Tauberbischofsheim

Kläranlage Tauberbischofsheim Komplette Vergärung des Klärschlamms läuft seit 2017 nur noch über einen Turm / Neubau kostet rund eine Million Euro

Zweiter Faulturm ist nicht mehr dicht

Archivartikel

Einer von zwei Faultürmen der Kläranlage Tauberbischofsheim ist seit 2017 außer Betrieb, weil er nicht dicht ist. „Stufe I“ läuft derzeit allein. Doch das ist keine Dauerlösung, sondern ein Risiko.

Tauberbischofsheim. Quasi als Abfallprodukt der Behandlung des Abwassers in der Kläranlage entsteht Klärschlamm – in Tauberbischofsheim rund 2500 Tonnen pro Jahr.

Im Klärschlamm steckt Energie. Um diese zu nutzen und den Schlamm für die abschließende thermische Verwertung vorzubereiten, wird er in sogenannte Faultürme gepumpt. Methanbakterien, luft- und lichtdicht von der Außenwelt abgeschlossen, sorgen für eine Verringerung des Volumens. Bei diesem Prozess – der Vergärung oder Co-Fermentation – entsteht Biogas, das wiederum als Energiequelle in der Kläranlage genutzt wird.

„In Tauberbischofsheim entstehen durch diesen Prozess jedes Jahr etwa 260 000 Kubikmeter Gas, die in Blockheizkraftwerke geleitet werden und jährlich über 400 000 Kilowattstunden Strom produzieren“, erklärt Stefan Kriz, Leiter der Kläranlage, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Diese Menge an Strom reiche aus, um rund 40 Prozent des gesamten Bedarfs der Kläranlage abzudecken.

„Außerdem nutzen wir die freiwerdende Wärme und decken den Bedarf der gesamten Anlage zu 100 Prozent ab“, erläutert Kriz den positiven Effekt, der sich auch im Geldbeutel der Bürger bemerkbar mache. Hinzu komme, dass die Co-Fermentation für eine deutliche Reduzierung der Klärschlammmenge sorge. „Und das senkt die Entsorgungskosten des getrockneten Endprodukts, das per Fließband in eine Lagerhalle befördert und regelmäßig zur thermischen Verwertung abtransportiert wird“, so Kriz.

System der Hochlastfaulung

In der Kreisstadt nutzt man als eine von wenigen Kommunen im Land das System der sogenannten Hochlastfaulung. Das heißt, die Aufenthaltsdauer des Schlamms im Faulturm beträgt nur acht Tage und nicht, wie in konventionellen Anlagen, bis zu 30 Tage. Bereits im Sommer 2017 sei allerdings ein massives Problem aufgetaucht. Das Gas aus der Gärung sei nicht mehr im Blockheizkraftwerk angekommen, schildert Kriz. Schließlich habe man festgestellt, dass die Außenhülle des zweiten Faulturms (Baujahr 2005) undicht ist. Daraufhin habe man den Turm entleert, gereinigt und stillgelegt. Nach der Öffnung sei starke Korrosion an Bauteilen aus Edelstahl im Inneren sichtbar geworden. Die Schäden hätten zunächst selbst die Fachleute vor Rätsel gestellt.

Inzwischen muss Faulturm I (Baujahr 2001) seit mehr als einem Jahr die komplette Co-Fermentation alleine übernehmen. „Das ist auf Dauer keine gute Lösung“, betont Stefan Kriz gegenüber den FN. Zwar sei die Betriebssicherheit der Kläranlage dadurch nicht gefährdet. Es bestehe aber das Risiko, dass eine verwertbare Gasproduktion nicht mehr möglich ist.

Abgesehen davon würde ein intakter zweiter Turm auch wieder für eine deutliche Erhöhung der Gasproduktion sorgen und damit auch wieder ein Mehr an Strom und Wärme bedeuten.

Monatelang wurde intensiv nach einer Fachfirma gesucht, die den Schaden zuverlässig reparieren könnte, um einen Neubau überflüssig zu machen. Jedoch ohne Erfolg. Letztlich habe man kein Unternehmen gefunden, das die Reparatur des speziellen Turms inklusive einer Gewährleistung übernommen hätte. Die Firma, die das Bauwerk vor rund 14 Jahren errichtete, gebe es nicht mehr. Wie Stefan Kriz erläutert, habe die Stadt schließlich den Planer der Anlage, einen Ingenieur des Fraunhofer-Instituts, auf Honorarbasis beauftragt, die Lage zu beurteilen und das System auf den Prüfstand zu stellen.

Neubau die sicherste Variante

Das Ergebnis der Untersuchung wurde von Tiefbauamtsleiter Zoltan Szlaninka in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses vorgestellt (die FN berichteten). Demnach ist unter den gegebenen Umständen die effektivste und sicherste Variante ein Neubau. Allerdings ist in diesem Fall auch mit Kosten von rund einer Million Euro zu rechnen.

Eine Entscheidung soll möglichst schnell getroffen werden. Der Technische Ausschuss will sich in seiner nächsten Sitzung vor Ort ein Bild von der Situation machen. Wie Bürgermeister Wolfgang Vockel bereits ankündigte, werde er die Investition in einen neuen Faulturm vorschlagen, da es sich um die sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvollste Lösung handele. Letztlich muss dann der Gemeinderat entscheiden.