Tauberbischofsheim

Kaufmännische Schule Tauberbischofsheim Bildungseinrichtung feiert am 10. Januar ihren 100. Geburtstag / Blick in die Geschichte

Pädagogisch immer auf der Höhe der Zeit

Archivartikel

Die Kaufmännische Schule Tauberbischofsheim feiert am 10. Januar ihren 100. Geburtstag. Dies ist ein gebührender Anlass, in die Annalen der Bildungseinrichtung zu schauen.

Tauberbischofsheim.Die Kaufmännische Schule Tauberbischofsheim (KSTBB) umfasst heute fünf verschiedene Schularten der berufsbildenden Schulen mit einem Angebot an Vollzeitschulen (Zweijährige Berufsfachschule, Kaufmännisches Berufskolleg, Wirtschaftsgymnasium, VABO) und Teilzeitschulen (Kaufmännische Berufsschule/Duales System) sowie verschiedenen Profilrichtungen. Schulträger der KSTBB ist der Main-Tauber-Kreis. Das lehrangebot hat sich im Laufe der Zeit gewandwelt, wie ein Blick auf die Anfänge der Schule zeigt.

Am 10. Januar 1921 wurde die Kaufmännischen Schule Tauberbi-schofsheim durch Erlass des Kul-tusministeriums gegründet, indem die Trennung der Handelsschule von der Gewerbeschule in zwei selbstständige Schulanstalten bestätigt wurde. Die Vorgeschichte begann bereits am 15. August 1901, als der damalige Tauberbischofsheimer Stadtrat ein „Ortsstatut für die Kaufmännische Fortbildungsschule in Tauberbischofsheim“ verabschiedete und eine „Handelsabteilung“ an der Gewerbeschule gegründet wurde. Vom November 1916 bis zum Mai 1918 war die „Handelsabteilung“ ganz geschlossen, da der einzige „Handelslehrer“ der Schule zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg einberufen worden war.

Rascher Aufbau

Nachdem die Schule 1921 eigen-ständig wurde, erfolgte in den fol-genden Jahren ein rascher Aufbau. Bereits im Herbst 1924 begann man mit der Einführung des Schreibma-schinenunterrichts und im Mai 1925 wurde erstmals das Fach Englisch unterrichtet. Ab 1928 besaß Tauber-bischofsheim mit der Einführung der „Aufbauoberrealschule“ neben dem traditionellen Gymnasium zwei „höhere“ Schulen, die das Abitur verliehen.

Am 9. April 1937 folgte die Eröffnung der „Höheren Handelsschule“ mit zwei Schulzügen in den Räumlichkeiten des Kurmainzischen Schlosses in Tauberbischofsheim. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde 1939 der Schulbetrieb eingestellt.

Mit einer Sondergenehmigung durch die amerikanische Militärregierung war die Höhere Handelsschule Tauberbischofsheim die erste Kaufmännische Schule in ganz Nordbaden, die ab Herbst 1945 wieder unterrichten durfte. Zum vorübergehenden Schulleiter wurde Josef Albicker ernannt.

Umzug und Ausbau ab 1956

1956 wurde in der Dr.-Philipp-Adam-Ulrich-Straße ein Neubau der „Handels- und Höheren Handelsschule mit Gemeinschaftshaus“ erstellt und 1957 eingeweiht. Am 7. September 1967 wurde die zweijährige Wirtschaftsschule als berufsvorbereitende Vollzeitschule eingeführt. Als erstes berufliches Gymnasium im Main-Tauber-Kreis wird 1968 das Wirtschaftsgymnasium in Tauberbischofsheim eröffnet. Der damalige Schulleiter Heribert Janitza erkannte rasch, dass mit der geforderten Umstrukturierung des beruflichen Schulwesens der Aufbau eines Wirtschaftsgymnasiums verbunden sein müsse, und hatte rechtzeitig den Antrag auf die Errichtung eines dreijährigen Wirtschaftsgymnasiums bei den entsprechenden Gremien gestellt. Die Attraktivität der neuen Schulart zeigte sich auch darin, dass bereits im Schuljahr 1969/1970 ein zweiter Zug am Wirtschaftsgymnasium Tauberbischofsheim eingerichtet werden konnte. 1971 legte der erste Abiturjahrgang seine Abiturprüfung ab.

1997 wurde das 75-jährige Bestehen der Schule gefeiert.

Die im Jahre 2004 gegründete Online-Schülerzeitung Financial T(‘a)ime (FT) wurde mit mehreren Printausgaben sowie Onlinekanälen über die Schulfamilie und die Stadt Tauberbischofsheim hinaus bekannt und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Seit 2017 wird sie als FT-Abi-Plattform als eigenständiges Medienportal weitergeführt. Die FT-Abi-Plattform betreibt weiterhin einen YouTube-Kanal, zwei Homepages und zeichnet nach wie vor für die Inhalte der Jugendseite im städtischen Mitteilungsblatt Tauberbischofsheim Aktuell verantwortlich, welches regelmäßig in allen Haushalten der Stadt Tauberbischofsheim ausgetragen wird.

