Tauberbischofsheim

Unternehmerpersönlichkeit Friseurmeister Jürgen Imhof feierte am Sonntag seinen 65. Geburtstag / Salon im Badener Ring ist sein Lebenswerk

„Zum Aufhören fühle ich mich viel zu jung“

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Dass er nun 65 Jahre alt ist, erscheint Jürgen Imhof „unwirklich“. Deshalb denkt der jung gebliebene Friseurmeister auch noch lange nicht ans Aufhören, höchstens ans „Weichenstellen“. Sein Salon im Badener Ring ist sein Lebenswerk. „Da“, sagt er, „wollen wir nicht irgendwann einfach nur den Schlüssel umdrehen“. Im Wörtchen „Wir“ ist Heidi Imhof mit eingeschlossen – seit fast 45 Jahren die Frau an seiner Seite.

Tauberbischofsheim ist dem gebürtigen Assamstadter, der noch drei Brüder hat, schon längst zur zweiten Heimat geworden. Seine Eltern führten einen Salon, und so wurde Imhof schon in früher Kindheit mit dem Friseurhandwerk vertraut. Was er erlebte, muss ihm gefallen haben, denn 1969 wurde er bei Willi Beck in Tauberbischofsheim zum Friseur ausgebildet und legte 1972 die Gesellenprüfung ab. 1974 kam der Wehrdienst, Imhof verpflichtete sich für zwölf Jahre als Zeitsoldat. Im Sanitätsdienst der Bundeswehr ließ er sich zum examinierten Krankenpfleger ausbilden.

Seiner Kreativität und seiner Leidenschaft für Schönheitspflege und Mode tat die Zeit beim „Bund“ keinen Abbruch, im Gegenteil: Er legte die Meisterprüfung im Friseurhandwerk ab und machte sich im Januar 1986 mit der Übernahme des Friseursalons Beck in der oberen Fußgängerzone selbstständig.

15 Jahre später zogen die Imhofs in ihr neues Wohn- und Geschäftshaus im Kirschengarten ein. Dort führt das Paar nun seit 18 Jahren erfolgreich seinen Damen- und Herrensalon mit einem Zweithaarstudio.

Einen großen Einfluss an seiner unternehmerischen Entwicklung hatte die Biosthetik. Jürgen Imhof war zehn Jahre Teamleiter der Aktivgruppe Main-Tauber. Neun weitere Jahre engagierte er sich ehrenamtlich als Regionalpräsident innerhalb der Societé Française de Biosthétique (SFB), der größten privaten Friseur- und Kosmetikvereinigung mit mehr als 3000 Mitgliedern im deutschsprachigen Raum. Sie ist immer noch eines seiner Lieblingsthemen: „Es hat mir viel bedeutet, ein Teil davon zu sein“. Durch die Societé habe der Friseurberuf, insbesondere im Ausbildungsbereich, ein besseres Image bekommen, das Berufsbild sei allgemein attraktiver geworden – nicht zuletzt auch durch die Zusatzqualifikation „Hair and Beauty Artist“. Die SFB arbeitet eng mit der FH in Pforzheim zusammen, wo eine universitäre Ausbildung zum begehrten Diplom „Coiffeur-Master of Management“ möglich ist.

Die Ausbildung, auch sie liegt Jürgen Imhof sehr am Herzen. „Die externen Schulungen sind ein Merkmal unseres Unternehmens“, sagt er. „Wir sind stolz, dass wir so viele fähige Leute hervorbrachten, von denen sich einige selbstständig gemacht haben“.

Sich selbst hat er in all diesen Jahren nichts geschenkt. „Was ich in den 1980er und 1990er Jahren geleistet habe, könnte ich mir heute allein schon wegen der Zeit nicht mehr zumuten“, sagt Jürgen Imhof und denkt dabei vor allem an die Bürokratie, die ihn mindestens eine Stunde pro Tag an den Schreibtisch fessele. Er erinnert sich – ein Beispiel von vielen – , wie gerne er an Wettbewerben teilnahm und dazu nach Feierabend noch zum Trainieren in die Friseur-Akademie Baden-Württemberg nach Stuttgart oder auch tagsüber zu seinem Mentor Hubert Wild nach Göppingen fuhr: „Ich habe nirgends so viel in der Praxis gelernt wie beim Preisfrisieren“, sagt er heute rückblickend.

Ein besonders prägendes Erlebnis war seine Zeit im Studio von „Langhaarpapst“ Dr. George Michael in New York. Auch dessen Gegenbesuch in Tauberbischofsheim wird er nie vergessen.

Die Zeitungsberichte über Michaels Top-Event im Bonifatiusheim hob er alle auf.

Die Weiterentwicklung Tauberbischofsheims hat er stets nach Kräften unterstützt: Imhof wurde 1986 als Jungunternehmer zum Vorsitzenden der Vereinigung der Gewerblichen Wirtschaft gewählt, 1987 initiierte er die erste Leistungsschau mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Hollerbach, und 1994 wurde er Vorsitzender des Wirtschaftsforums Pro Tauberbischofsheim. Die Modenschauen, die die Imhofs in der Stadt veranstalteten, sind legendär. Jürgen Imhof ist zudem Gründungsmitglied der Stadtgarde und Initiator des Kiwanis Clubs.

Zum Aufhören fühlt er sich jetzt, mit 65, „viel zu jung“. Er hängt an seinem Beruf, der ihn mit einer tiefen Zufriedenheit erfüllt – Imhof denkt da besonders an Menschen mit Haarverlust, denen er in seinem Zweithaarstudio helfen kann. Doch auch ganz allgemein gesehen, erfordere seine Tätigkeit viel Einfühlungsvermögen. „Die schönen Momente haben stets überwogen“, sagt er und meint: „Die nächsten Jahre möchte ich weiter aktiv in meinem Betrieb tätig sein, aber schon auch über die Nachfolge nachdenken“.

Sein geliebtes Tennis will er weiterhin spielen und nach wie vor bei den Jedermannturnern mitmachen. Ein weiteres Lieblingsthema sind seine Tochter Kathrin mit ihrem Mann Sebastian und besonders seine Enkelin Anna, die ihm viel Freude bereitet. Und für die Literatur möchte er sich auch mehr Zeit nehmen als bisher.

Im nächsten Jahr gibt es im Hause Imhof übrigens wieder einen guten Grund zum Feiern: Heidi und Jürgen Imhof begehen im Juli Rubinhochzeit.

Die Fränkischen Nachrichten schließen sich den Glückwünschen zum Geburtstag gerne an.