Tauberbischofsheim

Kläranlage Tauberbischofsheim Stadt investiert rund 1,3 Millionen Euro in Umbau der Hochlastfaulung / Anlage funktionsfähig und zukunftssicher machen

Stillgelegter Faulturm wird saniert

Archivartikel

Seit Sommer 2017 ist einer von zwei Faultürmen der Kläranlage Tauberbischofsheim stillgelegt. Nun soll der Turm aufwendig saniert werden.

Tauberbischofsheim. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Mittwoch die Ingenieurleistungen zur Sanierung und zum Umbau der Hochlastfaulung im Bereich der Tauberbischofsheimer Kläranlage vergeben. Einstimmig entschied sich das Gremium für die Beauftragung der Firma Eberle Ingenieure (Neckarsteinach). Die Kosten dafür belaufen sich nach Angaben der Stadt auf rund 185 000 Euro.

Zugleich wurde der Auftrag zur wissenschaftlichen Begleitung an Dr. Werner Sternad, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut, vergeben. Kosten: rund 6500 Euro.

Aufgrund einer zu hohen Konzentration von Schwefelwasserstoff war an einem von zwei Türmen der Hochlastfaulung der Kläranlage Lochfraß entstanden. Dadurch wurde der Edelstahlbehälter im Kopfbereich undicht und musste bereits im Sommer 2017 stillgelegt werden (die FN berichteten).

Durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen, die laut Stadt dann Kosten von rund 1,1 Millionen Euro nach sich ziehen werden, soll die Anlage nun wieder voll funktionsfähig und zukunftssicher gemacht werden.

System der Hochlastfaulung

In der Kreisstadt nutzt man als eine von wenigen Kommunen im Land das System der sogenannten Hochlastfaulung. Das heißt, die Aufenthaltsdauer des Schlamms im Faulturm beträgt rund eine Woche und nicht, wie in konventionellen Anlagen, bis zu 30 Tage.

Bereits im Sommer 2017 war allerdings ein massives Problem aufgetaucht. Das Gas aus der Gärung kam nicht mehr im Blockheizkraftwerk an.

Schließlich wurde festgestellt, dass die Außenhülle des zweiten Faulturms (Baujahr 2005) undicht war. Daraufhin wurde der Turm entleert, gereinigt und stillgelegt. Nach der Öffnung wurde starke Korrosion an Bauteilen aus Edelstahl im Inneren sichtbar. Inzwischen muss Faulturm I (Baujahr 2001) seit mehr als drei Jahren die komplette Co-Fermentation alleine übernehmen. Das ist nach Angaben der Verantwortlichen bei der Stadt auf Dauer keine gute Lösung.

Zwar sei die Betriebssicherheit der Kläranlage dadurch nicht gefährdet. Es bestehe aber das Risiko, dass eine verwertbare Gasproduktion nicht mehr möglich ist. Abgesehen davon würde ein intakter zweiter Turm auch wieder für eine deutliche Erhöhung der Gasproduktion sorgen und damit ein Mehr an Strom und Wärme bedeuten. Zur Bewertung der Situation sowie zur Erarbeitung eines Sanierungskonzepts der Anlage hat die Stadt bereits im vergangenen Jahr einen Ingenieur des Fraunhofer-Instituts auf Honorarbasis beauftragt, die Lage zu beurteilen und das System auf den Prüfstand zu stellen.

Das Ergebnis der Untersuchung wurde dem Technischen Ausschuss im September 2019 vorgestellt. Damals wurde ein Neubau des Turms als effektivste und sicherste Variante angesehen.

Zwischenzeitlich gibt es jedoch auch eine gutachterliche Stellungnahme, die eine Sanierung im Bestand als möglich erachtet. Wie Tiefbauamtsleiter Zoltan Szlaninka in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch erläuterte, ist deshalb nun geplant, den vorhandenen Faulturm zu einem sogenannten Schlaufenreaktor umzubauen, den Gasbehälter zu erneuern und die technische Ausrüstung (Maschinentechnik) auf den neuesten Stand zu bringen. Damit einher gehe eine Änderung der Betriebsweise (Steuerung) der gesamten Anlage.

Anschließend könnten beide Faultürme wieder im seriellen wie auch parallelen Betrieb geschaltet und das Faulraumvolumen – je nach Anforderung bis zu 720 Kubikmeter – angepasst werden.

Bürgermeisterin Anette Schmidt erklärte abschließend, dass sich die Gesamtkosten – inklusive Ingenieurleistungen und wissenschaftlicher Begleitung des Projekts – auf rund 1,3 Millionen Euro belaufen werden.