Tauberbischofsheim

Fastnachtsgesellschaft „Groasmückle“ Rund fünfstündige Prunksitzung im Konradsaal bot wieder alles, was das Narrenherz begehrt

Schwerstarbeit für die Lachmuskeln

Archivartikel

Eine geballte Ladung Frohsinn gab es bei der Prunksitzung der Fastnachtsgesellschaft „Groasmückle“ Hochhausen im Konradsaal.

Hochhausen. Ein prallvolles Spaßpaket hatten am Samstag die „Groasmückle“ für ihre Prunksitzung geschnürt. Mehr als fünf Stunden voll mit eindrucksvollen Tanznummern, kurzweiligem Gesang und zwerchfellerschütternden Wortbeiträgen bekam das Narrenvolk im Hochhäuser Konradsaal serviert. Schwerstarbeit also für die Lachmuskeln. Diese bekamen nur gelegentlich eine Pause, wenn die durchweg sehr gelungenen Darbietungen mit einem lautstarken „Groasmückle fliech“ oder einer „Rakete“ belohnt wurden.

Die Prunksitzung war für die Hochhäuser Narren gleich aus mehreren Gründen eine ganz besondere. Die närrische Sause feierte nämlich ihren 40. Geburtstag. Und wurde zum ersten Mal allein von der FG „Groasmückle“ ausgerichtet. Aber noch wichtiger: Gerlinde Schächtele (gemimt von Gabriele Kistner) war wieder da, nachdem sie im Vorjahr noch ihrer Schwester Merry Miller die Bühne überlassen hatte. Gemeinsam mit Ralf Knüttel führte sie gewohnt launig durch die Veranstaltung und sorgte mit ihrem losen Mundwerk für zahlreiche Lacher. Extra für ihren Auftritt hatte sie sich ein glitzerndes neues Oberteil gekauft. „Ein bissle vornehm fühl ich mich damit scho“, verriet sie dem Publikum.

Ach ja, und eine Neuerung gab es auch noch. Bei der Überreichung der Fastnachtsorden gab es diesmal vier statt der üblichen drei Küsschen. Weil ja ein Schaltjahr ist, wie Ralf Knüttel dem quietschvergnügten Publikum erklärte.

Für einen schwungvollen Start in das tolle Treiben sorgten die Mädels der Präsidentengarde des KKK aus Königheim. Mit einer flotten Tanznummer machten sie gleich am Anfang viel Stimmung im Saal.

Anschließend gehörte die Bühne dann erst einmal dem närrischen Herrscher. Standesgemäß mit Hofstaat zog Groasmück VIII. (der mit bürgerlichem Namen Johannes Schneider heißt) in den Saal ein und berichtete dem Narrenvolk, wie viel Spaß die Arbeit als närrische Hoheit macht.

Er durfte nämlich schon jede Menge Autogramme geben, fast wie ein Rockstar. Zum Beispiel in Würzburg, in der Straßenbahn. Irgendwas mit 60 Euro sei auf dem Zettel gestanden, den er unterschreiben durfte. Von dem Geld hat er bisher aber noch nichts gesehen, wunderte er sich.

Und auf der Rückfahrt von Würzburg durfte er dann gleich das nächste Autogramm geben. Da haben ihn nämlich zwei Fastnachter auf der Autobahn angehalten und um seine Unterschrift gebeten: „Unterschreiben Sie hier, wenn Sie mit einer Blutprobe einverstanden sind.“

Schon voll im EM-Fieber waren die „Groasmückle-Kids“. Bei ihrem titelreifen Auftritt drehte sich alles um das runde Leder. In ihren bunten Trikots legten die Mädchen eine energiegeladene Performance hin, die nicht nur Fußballfans begeistert hat. Viel Kreativität bewiesen die „Vier Borkemer“ bei ihrer Schlager-Revue. Das Besondere daran: Die vier Jungs hatten sich jeweils ein drittes Bein ans Kostüm montiert. Schon allein der Anblick sorgte für viel Heiterkeit. Erst recht, als eines der Zusatzbeine bei einem Lied plötzlich wegflog.

