Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Wir fühlten uns alleine gelassen“ (FN, 13. Mai)

„Unglückliche Bilder in der heutigen Zeit“

Mit großem Interesse habe ich den Bericht „Wir fühlten uns alleine gelassen“ über die Pflegedienste gelesen.

Ich stimme auch den Pflegebeauftragten, Frau Michel-Kempf, Herrn Susset und Herrn Diehm in ihren Ausführungen teilweise zu.

Die Dienste, die die Schwestern und Pfleger an den Kranken oft unter widrigen Umständen , beengt und kompromissvoll erbringen müssen, sind sicherlich oft unbeschreiblich. Denn bei den ambulanten Diensten trifft man auf dem Land nicht nur auf gutsituierte Familien, nein, man lernt teilweise unter der deutschen Bevölkerung eine Armut, aber auch Zufriedenheit und Wertschätzung kennen, die unbeschreiblich ist.

Das Pflegepersonal muss oft improvisieren und ist mit den täglichen Hilfeleistungen auf sich gestellt.

Trotzdem könnte man mit Blick auf die Bilder in Ihrer Zeitung meinen, man wäre 25 Jahre zurückversetzt.

Sie schreiben von Schutzkleidung, die dem Personal fehlt. Das kann teilweise auch noch in unserer heutigern Zeit sein. Aber eine Dienstkleidung gibt es bei den Pflegediensten in der Regel überall.

Ihre Bilder zeigen eine Schwester beim Verbandswechsel und Gummistrumpfanziehen in voller Privatkleidung, sogar noch mit Winterjacke, aber schon mit Mundschutz und Handschuhen. Dieses Bild passt nicht mehr in die heutige Zeit, aus hygienischen Gründen schon gar nicht in die Viruszeit. Man kann nicht annehmen, dass die gesamte Privatkleidung täglich gewaschen, desinfiziert oder erneuert wird. Im Bad Mergentheimer Raum erkennt man das Pflegepersonal an seiner waschbaren Dienstkleidung.

Ohne diesen ambulanten Pflegedienst wären wir arm dran. Leider wird er erst geschätzt, wenn man Hilfe braucht.

Die verschiedenen Organisationen jammern zwar über die Kosten, obwohl aber die Kranken, oft für Minuteneinsätze, ein horrendes Geld bezahlen müssen.

Von dieser knappen Zeit werden oft 30 bis 40 Prozent für Dokumentation und Romaneschreiben in die Akte verbraucht. Sieht man die Vergütungstabellen, so wird jeder Handgriff berechnet und bezahlt, so dass eine ambulante Betreuung auch weit über 2000 Euro im Monat kosten kann.

Mancher Hausarzt würde sich freuen, wenn sein Abrechnungssatz für einen Hausbesuch beim Kranken so honoriert werden würde, wie Leistungen des Pflegediensts.

Wenn man sieht, wie trotz Geldmangel die Pflegeheime aus dem Boden wachsen, muss man den Eindruck bekommen, dass vielleicht doch ein paar Euro an den zu Pflegenden verdient werden können.