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konzert „Five Finger Death Punch“, „Megadeth“und „Bad Wolves“ geben rund 11 000 Fans in der Stuttgarter Schleyerhalle gehörig was auf die Ohren

Bereit für den ganz großen Schlag

Während am Sonntagabend der Sturm „Sabine“ in und um Stuttgart noch ein laues Lüftchen ist, tobt in der Schleyerhalle vier Stunden lang ein musikalischer Orkan, der den rund 11 000 Fans mächtig die Gehörgänge durchbläst. „Bad Wolves“, „Megadeth“ und vor allem der Headliner „Five Finger Death Punch“ bringen mit mächtigen Riffs, ordentlich Lautstärke und mitreißenden Shows die Halle zum Beben.

Der Abend hat schon beinahe Festival-Charakter, und vor allem „Five Finger Death Punch“ empfehlen sich mit ihrem energiegeladenen Auftritt für höhere Aufgaben. Die Band ist definitiv bereit zum großen Schlag. Es sollte nicht wundern, wenn sie im nächsten Jahr als Headliner bei einem der großen Festivals zurückkehren werden.

„Five Finger Death Punch“ lassen sich nicht lumpen. Sie sind mit großem Besteck unterwegs. Dass es laut zugehen wird, dürfte jedem im Vorfeld klar gewesen sein. Dass sie aber auch in Sachen Show mächtige Geschütze auffahren, ist doch überraschend.

Zunächst verhüllt ein Vorhang die Bühne. Nach dem Einspieler „Spartans, What is your Profession?” zeichnet ein Laserstrahl das Band-Logo, einen Schlagring, auf den Vorhang, ehe dieser fällt und den Blick auf die Bühne frei gibt. Hier thront ein riesiger Totenkopf vor zwei gekreuzten Baseballschlägern über den Köpfen der Musiker.

Mit „Lift Me Up” steigen Frontmann und Sänger Ivan „Ghost” Moody, gekleidet in einem weißen Outfit zwischen Pyjama und Karate-Kluft und mit schwarzen Handschuhen, mit viel Schmackes ins Set ein. Flammenwerfer und Laser sorgen für die entsprechende Optik. Überhaupt ist die Light-Show beim Auftritt das Sahnehäubchen. Die Vollgas-Mucke schlägt beim Publikum sofort ein, frenetisches Mitklatschen und Singen setzen ein. Die ersten Crowd-Surfer lassen sich auf einer Welle der Begeisterung tragen.

Dass Stamm-Gitarrist Jason Hook aus gesundheitlichen Gründen nicht mit am Start ist, tut der Stimmung und dem Spiel der Band keinen Abbruch. Er wird vom befreundeten Kollegen Andy James vertreten, der seine Sache gut macht. Der Fünfer aus Kalifornien haut gleich einen Kracher nach dem anderen raus. „Trouble“, „Wash It All Away“, „Segue“, „Jekyll and Hyde“ und „Sham Pain“ bringen die Halle auf Betriebstemperatur.

Der „kleine“ Moody erweist sich als großer Sänger und Entertainer – und gibt sich martialisch. Kein Wunder, bezieht sich doch der Bandname auf den Martial-Arts-Film „Zhao – Der Unbesiegbare“.

Doch bei allem muskelstrotzenden, Testosteron gesteuerten Gehabe bietet die Band viel mehr als Nu-Metal, bedient sich nahezu der kompletten Klaviatur des Metal und Hardrocks. Und so ist es kein Wunder, dass sie nach den ersten Haudrauf-Nummern umschwenkt und mit dem Cover „Bad Company“ von „Bad Company“ umschwenkt und eine ganz andere Gangart einschlägt. Natürlich wird die Ballade aus den 70ern im Stil der Band interpretiert, sorgt aber dennoch für eine andere Note.

Und schließlich wird es sogar richtig heimelig auf der Bühne. Ivan Moody und Gitarrist Zoltan Bathory an der akustischen Klampfe machen es sich auf einem Sofa gemütlich und präsentieren sozusagen unplugged „The Tragic Truth“, ehe sie mit der Power-Ballade „The Wrong Side of Heaven“ das gesamte Publikum zum Mitsingen bewegen. Gänsehautmomente.

Mit dieser musikalischen Bandbreite haben sich die US-Amerikaner eine breit gefächerte Gefolgschaft erspielt, die von Teenagern bis zu Best-Agern – sowohl männlich als auch weiblich – reicht. Der Nu-Metal von „Five Finger Death Punch“ ist bei aller Härte von der Sonne Kaliforniens geküsst, ist immer eine gewisse Leichtigkeit im Spiel.

Gut ist auch, dass Sänger Moody offen mit seiner Alkohol-Sucht umgeht und stolz darauf ist, seit 23 Monaten trocken zu sein. „Ich freue mich für jeden, der trinken kann und friedlich bleibt. Ich kann es nicht. Deshalb habe ich aufgehört“, bekennt er freimütig. Bleibt zu hoffen, dass er es durchhält.

Auf der Zielgeraden treten „Five Finger Death Punch“ das Gaspedal nochmals voll durch. Selbst das Drum-Solo kann die Schussfahrt nicht stoppen. Nach „Burn FM“ lassen sich die Kalifornier nicht lange bitten und hauen „Inside Out“, „Under And Over iI“ sowie „The Bleeding“ als Zugabe raus. Nach 90 Minuten ist Schluss. Die Band hat alles gegeben, und die Fans feiern sie frenetisch.

Die Mannen des Openers „Bad Wolves“ sind mit „Five Finger Death Punch“ befreundet und hauen musikalisch in exakt die selbe musikalische Kerbe. Sie erweisen sich als grandioser Opener, der die Menge tatsächlich anheizt, selbst die hinteren Reihen zum Mitklatschen bewegen kann. Dem ein oder anderen sagt der Name „Bad Wolves“ vielleicht etwas, den meisten dürfte er unbekannt sein. Sie ließen aufhorchen durch ihre Cover-Version eines Hits, der fast allen bekannt sein dürfte: „Zombie“ von den „Cranberries“. Doch auch das eigene Material ist live-tauglich und macht Laune.

Etwas aus dem musikalischen Rahmen an diesem Abend fällt „Megadeath“. Für viele Fans des Thrash-Metal ist der einstige Gitarrist von „Metallica“, Dave Mustaine, Kult. Jedoch hat er es nie in die Oberliga geschafft. Gerade live lieferte er oft enttäuschende Shows ab. In der Schwabenmetropole ist er spielerisch topfit, glänzt mit seinen Saitenkünsten. Auch die Setlist stimmt, ist gepickt mit Klassikern.

Doch der Funke will nicht so recht überspringen. Zwar gibt es nach den Songs reichlich Applaus. Doch eine Einheit sind Band und Publikum nicht.

Die Fans lauschen eher andächtig. Das liegt zum einen daran, dass Mustaine kein Entertainer ist. Seine Ansagen und seine Präsenz sind eher mau. Zum anderen kann sein Gesang mit seinem Können als Gitarrist in keiner Weise mithalten. Kurzum er zieht die Massen nicht in seinen Bann.

Letztendlich sind „Megadeth“ die musikalischen Exoten, die zwar Klasse haben, aber nicht euphorisieren – im Gegensatz zu „Five Finger Death Punch“. Deshalb sind diese auch zurecht Headliner.