Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Massive Vorwürfe der Manipulation“ (FN, 10.11.)

Union muss bunter werden

Die aktuellen Vorgänge in der CDU Main-Tauber sind für mich befremdlich und auch nicht wirklich nachvollziehbar. Ob die Delegiertenwahl in Tauberbischofsheim nun rechtens war oder nicht, spielt hier für mich nur noch eine eher untergeordnete Rolle. Die Art und Weise, wie man in der Frage Kandidatur Bundestagswahl 2021 vorgeht, ist der Stein des Anstoßes für diesen Leserbrief. Man kann die Legitimität, dass es zwei Bewerber um den Posten der Kandidatin oder des Kandidaten für die nächste Bundestagswahl gibt, nicht in Abrede stellen.

Das ist ein normaler, demokratischer Prozess. Bedenklich wird es, wenn man die Entscheidung in der Art und Weise beeinflusst haben sollte, wie es in dieser Zeitung kundgetan wurde.

Gelinde gesagt bin ich noch unsicher, ob ich lachen oder mich ärgern soll, wenn Herr Döffinger in einer schwer erträglichen, jovialen Art unverhohlen darauf hinweist, dass Nina Warken ja quasi als ‚Quotenfrau’ über die Liste Ihre Chance wahrnehmen soll. So könne sie ja dem Wahlkreis noch mehr dienen. Also in dem Stil: Mutti darf Kandidatin werden, wenn Papa es erlaubt.

Das ist so etwas von überholt und so sehr 1950er, dass man fassungslos ob der Einfalt eines solchen Gedankens dasteht. Das erinnert an die Zeit, in der schmuddelige Herrenwitze in Hinterzimmern für Erheiterung sorgten, während dort nebenbei ausgekungelt wurde, wer was wird. Dieser implizierte Appell an die Randgruppen in der Union, also Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und/oder Homosexuelle, lieber auf die Liste zu gehen, um den „Normalen“, also Hetero-Männer, nicht den angeborenen Platz wegzunehmen, ist einfach unsäglich. Diese Denkweise einer Altherren-Truppe ruft bei mir mehr als nur ein Kopfschütteln hervor.

Es wird Zeit, dass sich in der Main-Tauber-Union die Erkenntnis durchsetzt, dass wir in den 20ern des 21. Jahrhunderts leben. Man muss nicht mehr zwingend Posten an wohl verdiente (ein Leerzeichen gehört für mich hier an diese Stelle) Männer verschieben, die sich schon lange Zeit, mehr oder weniger erfolgreich, für zahllose Ämter in der Union beworben haben. Mann muss sich daran gewöhnen, dass das Frauenwahlrecht nicht ein Geschenk der männlichen Elite war, sondern ein Grundrecht ist, dass die Gleichbehandlung kein moderner Firlefanz ist, sondern ein Menschenrecht. Des Weiteren ist es nicht mehr angebracht, dass das realexistierende politische Patriarchat eine männliche Erbmonarchie auf Abgeordnetenstellen in unserem Wahlkreis begründet. Macht die Augen auf, das will keiner mehr sehen, geschweige denn wählen.

Lasst die CDU endlich bunter werden und näher an den Menschen heranrücken, dann wird es auch was mit unserem Wahlkreis in Berlin.