Eine echte Familienproduktion brachten Jana Nentwig und ihre Tochter Helena bei ihrem gemeinsamen Auftritt auf die Bühne. Das Töchterlein zeigte sich dabei ganz schön vorwitzig. So fand sie es zum Beispiel ziemlich lustig, dass die Mama mit dem Handy jetzt schon sechsmal aus Versehen ihr Ohr fotografiert hat. Für ihre Diätpläne bekam die Mama ebenfalls ihr Fett weg. Als die sich nämlich freute, dass sie nach acht Jahren im Kleiderschrank etwas gefunden hat, das noch passte, meinte das Töchterlein nur: „Bestimmt der Schal“. Aber es geht auch andersrum. So lautete der Kostümvorschlag der Mutter für ihren Nachwuchs: „Häng dir doch dein Zeugnis um den Hals und geh als Chantal“.

Das Ortsgeschehen nahmen gewohnt unterhaltsam Rüdiger Gärtner, Ralf Knüttel und Daniel Siehr auf die Schippe. Im Wartezimmer der Arztpraxis Schultes hatten sie wieder jede Menge zu besprechen. Etwa dass Hochhausen nach mehrjähriger Wartezeit endlich ein neues Feuerwehrauto hat. Oder dass der hiesige Fußballverein keine Frauenmannschaft hat. Woran das wohl liegt, da hatten die drei schon so eine Vermutung: „Ha, find mal elf Frauen, die alle das gleiche anziehen“.

Aus dem Leben einer Putzfrau berichtete Reinigungsdame Erna Reinlich (gespielt von Johannes Rossi). Die Gute ist die „letzte deutschsprachige Putzfrau vor der Autobahn“. Sorgen bereitete ihr vor allem Ehegatte Erwin. „Der zahlt beim Friseur mittlerweile mehr fürs Suchen als fürs Schneiden“, beklagte sich die resolute „Putze“. Aber wenigstens hat Erwin eine schlechte Angewohnheit abgelegt. Früher war der nämlich hinter jedem Rock her. „Das hat sich aber schlagartig geändert, seit wir vor drei Jahren in Schottland waren“. Eine beschwingte Tanzvorführung mit Gute-Laune-Garantie legte die „Groasmückle-Tanz-Gang“ aufs Parkett. Die jungen Damen heizten den Besuchern zu Schlagerklängen ordentlich ein. Bei der Promirunde mussten zwei Dreierteams in einem Gesangs-Wettstreit gegeneinander antreten. Die Schwierigkeit daran: Der Sänger hatte jeweils einen Korken im Mund, seine Teammitglieder mussten dann erraten, was er (oder sie) da trällerte.

Fast schon ein kleines Musical inszenierte die Prinzengarde aus Oberlauda. Die Mädels der Öwerlaudemer Rootzen zeigten unter dem Motto „Anastasia – Legende einer Zarentochter“ eine ebenso aufwändige wie mitreißende Darbietung. Vom Narrenvolk gab’s dafür jede Menge Beifall.

Neues aus der Besenwirtschaft hatte Clemens Haag parat. Ganz stolz berichtete er, dass er seit Weihnachten ein IPhone hat. Aber das richtig zu bedienen, sei gar nicht so einfach. Das hat er schnell gemerkt. Als er zum Beispiel im Internet nach Blusen für seine Frau gesucht hat. Aber aus Versehen Busen eingegeben hat. „Seitdem krieg ich jeden Tag Werbung für BHs“. Und zwar in Größe ZZ, das stehe für „Zirkus-Zelt“.

Als Cowgirls waren in diesem Jahr die „Groasmückle Hupfdohlen“ unterwegs. Bei ihrer unterhaltsamen Tanznummer nahmen sie das Publikum mit in den Wilden Westen.

Als Bier-Tester von der Testung Warenstift waren Andreas Poser und Andi Leiblein unterwegs. Mit ihrer musikalischen Bierprobe in neun Phasen sorgten sie für jede Menge gute Laune. Eine Kostprobe gefällig? „Mit unserem Bier tun wir euch allen attestieren, dass nach zwei Gläsern net der Schädel tut explodieren“.

Für einen Höhepunkt sorgte zum Abschluss der närrischen Sitzung das Männerballett. Ganz cool mit Käppi und Sonnenbrillen kamen sie auf die Bühne und legten zu 90er-Dance-Beats eine heiße Sohle aufs Parkett. Aber das war nur Teil eins. Anschließend schmissen sie sich in die Sportlerkluft und zeigten eine kraftvolle Aerobic-Performance, bei der wohl selbst Jane Fonda vor Neid erblasst wäre.

Info: Weitere Bilder der Prunksitzung in Hochhausen findet man in einer Bildergalerie unter www.fnweb.de im Internet.