Tauberbischofsheim

„Die Vermessung der Welt“ Badische Landesbühne eröffnet am 30. September die neue Spielzeit in Tauberbischofsheim

Sinnliche Reise durch Raum und Zeit

Archivartikel

Um Popstars der Wissenschaft zwischen Erkenntnisstreben und Vermessungswahn geht es in „Die Vermessung der Welt“ von Carl Daniel Kehlmann. Gespielt wird es von der Badischen Landesbühne.

Tauberbischofsheim. Mit der Inszenierung von Arne Retzlaff eröffnet die Badische Landesbühne (BLB) ihre neue Spielzeit in Tauberbischofsheim. Zu sehen ist die Vorstellung am Montag, 30. September, um 19.30 Uhr in der Stadthalle. Zuvor findet um 19 Uhr für alle Interessierten eine Einführung in die Produktion statt.

Ausgehend von Daniel Kehlmanns humorvollem Abenteuerroman über den Mathematiker Carl Friedrich Gauß und den Naturforscher Alexander von Humboldt hat die BLB die neue Saison unter das Motto „Weltgeschichten“ gestellt. In der Eröffnungsinszenierung geht es also um zwei der bedeutendsten Wissenschaftler des beginnenden 19. Jahrhunderts, die mit ihren Forschungen – auf jeweils unterschiedliche Weise – herausfinden wollten, was die Welt im Innersten zusammenhält.

In Kehlmanns fiktiver Doppelbiografie begegnen sich die mittlerweile gealterten Geistesgrößen zum ersten Mal. In Rückblenden werden Szenen aus den konträren Leben der beiden Genies erzählt. Während sie in Berlin darüber debattieren, wer seinem Lebensziel – der Vermessung der Welt – nähergekommen sei und was wahre Wissenschaft ausmache, verteilt Gauß’ Sohn Eugen Flugblätter für ein freies Deutschland und wird prompt verhaftet.

„Kehlmanns Roman ist ein raffiniertes literarisches Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion und porträtiert zwei herausragende Wissenschaftler zwischen Scheitern und Erfolg“, so Regisseur Retzlaff. Ihn interessiere daran vor allem die unersättliche Wissbegier der beiden Forscher, ihre extreme Schaffensenergie und gleichzeitig ihre Überforderung in Bezug auf irrationale Phänomene wie Gefühle und Übersinnlichkeit.

Um diese erzählerische Reise durch Raum und Zeit sinnlich auf die Bühne zu bringen, haben sich Retzlaff und Ausstatterin Ella Späte einiges ausgedacht. Die Inszenierung verspricht durch Projektionen, Puppenspiel und Mittel des Schwarzen Theaters ein Theaterfeuerwerk zu werden.

„Im Zentrum der Inszenierung stehen aber eindeutig die Schauspielerinnen und Schauspieler“, so der Regisseur. Martin Behlert und David Meyer werden in den Hauptrollen zu sehen sein. Elena Weber, Sina Weiß, Hannes Höchsmann und Stefan Holm schlüpfen alle in mehrere unterschiedliche Rollen und tragen dazu bei, die Lebenswelten der beiden Protagonisten entstehen zu lassen.

Die BLB-Macher versprechen einen poetischen, spannenden und witzigen Theaterabend. Denn Carl Daniel Kehlmanns Roman besticht nicht nur durch seine schrulligen Figuren, sondern auch durch seine satirische Auseinandersetzung mit Größe und Komik deutscher Geistesgeschichte.