Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Regierung sieht keine Unterversorgung“ (FN, 7. Mai)

„Schönmalerei der Politik“

Wenn ich die Zahlen der ärztlichen Versorgung im Main-Tauber-Kreis, die von der Landesregierung an die FN weitergegeben wurden, betrachte, dann frage ich mich, ob denn diese Zahlen aus den 1990er Jahren stammen. Oder fließen die bereits verstorbenen und im Ruhestand befindlichen Kolleginnen und Kollegen in diese Statistik mit ein? Wie weltfremd geht die Landesregierung mit dem längst spürbaren Ärztemangel im Main-Tauber-Kreis um?

Wir haben bereits eine akute Unterversorgung, aber niemand will es wahr haben. Ist denn den politisch Verantwortlichen noch nicht aufgefallen, dass der Main-Tauber-Kreis an Feiertagen, Brückentagen, Samstagen und Sonntagen keine fachärztliche Versorgung im Bereich HNO und Augen mehr zu bieten hat?

Die Ärzte dieser Fachgebiete fahren nach Heilbronn und bieten dort eine überregionale Versorgung an. Benötigt ein Patient am Wochenende einen HNO- oder Augenarzt, so befindet sich der zuständige Facharzt im 60 Kilometer entfernten Heilbronn. Aktuell nehmen im Altkreis Bad Mergentheim gerade mal 76 Ärzte an der aktiven Patientenversorgung teil. Darunter sind 32 hochspezialisierte Fachärzte.

Von 76 Ärzten haben 18 Ärzte das 60. Lebensjahr überschritten. Sieben Ärzte befinden sich bereits im Rentenalter und suchen händeringend einen Nachfolger. Auf den Altkreis Bad Mergentheim gerechnet, kommen etwa 1700 Patienten auf einen Hausarzt. Um einen Termin beim Facharzt zu bekommen, wird man auf das kommende Jahr verwiesen. Hinzu kommt noch eine ärztliche Unterversorgung in den Nachbarkreisen, was zu einem weiteren Patientenaufkommen im Main-Tauber-Kreis führt. Diese Patienten werden von uns mitversorgt.

In den Kliniken Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim sind in fast allen Fachabteilungen Ärztestellen nicht besetzt. Die Versorgung im nördlichen Main-Tauber-Kreis ist nicht viel besser. Wie kann man dann behaupten, dass im Main-Tauber-Kreis keine Unterversorgung vorliegt?