Tauberbischofsheim

Plausibilität wahren

Harald Fingerhut zum Urteil des Verwaltungsgerichts


Dass das Mannheimer Verwaltungsgericht den Antrag von Uwe Schmidt ablehnt, war zu erwarten. Ob auch wünschenswert oder gar plausibel ist allerdings wieder eine ganz andere Frage. Die Begründung der Richter mag juristisch korrekt sein. Somit trägt auch das Urteil den Buchstaben des Gesetzes Rechnung.

Aber das ist nur die juristische Seite. Hier spielt ein anderer Aspekt eine viel größere Rolle: Die Entscheidungen der Politik müssen für die Bevölkerung und auch die Gewerbetreibenden nachvollziehbar sein. Sie müssen sich auf ein Fundament wissenschaftlicher Belege und Erfahrungen stützen können, die für jeden verständlich sind und einer kritischen Prüfung standhalten. Nur so kann in Notzeiten wie der derzeitigen Corona-Pandemie, die den Menschen sowieso schon viel abverlangt und Existenzängste schürt, in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz erreicht werden. Ansonsten schafft man einen fruchtbaren Nährboden für alle Systemkritiker und Verschwörungstheoretiker.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Die berechtigte Frage, „warum wir und nicht die anderen?“, kann von der Politik nicht schlüssig beantwortet werden. Uwe Schmidt hat in seinen vier Studios alle Hygienevorschriften erfüllt und hätte durch Schichtbetrieb sogar noch eine Schippe draufgelegt.

Auch in Sachen Verfolgung von Kontaktpersonen hat er mit seinem Anmeldesystem bestmögliche Grundlagen geschaffen. In anderen Branchen gibt es das nicht, da herrscht ein reges Kommen und Gehen ohne Registrierung. Das wichtigste Argument aber für eine Wiedereröffnung ist, dass es in den Monaten der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs laut Aussagen des Chefs, keinen Corona-Fall, geschweige denn einen Infektionsherd gegeben hat.

Die Politik und auch die Wissenschaft müssen genau hinschauen und fundierte Untersuchungen und Ergebnisse liefern, bevor sie Betriebe oder gar ganze Branchen schließen. Ansonsten bröckelt der nötige Rückhalt.