Tauberbischofsheim

Blick in die Stadtgeschichte Einst stand am ostseitigen Ende der Tauberbrücke ein zweites Renaissance-Tor von Caspar Lerch von Dürmstein

Verheerendes Hochwasser zerstörte 1784 das Dürmsteinsche Tor

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Neben dem „Halbigstor“ hatte Caspar Lerch von Dürmstein ein zweites Renaissance-Tor am ostseitigen Ende der Tauberbrücke, nahe der dort erbauten Leonhardikapelle. Doch die vielen und starken Hochwasser setzten dem Dürmsteinschen Tor und der St. Leonhardikapelle derart zu, dass beide nach dem verheerenden Hochwasser von 1784 nicht wieder aufgebaut wurden.

Die Steine des zerstörten Tores wurden wahrscheinlich von der Büschemer Bevölkerung als Baumaterial verwendet – bis auf den Wappenstein. Dieser ist heute in der unteren Diele des Kurmainzishen Schlosses, im Tauberfränkischen Museum eingemauert, seine Herkunft ist in Vergessenheit geraten.

Erst bei den Nachforschungen zum Bau des Stadtmodells für das Museum tat sich eine Quelle auf: Der Guardian des Büschemer Franziskanerklosters Caspar Liebler, gebürtig aus dem Melusinenhaus in der Unterstadt, beschreibt in seinem Büchlein „Leben der heiligen Jungfrau und Äbtissin Lioba“ ganz nebenbei das untere Renaissancetor mit seiner Wappentafel und Inschrift. Diese Beschreibung trifft genau auf den bis dahin, von seiner Herkunft her, unbekannten Wappenstein zu.

Die lateinische Inschrift lautet übersetzt: „Caspar Lerch von Dürmstein, bischöflicher Amtmann, ließ dies unter den Rentmeistern Johann Spehr und David Spehet im Jahr Christi 1613 errichten“, also ein Jahr nach der Errichtung des „Halbigtors.Caspar Lerch von Dürmstein hat sich in seiner Amtszeit von 1611 und 1619 in einer Reihe von Stiftungen und Baumaßnahmen als einer der Großen unter den Mainzer Amtmännern ausgezeichnet. In Bischofsheim wurde die Stadtmauer erhöht und weiter ergänzt, der Stadtkirche stiftete er einen Stefanusaltar und das Geläute der Kirche mit einer Glocke, 1616 ließ er eine Kreuzigungsgruppe aus Stein anfertigen, die heute die Friedhofshalle ziert. Aus den Ortschaften, in denen er wirkte, sei stellvertretend der Keller auf dem „Pastoreiplatz“ in Werbach genannt, „desgleichen kein Köller in selbigen Dorf befindlich“. Der Keller ist heute unter dem Gasthaus „Zum Ochsen“ und kann auf Wunsch besichtigt werden.