2009 erhielt die KSTBB vom Deut-schen Olympischen Sportbund (DOSB) zusammen mit vier weiteren Partnerschulen das Prädikat Eliteschule des Sports. Die staatlichen Schulen Tauberbischofsheims, der damalige Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim und heutige Bundesstützpunkt sowie das Voll- und Teilinternat des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim arbeiten dabei in einem Verbundsystem. Die Schüler können somit einerseits dem zeitintensiven Hochleistungssport nachgehen und zeitgleich die allgemeine Hochschulreife erreichen.

Ebenfalls 2009 führte die KSTBB als eine der ersten Schulen „SmartBoards“ ein. Über ihre Online-Schülerzeitung „Financial T(‘a)ime“ wurden Erfahrungen damit jedermann über YouTube-Videos und Online-Materialien zugänglich gemacht. Damit wurde sie deutschlandweit Anlaufstelle für andere Schulen, die sich für diese Technologie interessierten.

2010 erfolgte der Einstieg in das Konzept der „Operativ Eigenständi-gen Schule (OES)“. In diesem Rah-men entwickelte man ein Qualitäts-leitbild, welches die Besonderheiten, Stärken und Zielbereiche der Schule darstellt sowie seitdem jährlich durch Schülermitbeteiligung anhand von Leitzielen gelebt wird, welche kontinuierliche Verbesserungsprozesse im Schulalltag anstoßen. Im selben Jahr startete die Schule das Online-Projekt „Schüler-FAQ“ zur Förderung der Schüler-Selbstorganisation. Das FAQ wurde zu großen Teilen von Schülern mitentwickelt und umfasst mittlerweile auf über 200 Seiten potenzielle Schülerfragen und entsprechende Antworten, die meist aus Schülerperspektive formuliert sind. Es bietet im Schulalltag und vor allem neuen Schülern auf immer wiederkehrende Fragen zielführende Antworten.

2011 gewann die KSTBB das „Euro-päische Sprachensiegel“, nachdem an der Schule in Kooperation mit der französischen Schule „Lycée Alexandre Dumas“ in Illkirch (Elsass) und der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen Baden-Württemberg wesentliche Inhalte des Landesakademie-Bildungsprojektes „Deutsch-französischer virtueller Online-Markt – anwendungsbezogenes Sprachenlernen durch Gründung virtueller Firmen und Abwicklung der Geschäftsprozesse“ entwickelt wurde. Für dieses Bildungsprojekt wurde die Schule schließlich im Rahmen des Wettbewerbs „Sprachenlernen in der Gemeinschaft – Ressourcen nutzen und Kompetenzen ausbauen“ mit dem Europäischen Sprachensiegel ausgezeichnet. Bis in die 2010er Jahre wurde Französisch unterrichtet. Seitdem erfolgte eine schrittweise Umstellung auf das Fach Spanisch als Fremdsprache. Die Nachfrage der jungen Menschen, die an das Wirtschaftsgymnasium Tauberbischofsheim kommen, hat sich seitdem derart auf dieses neue Sprachangebot fokussiert, dass inzwischen vollständig auf Französisch verzichtet wird.

Medienpreis gewonnen

2014 gewann die KSTBB den mit 15 000 Euro dotierten „Medienpreis der aim-Akademie“ für das beste Medienkonzept einer Beruflichen Schule in der Region Heilbronn-Franken. Der Preis wurde von der Akademie für Innovative Bildung und Management (aim), die zur Dieter-Schwarz-Stiftung in Heilbronn gehört, verliehen. Damit wurde die erfolgreiche Einführung moderner Medien in den Unterricht ausgezeichnet. In der Folge wurde die Kaufmännische Schule noch im selben Jahr als eine von nur wenigen Schulen in Baden-Württemberg ausgewählt, um an einem Schulversuch zum Einsatz von Tablets im Unterricht teilzunehmen. Mit diesem Schulversuch sollten moderne Arbeitsweisen der Berufswelt in die Klassenzimmer gebracht und die Lebenswirklichkeit der Schüler auf-gegriffen werden. Um den Effekt von Tablets auf die Lernprozesse zu erforschen, wurde der Schulversuch vor allem in den Fächern Mathema-tik, dem Profilfach Wirtschaft und den Sprachen wissenschaftlich begleitet. Darüber hinaus wurde der Tableteinsatz auch in anderen Fä-chern erprobt, unter anderem zur Beobachtung von Bewegungsabläu-fen im Sportunterricht.

