Tauberbischofsheim

Nachruf Edeltraud Benz, frühere stellvertretende Bürgermeisterin, langjährige Gemeinderätin und Frontfrau der Frauenunion, starb im Alter von 84 Jahren

Passionierter Familienmensch mit hohem politischen Einsatz

Sie war keine, die sich in die vorderste Reihe gedrängt hätte. Doch ihre Stimme fand Gehör. Bei aller Toleranz und Herzenswärme war sie streitbar. Jetzt ist Edeltraud Benz tot.

Tauberbischofsheim. Edeltraud Benz war in Tauberbischofsheim eine Institution. „Ich liebe diese Stadt“, hatte sie anlässlich ihres 80. Geburtstags gesagt. Die Stadt an der Tauber ist ihr zur zweiten Heimat geworden. Aufgewachsen auf einem Hofgut in Tachau im ehemaligen Sudetenland, wurde sie mit Mutter und Großeltern nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben. Der Vater stieß später wieder zur Familie.

Sie war dankbar für die selbstverständliche und freundliche Aufnahme in einer zunächst fremden Umgebung, die ihr ein gutes und schnelles Einleben ermöglichte. Diese Dankbarkeit und die Erfahrungen der Flucht sollte sie sich bewahren. Sie konnte nachvollziehen, wie sich Menschen fühlen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. „Traudl“ Benz, wie sie von ihren Freunden genannt wurde, lebte das „C“, das Christliche. Sie war offen gegenüber Menschen anderer Herkunft und Religion, lebte nicht nur in ihrem Haus Gastfreundschaft. Das „C“ in der Politik stand auch bei ihrer politischen Tätigkeit im Mittelpunkt.

Der von Angela Merkel am 31. August 2015 verkündete Satz „Wir schaffen das“ war auch ihr eigenes Lebensmotto. Denn geschafft hat Edeltraud Benz vieles in ihrem Leben. Ihr tiefer Glaube, ihr Mut, immer wieder Neues zu wagen und ihre Verpflichtung zu Humanität und Nächstenliebe spiegelten sich vor allem in ihrer Familie und ihrer politischen Tätigkeit wider.

So unterstützte sie ihren Mann Paul, den sie 1955 geheiratet hatte, in all den Jahren bei seiner politischen Arbeit als CDU-Gemeinderat und langjährigem Bürgermeister-Stellvertreter. Sie diskutierten kommunalpolitische Themen und Positionen. Die lebhaften Diskussionen im Familienkreis über politische und religiöse Themen bleiben auch den Familienfreunden unvergesslich.

Die Familie stand für die im Elternbeirat und im Pfarrgemeinderat engagierte „Traudl“ immer im Mittelpunkt. Stolz war sie auf ihre Kinder, denn aus allen sei „etwas geworden“, sagte sie gern und sichtlich stolz. Die gleiche Fürsorge wie für den eigenen Nachwuchs ließ sie auch ihren Enkelkindern zuteil werden. Sie begleitete ihre Auftritte und den schulischen Werdegang, machte ihnen bei Rückschlägen Mut, verwöhnte sie mit leckeren Lieblingsspeisen und schenkte allen zur Kommunion eine Reise mit der Oma.

Nach dem frühen Tod ihres Mannes widmete sich Edeltraut Benz eigenen politischen Ambitionen. Die Familien- und Sozialpolitik hatte ihr immer am Herzen gelegen und so brachte sie diese Themen in die Frauen Union des Main-Tauber-Kreises, deren Mitbegründerin sie ist und deren Vorsitz sie zwölf Jahre lang inne hatte, ein. Der Waffelstand am Altstadtfest und die Glühweinbude auf dem Weihnachtsmarkt hat sie mit aus der Taufe gehoben. So lange sie konnte war sie dort präsent und arbeitete ehrenamtlich, um Gelder für humanitäre Projekte zu sammeln.

Auch im Tauberbischofsheimer Gemeinderat sowie für eine Legislaturperiode im Kreistag engagierte sich Edeltraud Benz. Stolz war sie, dass sie als erste Frau zur Bürgermeister-Stellvertreterin gewählt wurde. Für sie war das eine Bestätigung ihrer Arbeit und Zeichen dafür, wie sehr man ihr Respekt zollte.

Edeltraud Benz war eine Frau, die ihre Ansichten einbrachte und konsequent, manchmal auch vehement, dafür eintrat, wenn sie von etwas überzeugt war. Dabei war sie stets offen für andere Argumente, ließ Gegenmeinungen zu, auch wenn sie sich mit den politischen Entscheidungen – auch ihrer eigenen Partei – nicht immer anfreunden konnte. Bis zuletzt verfolgte sie, durchaus auch kritisch, die Stadtpolitik, monierte beispielsweise das Fällen der Platanen am Sonnenplatz, auf dem sie so gern sonnige Nachmittage beim Eisessen und Plaudern verbrachte.

Neben all ihrem Einsatz für die Familie und das öffentliche Gemeinwohl hatte Edeltraud Benz vier große Leidenschaften: das Reisen in andere Länder, um fremde Kulturen und Landschaften kennenzulernen, das Lesen deutscher Kriminal- und Familienromane, das Schwimmen im Frankenbad im Sommer und ihre Vögel im Garten, die durchs Jahr hindurch gefüttert wurden.

Als Traudl Benz nach ihrem Schlaganfall Ende 2016 körperlich geschwächt war, waren ihre Kinder dankbar dafür, dass eine Frau, die ihr Leben selbstständig gemeistert hatte, nach anfänglichem Zögern fremde Hilfe zugelassen hat. So konnte sie noch im Sommer im Rollstuhl das Altstadtfest besuchen und freute sich, alte Gemeinderats-Weggefährten wiederzusehen. In den frühen Morgenstunden des Samstags starb Edeltraud Benz in ihrem Haus in der Külsheimer Straße 4. Begleitet wurde sie bis zum Schluss von ihren Kindern und Enkeln.