Tauberbischofsheim

Caritas Dienste Offene Hilfen bieten im Herbst/Winter verschiedene Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderung an / Begleiter gesucht

Teilhabe in allen Bereichen ermöglichen

Archivartikel

Die Caritas Dienste wollen mit den Offenen Hilfen Tauberkreis Menschen mit Teilhabebeeinträchtigung die Möglichkeit geben, ihre Freizeit nach individuellen Wünschen zu gestalten.

Main-Tauber-Kreis. Was für die „Normalos“ eine Sebstverständlichkeit ist, ist für Menschen mit Beeinträchtigung oftmals ein unmögliches Unterfangen: die Freizeit nach eigenem Gutdünken gestalten, einfach so, wie es einem beliebt. Im Kino einen Film ansehen, einen Ausflug machen, Museen besuchen, in den Zirkus oder Zoo gehen oder einfach mal in einem Eiscafé ein Eis essen, stellt sie vor Probleme, die sie allein oft nicht bewältigen können.

„Wir haben bei unseren Mitarbeitern in den Werkstätten vermehrt festgestellt, dass das Bedürfnis da ist, die Freizeit individuell zu gestalten“, sagt der Chef der Caritas Dienste, Matthias Fenger. „Deshalb war es für uns als Caritas im Tauberkreis auch wichtig, ihnen dabei zu helfen, damit sie sich diesen Wunsch erfüllen können.“ Mit den Offenen Hilfen habe man nun ein Instrument, mit dem die Caritas Dienste dieses Feld beackern können. „Wir betreten hier vollkommenes Neuland, betreiben echte Innovation“, meint Fenger. „Die Aktion Mensch hat für fünf Jahre die Mittel zur Verfügung gestellt, damit die Caritas Dienste in diesem Bereich Akzente setzen.“

Das Bundesteilhabegesetz fordert, dass die Menschen mit Beeinträchtigung gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft sein sollen, die auch die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ihre Freizeit nach individuellen Wünschen und Interessen zu gestalten. Der Anspruch der Caritas Dienste und vor allem auch der Koordinatorin Miriam Engelbertz ist es, „Menschen jeden Alters und mit den verschiedenartigsten Formen der Teilhabebeeinträchtigungen ein möglichst breitgefächertes Portfolio an unterschiedlichsten Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebote anzubieten“, wie es im Programmheft Herbst/Winter heißt.

„Wir haben zunächst sechs Programmpunkte zusammengestellt, von denen einer, der Besuch des Heilbronner Weihnachtscircus, leider schon wegen Corona weggefallen ist“, erläutert Miriam Engelbertz gegenüber unserer Zeitung. „Dies ist aber nur ein Anfang. Es können durchaus noch mehrere Aktivitäten hinzukommen.“ Es gebe noch viele weitere Möglichkeiten, was man in seiner Freizeit alles tun kann. Vorgesehen ist bei den Programmpunkten der Offenen Hilfen, dass die Gruppen möglichst klein sind und, wenn möglich, öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden. Große Gruppenreisen mit dem Bus sind hier nicht geplant. Die Teilnehmerzahl ist mit sechs bis sieben überschaubar.

„Die Unternehmungen mit den Offenen Hilfen sollen natürlich auch eine Entlastung der pflegenden Angehörigen darstellen“, sagt die Koordinatorin. „Aber sie dienen auch der Stabilisierung alternativer Wohnformen.“ Denn das Bundesteihabegesetz sieht auch vor, dass Menschen mit Beeinträchtigung wenn möglich nicht im Heim, sondern selbständig allein oder in der Familie leben. „Wir wollen so zu einer gelebten Inklusion beitragen“, ergänzt Fenger.

Allerdings sieht sich die Koordinatorin Miriam Engelbertz nicht nur als eine Art Reiseveranstalterin, vielmehr ist es auch ihre Aufgabe, Begleitpersonen zu akquirieren und die Teams der Freizeitbegleiter zusammenzustellen. „Wir wollen homogene Gruppen haben, damit alle ihren Spaß haben“, so Engelbertz. „Und je mehr Freizeitbegleiter wir haben, desto umfangreicher können wir natürlich unser Angebot gestalten.“

Freizeitbegleiter kann im Prinzip jeder machen, deswegen hofft die Koordinatorin, dass sich möglichst viele melden. „Natürlich werden die Interessenten geschult, bevor sie als Begleitpersonen eingesetzt werden, denn sie müssen ja wissen, wie man mit einem Rollstuhl umgeht und wie man reagiert, falls etwas Unvorhergesehens passiert“, erklärt Engelbertz.

Neben den Gruppenausflügen besteht auch die Möglichkeit der Einzelunterstützung. Sie kann die Begleitung zum Arzt, Unterstützung im Alltag, Betreuung im häuslichen Umfeld oder auch individuelle Freizeitaktivitäten beinhalten. Dadurch sollen pflegende Angehörige bei derBetreuung eines Menschen mit Beeinträchtigung unterstützt und entlastet werden.

„Ich bin froh, dass wir die ambulanten Pflegedienste mit der ambulanten Eingliederungshilfe mit im Boot haben“, sagt Michael Fenger weiter. Das passe perfekt und ergänze die Offenen Hilfen ideal.„Wir betreuen ja die Menschen mit Beeinträchtigung in ihrem eigenständigen Wohnen und wissen, welche Hilfen sie brauchen und welche Wünsche sie haben, und wir können da mit den Offenen Hilfen gut kooperieren“, sagt Veronika Bauer, Leiterin der Ambulanten Dienste.