Ebenfalls 2014 informierten sich im Rahmen der Leonardo da Vinci-Förderung italienische Lehrkräfte der beruflichen Schulen von Gubbio und Perugia aus der Region Umbrien an der KSTBB über das schuleigene „Tauberbischofsheimer Modell“, mit dem im Übungsfirmenunterricht gearbeitet wird. Dabei bearbeiten Schüler mit dem Einsatz einer integrierten Unternehmenssoftware vollständige Ein- und Verkaufsprozesse in einem virtuellen Markt mit papierlosem Büros sowie dem Einsatz moderner Medien durch virtuelle Netzwerke in Form einer Online-Cloud.

Damit die Inklusion von jugendlichen mit Behinderung gelingen kann, erhielt die Schule 2014 neben behindertengerechten Toiletten einen Aufzug, um Barrierefreiheit zu ermöglichen.

Erneut in der Vorreiterrolle

Ab dem Schuljahr 2013/2014 bot die Kaufmännische Schule Tauberbischofsheim als erste Schule im Main-Tauber-Kreis den „Europäischen Finanzführerschein“ an, mit dem das Finanzwissen von Jugendlichen getestet, erweitert und bei erfolgreich abgelegter Prüfung mit einem Zertifikat bestätigt wird.

Mit dem Schuljahr 2014/2015 wurde im Wirtschaftsgymnasium neben dem klassischen Profil Wirtschaft die weitere Profilrichtung Finanzmanagement, unter anderem mit den Fächern „Privates Vermögensmanagement“ und „Finanzwirtschaftliche Studien“, eingeführt. Drei Jahre darauf absolvierten die ersten Abiturientinnen und Abiturienten im Profil Finanzmanagement ihre Prüfungen.

Zum Beginn des Schuljahres 2015/16 wurde an der KSTBB mit einer VABO-Klasse eine weitere Schulart für jugendliche Migranten ohne Deutschkenntnisse eingerichtet.

2015 wurde die Schule von der Stiftung Warentest ausgewählt, um beim „Finanztest macht Schule“ teilzunehmen. Das Projekt dient der Verbesserung der ökonomischen Bildung, der Vermittlung von Finanzwissen und der Förderung der Verbraucherkompetenz. Am 15. De-zember 2016 fand die Gründungs-versammlung eines Fördervereins der Kaufmännischen Schule Tauberbischofsheim statt.

Das im Jahr 2014 prämierte schulische Medienkonzept wurde ab 2015 zum Projekt „Digitale Schule“ weiterentwickelt und im Frühjahr 2017 im Rahmen der Bildungsmesse didacta in Stuttgart als Digitalisierungskonzept präsentiert. Damit wurde die Schule im Jahr 2018 vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien als „Smart School“ ausgezeichnet.

2020 erstellte die Schule für den Schulträger einen Medienentwick-lungsplan, der als Voraussetzungen für das Abrufen von Mitteln aus dem Digitalpakt Schule gilt. Der Schulträ-ger Main-Tauber-Kreis erhält diesbezüglich vom Bund aus dem Digitalpakt Schule ein Budget von etwa 2,2 Millionen Euro für die Beruflichen Schulen und die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren des Kreises zugeteilt. Teile dieses Budgets kann die Kaufmännische Schule anhand ihres Medienentwicklungsplans bis 2023 abrufen.

Ab dem 17. März 2020 musste die Schule aufgrund der Covid-19-Pandemie in Deutschland zunächst bis zum 19. April 2020 (Ende der Osterferien) wie auch alle anderen Schulen in Deutschland geschlossen bleiben, um die weitere Ausbreitung der Covid-19-Pandemie durch Reduzierung der Sozialkontakte zu verlangsamen. Die Digitalisierung der Schule und neue Formen des Fernunterrichts rückten dadurch noch stärker in den Fokus. Auf der Schulhomepage wurde ein „Virtuelles Klassenzimmer“ eingerichtet, um den Schülern über das Internet einen Fernzugriff auf die Arbeitsmaterialien sowie einen Austausch zwischen Schülern und Lehrern zu ermöglichen. Daneben wurde in der Folge auch per Videokonferenzen unterrichtet. Ab dem 4. Mai 2020 wurde die Schule für Abschlussklassen mit Abstandsgeboten und einem Hygieneplan wiedereröffnet.

Das Schuljahr 2020/2021 begann im September 2020 unter strikten Hygienevorschriften im Regelbetrieb mit Präsenzunterricht. Trotz umfassender Maßnahmen folgte zum 16. Dezember 2020 ein erneuter Lockdown und eine Rückkehr zum allgemeinen Onlineunterricht, der zuvor nur für Schüler oder Schulklassen mit Quarantäneanordnung erfolgte. Das Schuljubiläum zum 100-jährigen Bestehen soll, wenn die Umstände der Covid-19-Pandemie es wieder erlauben, gebührend nachgefeiert werden.