Tauberbischofsheim

Statistik Immer mehr Motorradfahrer im Main-Tauber-Kreis / Auch der Anteil der Frauen nimmt zu / Lärmbelästigung großes Problem

Sorgenkind ist der „Klappen-Auspuff“

Archivartikel

Die Zahl der Motorradfahrenden ist im Main-Tauber-Kreis auch im Jahr 2020 gestiegen und erreicht neuen Höchstwert.

Main-Tauber-Kreis. Wenn von den 9676 Motorradfahrenden im Main-Tauber-Kreis fünf Prozent Lärmfreaks sind, dann sind das 484 Menschen mit Maschinen, die dem Rest der Menschheit auf die Nerven gehen. Inklusive denen, die gerne mit gedämpftem Wummern unterwegs sind.

Fünf Prozent „Radaubrüder“

Das mit den fünf Prozent ist dabei nicht aus der Luft gegriffen, 2015 gab’s im baden-württembergischen Weinort Weinstadt-Schnait mal eine mehrmonatige, spezielle 24-Stunden-Lärm-Messreihe zu diesem Thema: Da kamen die fünf Prozent als Minimalwert raus, die zur Tag- und Nachtzeit, aber auch gerne morgens früh um 4.37 Uhr mit röhrenden Töpfen Rücksichtslosigkeit demonstrierten. Seitdem wuchs die Zahl der Krafträder bundesweit. Die Radaubrüder blieben politisch ungeschoren.

Im Main-Tauber-Kreis lag nach der jährlichen Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes der Gesamtbestand an Motorrädern, Rollern, Trikes, Quads & Co, Anfang 2020 bei 10 118 Krafträdern und damit um 96 Maschinen über dem des Vorjahres und gleichzeitig auf einem neuen Höchstwert.

Immer mehr Bikerinnen

Die Maschinen sind dabei längst nicht mehr nur Männersache: Mit einem Frauenanteil von 13,6 Prozent liegt der Main-Tauber-Kreis in der Bundesliga der Motorrad-Frauen auf Platz 147. Spitzenreiter unter 400 Städten, Kreisen (samt Stadtstaaten) ist die bayerische Stadt Ansbach mit 16,8 Prozent.

Die Zahl der Krafträder hat 2020 bundesweit einen neuen Rekord erreicht: 4,51 Millionen Maschinen. Rund 76 Krafträder pro 1000 Einwohner waren es in Main-Tauber-Kreis. Oder in absoluten Zahlen: 10 118 Maschinen. Schlüsselt man die Entwicklung auf, ergibt sich, was den Main-Tauber-Kreis angeht, folgendes Bild: Die Zahl derer, die auf Motorrädern und -rollern, sprich zulassungspflichtigen Zweirädern, unterwegs sind, stieg im KBA-Vergleich um 91 auf 9676. Die Zahl der Dreiräder liegt bei 73 (Vorjahr: 65). Bei den Quads sind 369 registriert (Vorjahr: 372).

9901, 10 022, 10 118, war die Entwicklung bei der Gesamtzahl der Krafträder im Main-Tauber-Kreis in den Jahren 2018, 2019 und 2020. Für Frauen lautet die Zahlenreihe: 1358, 1348, 1375 für die letzten drei Jahre. Bleiben für die Männer: 8543, 8674, 8743 Kraftfahrzeugbriefe und -scheine. Oder 86,4 Prozent (Vorjahr: 86,5 Prozent). Eine klare Mehrheit, aber auch eine klare Ansage: Die Zeiten als Frauen als Sozia nur „bella figura’’ auf der Maschine machten und für die Hinterherfahrenden für die Hingucker sorgten, kommen nicht wieder. Bundesweit wächst die Zahl der Frauen mit eigenem Zweirad von Jahr zu Jahr. 2020 wurden jetzt 596 113 Mädels mit Maschinen gezählt. (589 274 oder 6839, sprich 1,2 Prozent weniger, waren es noch Anfang 2019 gewesen.)

Klappe zulassen

Motorräder und die Unterarten sind klar auf Spaß ausgerichtet und meist im Schönwettereinsatz. Die Spaßmobile machen aber nicht jedem Spaß. Es soll Leute geben, die zählen die Tage bis zum 30. September. Die einen, weil sie dann ihre Maschine einmotten müssen, weil die meisten als Saisonfahrzeuge nur Schönwettergeräte sind. Die anderen, weil es dann wieder leiser wird, weil die Maschinen aus Feld und Flur verschwinden. Denn die Lust an Motorrad ist für einen Teil der Fahrenden mit der wörtlich zu nehmenden Lust verbunden, die Klappe aufzureißen.

Das kleine Teil am sogenannten Klappen-Auspuff verleiht Motorrädern (und auch Sportwagen) die Lautstärke von kleinen Düsenjets, wenn es geöffnet wird. Die Freude ist allerdings meistens nur auf Seiten des Klappenbesitzers. Und damit wie gesagt bei einer Minderheit. Dreht man den Zahlenspieß um, heißt der hiesige Bestand auch, dass rund 924 Menschen von 1000 im Main-Tauber-Kreis keine Maschine am Start haben. Als Nachbarn motorradfreundlicher Strecken (und Nachbarschaft erstreckt auch gerne über einen Kilometer) haben sie aber den Lärm.

Eingeschränktes Krachlimit

Der Haken an der Herrlichkeit, wenn die Rücksichtnahme fehlt: Kradfahrer können bei Tempoüberschreitungen ein Bußgeld bekommen, ein Krachlimit gibt es immer noch nur eingeschränkt. Krachmach-Maschinen sind nach den derzeitigen Vorgaben für die Betriebserlaubnis sogar zulässig (sie müssen nur auf dem Prüfstand leise sein).

Das gilt weltweit, Basis ist eine UN-Regelung. Aber auch das lässt sich im Prinzip ändern: „Die Arbeiten zum deutschen Vorschlag zur Änderung der UN-Regelung 92 für Motorradaustauschschalldämpfer wurden Ende 2018 abgeschlossen. Die Änderung führt dazu, dass Klappenschalldämpfer mit Laut-/Leise-Umschaltung zukünftig nicht mehr genehmigungsfähig sein werden. Dies wird zu einer Reduzierung der Realgeräuschemissionen führen, da diese Schalldämpfer in den letzten Jahren bei einigen Motorradfahrergruppen immer beliebter wurden. Vorschriftenänderungen zur UN-Regelung 59 für Pkw-Austauschschalldämpfer mit gleicher Wirkung sollen folgen’’, meldete das Verkehrsministerium zu Beginn der Motorradsaison 2019.

Ruhe an der Gesetzesfront

Seitdem herrscht Ruhe: An der Gesetzesfront. Im realen Leben wird’s noch dauern bis das ankommt. Das Ballyhoo des Bundesrates ist ja auch eher Theaterdonner, weil konkrete Maßnahmen Fehlanzeige sind.

Da würde Vernunft früher helfen: Mann, vielleicht auch Frau, kann einen leiseren Auspuff einbauen. Doch das geht. Und schadet auch nicht der Potenz des Motorrads - das geht weiter ab wie Rudi, nur der Rest hat Ruhe. zds