Tauberbischofsheim

Gesellenfreisprechungsfeier Bürgermeisterin Anette Schmidt hielt die Festrede

„Solide Stütze der Wirtschaft“

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Festrednerin bei der Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim war die seit 1. September amtierende Bürgermeisterin der Kreisstadt, Anette Schmidt.

„Mit dem Gesellenbrief, den Sie heute Abend erhalten, öffnen sich für Sie alle Türen für eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Sie werden dringend gebraucht“, betonte sie. Denn im Handwerk habe sich die Gesamtzahl der Auszubildenden in den vergangenen 20 Jahren auf zuletzt rund 365 000 fast halbiert. In der Branche sei dieses Problem seit langem bekannt und werde im Zuge des viel beklagten Fachkräftemangels ausführlich beschrieben.

Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) unter Berufung auf die Statistik der Bundesagentur für Arbeit seien 2017 rund 150 000 offene Stellen im Handwerk verzeichnet worden. Jedes Jahr fehle es zudem an 15 000 bis 20 000 Auszubildenden bei weiter steigender Tendenz.

„Wer derzeit einen Handwerker beauftragen will, braucht viel Glück und noch mehr Geduld. Vielfach scheint der Termin beim Facharzt einfacher zu bekommen als der beim Klempner“, zitierte Schmidt den Konjunkturexperten beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Gründe für den Fachkräftemangel seien nach Einschätzung des ZDH vor allem sinkende Zahlen der Schulabgänger als auch eine erhöhte Neigung zum Studium. Damit sei eine Entwertung der dualen Ausbildung einhergegangen, klage der Verband. „Einer beruflichen Ausbildung muss wieder die Wertschätzung unserer Gesellschaft entgegengebracht werden, die ihr gebührt“, forderte Schmidt.

„Sie, liebe Junghandwerker, werden somit heute nicht nur in vielerlei Hinsicht ‚freigesprochen’ von Prüfungsstress und ‚Azubi-Dasein’, sondern mit offenen Armen auf dem Arbeitsmarkt empfangen“.

Zu den beliebtesten Ausbildungsberufen zählten in diesem Jahr „Anlagenmechaniker für Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik“, „Friseur“, „Kraftfahrzeugmechatroniker“ und „Schreiner“ mit jeweils zwölf Teilnehmern.

Vorteile einer Ausbildung seien für Betriebe unter anderem die Schaffung qualifizierter und in der Regel loyaler Fachkräfte, eine Steigerung des Geschäftswerts und Images, ein Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, die Gewährleistung einer stetigen Zufuhr von neuem Wissen, sowie eine Minimierung von Kosten für Personalsuche und den Gefahren personeller Fehlentscheidungen.

„Trotz Konjunkturabkühlung: Handwerk in Deutschland entwickelt sich blendend“ habe vor Kurzem „Börse Online“ getitelt. „Mit dieser aktuellen Entwicklung beweist das Handwerk einmal mehr, dass es eine solide Stütze der deutschen Wirtschaft ist“, unterstrich Schmidt. Gegenüber dem Vorjahr seien die Umsätze im zweiten Quartal in allen sieben Gewerbezweigen gewachsen, selbst bei den merklich von der Industrie abhängigen Handwerkern für den gewerblichen Bedarf.

Aktuell seien in Deutschland etwa 12,4 Prozent aller Erwerbstätigen und 21,8 Prozent aller Auszubildenden im Handwerk tätig. 2018 habe der Umsatz im Handwerk rund 612 Milliarden Euro (netto) betragen. „Der Stellenwert des Handwerks kann gar nicht hoch genug angesehen werden“, resümierte die Tauberbischofsheimer Bürgermeisterin. pdw