Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Viele Sirenen und Apps blieben am Warntag stumm“ (FN, 11. September)

Warntag – und keiner macht mit

Erwartungsvoll bin ich an diesem Donnerstag von 11 bis 11.20 Uhr am Fenster gesessen, hatte nebenbei das Radio laufen und wartete darauf, in welcher Form die Kreisstadt des Main-Tauber-Kreises am diesjährigen bundesweiten Warntag teilnimmt. Immerhin ist das der erste seiner Art seit der Wiedervereinigung – für Leute in meinem Alter der erste in ihrem Leben.

Nun musste ich nach den angekündigten 20 Minuten feststellen, dass in Tauberbischofsheim nichts passiert war. Keine Sirenen, keine Durchsagen. Auch die auf der Internet-Seite des Main-Tauber-Kreises oft angesprochene Warn-App Nina (hierüber sollte die Probewarnung im Kreis laut Internetbeitrag hauptsächlich laufen, Stand 10. September, 14.30 Uhr) versandte an mein Smartphone keine Probemeldungen. In der App war für den Kreis nicht einmal der Warntag angekündigt oder in anderer Weise vermerkt. Der Radiosender erwähnte den Warntag in einem 25-sekündigen Beitrag am Ende der Nachrichten. Von der angekündigten Programm-unterbrechung um 11 Uhr war dies meines Erachtens weit entfernt.

Nun stellt sich die brennende Frage, wie in diesem Fall Tauberbischofsheim, immerhin Kreisstadt, seine Bürger in Zukunft vor echten Gefahren zu warnen gedenkt. Selbstverständlich wünschen wir uns alle, dass ein solcher Ernstfall niemals eintreten wird, doch hierfür muss man sich vorausschauend im Allgemeininteresse vorbereiten und es muss für mögliche Gefahrenlagen sensibilisiert werden. Dass Tauberbischofsheim – wie viele Orte, auch kleinere – über eine Feuerwehrsirene verfügt, ist bekannt.

Meiner Meinung nach ist die Katastrophenwarnung per Sirene oder Durchsage nach wie vor unerlässlich, auch in Zeiten der Digitalisierung. Nicht jeder hat sein Smartphone ständig bei sich, und Fernseher sowie Radios sind nicht permanent eingeschaltet. Doch im Ernstfall kann jede Minute entscheidend sein. Eine Überlastung von Warn-Apps bei landes- oder bundesweiten Gefahrenlagen ist nachvollziehbar und zugleich zu erwarten. Gerade deswegen sollte man „analoge“ Warnmöglichkeiten beibehalten und wieder ausbauen, um jeden Mitbürger schnell und zuverlässig zu erreichen.

Warn-Apps sind sehr wichtig, doch sollten sie eine Unterstützungsfunktion einnehmen und nicht die Hauptlast einer Alarmierung tragen.

Auch wenn alle Mittel und Wege der Katastrophenwarnung im Ernstfall sicherlich/hoffentlich funktionieren, bleibt am Ende doch festzustellen, dass der Warntag hier seinen Zweck verfehlt hat.

Aber es war ja lediglich eine Übung (die man im Idealfall dennoch meistert).