Tauberbischofsheim

Verein Anyievo-Ekpui/Togo Jahreshauptversammlung erfolgte digital / Rückblick auf erfolgreiche Projekte

Über 100 000 Euro gut investiert

Archivartikel

Dittigheim.Nicht in Dittigheim, sondern in der digitalen Welt veranstaltete der Verein Anyievo-Ekpui/Togo dieses Mal seine Mitgliederversammlung. Anyievo lautet die Bezeichnung für Regenbogen in dem westafrikanischen Land, Ekpui ist ein kleines Dorf am Togosee.

Die Corona-Pandemie macht auch dem Verein um seine Vorsitzende Elisabeth Wycisk zu schaffen. Doch die zwischenzeitlich 43 Mitglieder der vor knapp zehn Jahren gegründeten Gemeinschaft lassen sich nicht dabei beirren, dem Dorf mit Hilfe zur Selbsthilfe unter die Arme zu greifen.

Erste Grundschulklasse gegründet

Das Ergebnis könne sich sehen lassen, betonen die Verantwortlichen in einer Pressemitteilung. Durch zahlreiche Spenden, Patenschaften sowie Näh-, Strick- und Bastelarbeiten ist es in den vergangenen zwei Jahren gelungen, unter anderem den Kindergartenbetrieb inklusive Mittagessen für 40 Mädchen und Jungen aufrecht zu erhalten und sogar eine erste Grundschulklasse mit 22 Kindern zu gründen. Darüber hinaus wird elf Patenkindern der weiterführende Schulbesuch ermöglicht. Außerdem gelang es, eine Apotheke mit Arznei gegen die schlimmsten Krankheiten in Togo einzurichten und zu betreiben.

Besonders stolz ist der Verein auf den Bau eines Mühlenhauses mit Stromanschluss. Vor Kurzem wurde eine Maismühle gekauft. In dieser können die Einwohner von Ekpui und der umliegenden Dörfer ihren Mais gegen einen Kostenbeitrag mahlen lassen.

Zisterne errichtet

Nachdem sich der Bau eines Brunnens als unmöglich erwiesen hatte, konnte eine Zisterne errichtet werden, die 100 000 Liter fasst. Hintergrund ist, dass Ekpui zwar direkt am Togosee liegt, das Wasser dort aber sehr verschmutzt und teilweise versalzen ist. Deshalb waren Jahr für Jahr viele Krankheiten und zahlreiche Todesfälle zu beklagen.

In der Näherei entstehen Schuluniformen für die Kindergartenkinder sowie die Schüler. Außerdem baute man Duschen.

Mehrfach wurde gezielte Notfallhilfe geleistet. Beispielsweise als der 22-jährige Wosieda von der Palme stürzte und sich Wirbel brach, half der Verein bei den Kosten fürs Krankenhaus und unterstützte die Rekonvaleszenz. Rund 30 Frauen im Dorf wurde ein Darlehen gewährt, mit dem sie Saatgut erwerben und eine größere Ernte erzielen konnten. Schritt für Schritt zahlen sie das Darlehen zurück und bauen sich eine Existenz auf.

Große Sorgen bereitete dem Verein die Hungersnot, die auch Ekpui vor der letzten Ernte heimsuchte. Durch eine große Kraftanstrengung gelang es, fast 1000 Familien über drei Monate hinweg mit Mais, Reis, Salz und Öl das Überleben zu ermöglichen.

Fleißig genäht wurden von Beginn der Corona-Pandemie an mehrere hundert Schutzmasken in Deutschland. Aber auch in Ekpui liefen die mechanischen Nähmaschinen fast rund um die Uhr, um Mund-Nase-Schutzmasken für das dortige Krankenhaus zu nähen und gleichzeitig eine Einkommensquelle zu erschließen.

All das bedeutet viel Arbeit. Mehr als 100 000 Euro wurden in den vergangenen zwei Jahren für Ekpui ausgegeben. Dass das Geld ohne Abzug den Menschen dort zugutekommt, dafür sorgt die Vorsitzende gemeinsam mit Tronou Deahun, dessen Heimatdorf Ekpui ist.

Zukunftspläne sind schon geschmiedet. Die elf Patenkinder sollen weiterhin beim weiteren Schulbesuch unterstützt sowie die Kindergartenkinder und die erste Grundschulklasse gut betreut und mit Mittagessen versorgt werden. Außerdem ist als Ergänzung zur Apotheke ein Impfplan für die Kinder bis zu einem Jahr vorgesehen. Überhaupt sollen verstärkt Projekte der Vorsorge im Hinblick auf die Gesundheit der Kinder angestoßen werden.

Lehrkräfte wurden bereits zusätzlich angestellt, denn es ist mehr Unterricht geplant. Außerdem soll ein Büro eingerichtet und mit einem Internetanschluss versehen werden. Dann könnte auch der Kontakt zu den Patenkindern beziehungsweise zwischen Ekpui und der Grundschule Impfingen besser gepflegt werden. Die Kinder und Eltern der Schule engagieren sich seit vielen Jahren mit Spenden und Kleidersammlungen.

Einstimmig wurde der Vorstand in der virtuellen Mitgliederversammlung entlastet. Die Kassenprüfer bescheinigten eine einwandfreie Führung der Finanzen. Mit anerkennenden Worten aus dem Vorstand verabschiedet wurden die bislang stellvertretende Vorsitzende Elisabeth Hönninger sowie Schriftführer Emil Hönninger. Beide versicherten allerdings, auch künftig den Verein aktiv unterstützen zu wollen. Elisabeth Wycisk wurde als Vorsitzende und Kassenwartin bestätigt. Neu im Amt sind Birgit Frei als stellvertretende Vorsitzende sowie Kirsten Baumbusch als Schriftführerin.

„Held des Jahres 2020“

Eine Überraschung gab es zum Schluss der Mitgliederversammlung. Die Firma Rothenberger Werkzeuge in Frankfurt ist auf den Verein aufmerksam geworden und hat ihn als den „Helden des Jahres 2020“ ausgezeichnet. Der Preis beinhaltet alle Spenden, die über Weihnachten gesammelt werden.