Tauberbischofsheim

Künstler trifft die Corona-Krise hart Der „Circus Valentino Artistico“ sitzt fest / Familie bittet um Geld- und Lebensmittelspenden

Zirkusfamilie strandet in Eubigheim

Archivartikel

Das Coronavirus stellt das Leben vieler Menschen auf den Kopf. Die Zirkusfamilie Bügler wollte mit ihrem Programm in Main-Tauber-Kreis gastieren. Doch daraus wurde nichts.

Eubigheim. Mit einem oft nicht zu fassenden Tempo hat das Coronavirus das öffentliche Leben in Deutschland auf ein Minimum heruntergefahren. „Was kommt als Nächstes und wie soll es weitergehen?“, diese Fragen dürften sich wohl so einige in diesen Tagen stellen.

Besonders Künstler trifft die Krise hart: Fest eingeplante Einnahmen brechen weg. Wann Auftritte wieder möglich sind, ist ungewiss. Auch der Circus Valentino Artistico hat sich die kommenden Wochen und Monate ganz anders vorgestellt. Am 1. März trat die Gruppe noch in Eubigheim vor 14 Zuschauern auf.

Unerwartete Situation

Danach wollte die Artistenfamilie ihr Programm mit Feuerspucken, Jonglieren, Rolla-Rolla und mexikanischen Westernspielen in Rosenberg präsentieren. Doch daraus wurde nichts. Die Verordnungen der Landesregierungen machen Auftritte bis auf Weiteres unmöglich. Der Zirkus ist in Ahorn gestrandet: „Wir können nirgendwo hin. Die Behörden sagten zu uns, dass es an anderen Orten keine Stellplätze für uns gibt und wir hierbleiben sollen. Wir wissen derzeit nicht wo vorne und wo hinten ist“, beschreibt Sibylle Bügler, die den Zirkus mit ihrem Sohn und ihren Schwiegereltern führt, die Situation der Familie.

Die Natur traf die Familie in den vergangenen Wochen gleich zwei Mal. Zuerst in Form der Sturmtiefs Sabine und Charlotte, die die Aufführungen in Walldürn und Eubigheim erschwerten – dann schlug ein bis jetzt unbekannter Gegner zu: das Coronavirus.

Nicht als „Dauerlösung“ gedacht

Abwarten heißt es jetzt für die vierköpfige Artistengruppe. Erst einmal darf sie mit ihrem Wohnwagen auf dem Sportplatz in Eubigheim bleiben. Das sei aber keine „Dauerlösung“, sagt Ahorns Bürgermeister Elmar Haas im Gespräch mit unserer Zeitung.„Im Moment zumindest ist das möglich, aber leider nicht ewig. Sobald die Fußballer ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen, werden die Parkplätze gebraucht.“

Die finanzielle Situation der Familie bezeichnet Sibylle Bügler indes als „dramatisch“. „Unsere gesamten Ersparnisse stecken in den Requisiten und unserem Wohnwagen. Wir haben keinen Notgroschen übrig.“ Die Schwiegermutter lebe von Grundsicherung. „Unsere Vorräte reichen nur noch für ein bis zwei Wochen. Wir sind auf Spenden in jeder Form angewiesen, Hauptsache wir kommen irgendwie durch diese Krise. Wir brauchen auch Futter für unsere Tiere“ – Ein Lama, ein Pferd und ein Hund gehören zu dem Zirkus. „Ich habe Sorge, dass unser Zirkus Pleite geht“, sagt Adriano Tomay Bügler. Ich bin sehr verzweifelt, da ich leider keine Auftritte mehr geben kann und kein Geld mehr verdiene. Deshalb bedanke ich mich bei jedem im Voraus und schätze alle Hilfsangebote.“

Wasser und Strom des Sportvereins können die Büglers zwar zu den bisherigen Konditionen nutzen und auch zur Kaution soll es keinen Aufschlag geben, in Hinblick auf eine weitere Unterstützung ist Bürgermeister Haas aber „sehr vorsichtig“: „Sie können selbst zu Spenden aufrufen. Das haben sie ja auch schon getan, indem sie in der Ortschaft von Tür zu Tür gegangen sind.“ Vor kurzem sei in der Gemeinde ein Haus abgebrannt. Auch in diesem Fall seien Spendenaktionen in einem privaten Rahmen abgelaufen.

Arbeitslosengeld könne die Familie nicht beantragen, da sie nicht polizeilich gemeldet ist, sagt Sibylle Bügler. Haas hat mit einem solchen Fall noch „keine Erfahrungen“ gemacht. Er möchte aber mit dem Arbeitsamt reden, um zu fragen, welche Möglichkeiten es gibt. „Sobald ich mal ein paar Minuten Zeit habe, werde ich das machen.“

Viele offene Fragen

Am Montag will Adriano Tomay Bügler mit der Gemeinde noch einmal telefonisch über die Situation sprechen und erfragen, wie lange die Familie auf dem Sportplatz bleiben darf. Eine klare Antwort wird er aber wohl nicht bekommen. Denn: Wann Fußballer wieder auf den Rasen dürfen oder Auftritte von Zirkuskünstlern zugelassen sind – das weiß zum gegenwärtigen Zeitpunkt keiner.