alles mit dem Erfolg von „Mamma Mia“, dem ersten richtigen Jukebox-Musical einer Band. Also einem Musical, bei dem die Musiktitel schon vorher entstanden und das solche Produktionen nach sich gezogen hat.

Waren diese Erfolge und Trends Gründe für Sie, sich an dem Musical zu beteiligen?

De Pieri: Nein. Ich bin kein Produzent und mache mir keine Gedanken zu Erfolgsaussichten. Mich interessiert, ob ich hinter der Figur stehen kann, die ich da spiele, und welcher Regisseur und welche kreativ verantwortlichen Personen mitwirken.

Ich wusste, das Team, das hier beteiligt ist, hat gute Sachen gemacht, und ein gewisser Standard wird nicht unterschritten. Auch Freunde von mir, die erst skeptisch waren und Vorurteile hatten, aber mir zuliebe in das Stück sind, fanden es kurzweilig und hatten einen schönen Abend.

Zuletzt haben Sie über zwei Jahre die Rolle des Dschinni im Disney-Musical „Aladdin“ gespielt. Der Dschinni eröffnet Aladdin drei Wünsche. Was wären Ihre drei Wünsche?

De Pieri: Dass wir netter zueinander sind, auf globaler Ebene. Dann, dass wir diese Welt nicht ruinieren. Und als dritten Wunsch, da darf ich dann auch an mich denken, oder?

ja, sicher...

De Pieri: Dass ich weiterhin so tolle Musik machen darf.

Disneys Zeichentrickklassiker „Aladdin“ wurde vor rund einem Jahr als Realfilmversion veröffentlicht. Darin spielt Will Smith den Dschinni. Wie finden Sie den Film?

De Pieri: Ich habe ihn noch gar nicht gesehen. Es fällt mir nicht so leicht, etwas anzuschauen, wenn ich den Charakter jeden Abend selbst auf der Bühne verkörpere.

Etwas von diesem Charakter lebt in einem. Deshalb schaue ich mir auch selten Vorstellungen von Zweitbesetzungen an. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern anders. Das ist so, als hätte man ein Buch gelesen, schaut sich die Verfilmung an und stellt fest, dass es Unterschiede gibt. Es ist einfach eine andere Interpretation.

Außerdem lief der Film zu der Zeit, als ich fast jeden Abend auf der Bühne stand. Meinen freien Abend wollte ich nicht noch im Kino verbringen.

Sie sind auch Dozent und Gesangscoach. Gibt es einen Ratschlag, den Sie Amateursängern mit auf den Weg geben können, um die eigene Stimme und Stimmkraft zu verbessern?

De Pieri: Vielleicht nicht so ungeduldig sein. Und viel der Atmung widmen, auch wenn dabei kein richtiger Gesang zustande kommt. Aber die Atmung ist sehr wichtig und muss gut in Schuss sein, wenn man singen möchte.

Waren Sie schon einmal in Würzburg, bevor das Musical dort Station macht?

De Pieri: Nein, noch nicht! Ich war mal zu einem tollen Fest auf Schloss Seehaus. Aber noch nicht in Würzburg selbst. Ich hoffe, ich komme am Vormittag der Vorstellung dazu, mir etwas von der Stadt anzusehen. ella