Tauberbischofsheim

Matthias-Grünewald-Gymnasium Nina Warken stellte sich via Videokonferenz Fragen der Schüler

Virtuelle Politikstunde kommt gut an

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Einblicke in den Alltag einer Bundestagsabgeordneten gewährte Nina Warken Schülern der neunten und zehnten Klasse des Matthias-Grünewald-Gymnasiums. Weil in Zeiten von Corona persönliche Kontakte problematisch sind, fand dieser Politikunterricht der besonderen Art als Videokonferenz statt.

Nina Warken berichtete, wie Corona ihren Arbeitsalltag verändert hat: „Alles, was geht, wurde als Videokonferenz abgehalten“, erzählte sie. Nur ein Teil der Abgeordneten sei im Plenarsaal oder bei den Ausschusssitzungen zugegen gewesen, um den Hygienebestimmungen zu entsprechen. Für Abstimmungen habe man außerdem das Prozedere geändert.

Weil im Bundestag nicht digital abgestimmt werden darf, seien auch im Foyer und in Nebenräumen Wahlurnen aufgestellt worden. Eigentlich, so Warken, bestehe für Abgeordnete eine Präsenzpflicht in Berlin. Die sei wegen Corona aufgehoben gewesen. „Die eine oder andere Sitzungswoche ist ganz ausgefallen.“ Etliche Veranstaltungen konnten ebenfalls nicht stattfinden. Manchmal sei sie nur wegen einer Abstimmung nach Berlin gefahren. Mittlerweile finden die Sitzungswochen ihren Angaben zufolge aber wieder fast normal statt.

Mit Interesse hörte Nina Warken, die die Videokonferenz vom heimischen Wohnzimmer bestritt, wie das Matthias-Grünewald-Gymnasium den coronabedingten Ausnahmezustand bewältigt hat. „Quasi über Nacht mussten alle denkbaren Kommunikations-, Arbeits- und Austauschplattformen für das virtuelle Unterrichten eingerichtet werden“, erklärte Tobias Endres vom Schulleitungsteam. Mittlerweile sei der digitale Fernunterricht zum Standard neben dem Präsenzunterricht geworden. Als Gemeinschaftskundelehrer lernte Tobias Endres in den vergangenen Monaten die Vorteile digitaler Plattformen zu schätzen.

„Mit ihrer Hilfe konnten wir den kontroversen Austausch im Rahmen des Politikunterrichts fortführen und vertiefen“, betonte er. Die Arbeit mit Foren und Webkonferenzen habe politische Diskussionen und den Meinungsaustausch zwischen den Schülern ermöglicht.

Viele Fragen an die Politikerin

Im Vorfeld hatten die Schüler sich überlegt, was sie Nina Warken fragen wollten. Die einen wollten beispielsweise ihre Motivation für die Politik erfahren, andere erkundigten sich nach ihrer Einstellung zu Frauenquote, Maskenpflicht oder Polizeigewalt. „Zwang ist nie gut“, meinte Warken im Hinblick auf die Quote. Ihre Partei, die CDU, müsse allerdings mehr tun, um Frauen zu fördern. Die Pflicht zur Maske in bestimmten Situationen wollte Warken beibehalten. In der gegenwärtigen Situation gelte es, vorsichtig zu sein. Das Thema Polizeigewalt mahnte die Abgeordnete differenziert zu betrachten. Anders als die mediale Darstellung suggeriere, seien Polizisten viel öfter Gewalt ausgesetzt, als dass von ihnen Gewalt ausgehe. Eine „interessante Abwechslung zum normalen Politikunterricht“ nannte Amelie Dinger die Videokonferenz mit Nina Warken. Die Neuntklässlerin freute sich wie ihre Mitschülerin Beyza Ünal, einen Einblick in das Leben einer Abgeordneten bekommen zu haben. Spannend sei es gewesen, von Dingen zu erfahren, die man so nicht mitbekomme, meinte Magdalena Häfner.

„Politiker sind ganz normale Menschen“, erkannte Sina Uhl. Mit Nina Warken via Internet von zu Hause aus dem Wohnzimmer zu sprechen, sei faszinierend gewesen. Ziemlich beeindruckt von Warkens Ausführungen zeigte sich Lena-Marie Spies. Wie die Abgeordnete den Spagat zwischen Tauberbischofsheim und Berlin meistere, nötige ihr Respekt ab. „Tauschen wollte ich nicht“, betonte sie. Ein solch „zweigeteiltes Leben“ könnte sie sich nicht vorstellen.

Als „wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung“ bezeichnete Tobias Endres die Videokonferenz mit Nina Warken. Es sei wichtig, dass Jugendliche Politik als kontrovers erleben und erfahren, dass ihre Fragen ernst genommen werden.

„Gerade in Zeiten, in denen populistische Meinungsmacher sich im öffentlichen Raum zunehmend Gehör verschaffen, muss der Politikunterricht Raum bieten für einen sachlichen und offenen Austausch und die politische Meinungsbildung ermöglichen.“