Tauberbischofsheim

Corona-Krise Turnabteilung des TSV Tauberbischofsheim wird ihren Trainingsbetrieb erst nach den Sommerferien wieder aufnehmen / Vorgaben sind aus Sicht der Vorsitzenden nur schwer einzuhalten

„Nur weil es erlaubt ist, müssen wir es nicht tun“

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Seit Wochen werden die Corona-Beschränkungen Schritt für Schritt gelockert. Das gilt zunehmend auch für die Aktivitäten von Sportvereinen. So ist seit 2. Juni auch der Trainingsbetrieb in Hallen grundsätzlich wieder erlaubt. Die Landesverordnung für Sportstätten lässt dies unter bestimmten Voraussetzungen zu. Ab 1. Juli treten weitere Lockerungen in Kraft.

Was jedoch längst nicht heißt, dass jeder Sportverein einfach wieder den normalen Betrieb aufnimmt. Denn die umfangreichen Corona-Auflagen sind – trotz Lockerungen – oftmals nur schwer umsetzbar. Je nach Sportart und Größe der Trainingsgruppe stehen verantwortliche Vereinsfunktionäre, Trainer und Übungsleiter vor großen Herausforderungen.

„Der Aufwand, den man betreiben muss, um wirklich alle Auflagen einzuhalten und guten Gewissens das Training aufnehmen zu können, ist immens“, betont Marianne Rutkowski, Vorsitzende der Turnabteilung des TSV Tauberbischofsheim, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Natürlich könne man es nach Wochen und Monaten des Stillstands kaum erwarten, wieder zu starten. Jung und Alt würden lieber heute als morgen die Turnschuhe schnüren. Doch angesichts der aktuellen Lage und der durch das Land vorausgesetzten Schutzmaßnahmen habe man sich im Abteilungs-Vorstand darauf geeinigt, mit der Wiederaufnahme des allgemeinen Trainingsbetriebs der insgesamt mehr als 40 Gruppen bis nach den Sommerferien zu warten.

„Nur weil es erlaubt ist, müssen wir es nicht tun. Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, aber dieses Virus ist tückisch und ein einziger Fall genügt, um wieder einen Hotspot zu erzeugen. Das wollen wir nicht. Über allem steht: Die Gesundheit ist unser höchstes Gut. Wir müssen uns und unsere Mitglieder vor dem Virus schützen. Viele Aktive, auch etliche Übungsleiter, gehören zur Risikogruppe“, betont Rutkowski. Darüber hinaus seien auch die räumlichen Voraussetzungen für die Turner nicht ideal. „Wir haben keine vereinseigene Halle und sind deshalb nicht so flexibel wie andere Vereine und Gruppierungen.“

Die Vorgaben durch das Land seien klar, jedoch aus Sicht der Verantwortlichen nicht sinnvoll einzuhalten. Auch aus Haftungsgründen sei es ein heißes Eisen, dass da geschmiedet werde.

„Theorie und Praxis liegen aus unserer Sicht leider meilenweit auseinander. Im Verein können wir es einfach schwer garantieren, dass von der Mama-Fit-Gruppe mit Kleinkindern im Alter von unter einem Jahr, über die Rückenfit-Gruppe bis hin zur Senioren-Gymnastik mit Teilnehmern über 90 Jahren, alle die Regeln genau einhalten“, stellt Marianne Rutkowski klar.

Hygienekonzept erstellt

In der großen TSV-Familie verhalte man sich jedoch nicht nur bei den Turnern eher zögerlich.

„Wir sind zwar mit über 1000 Aktiven die größte Abteilung, aber nicht die einzige, die sich mit Blick auf die Wiederaufnahme des vollständigen Trainingsbetriebs noch zurückhält. Vor allem natürlich in den Bereichen, wo man nicht an Wettkämpfen teilnimmt.“

Sie hoffe, so Rutkowski, dass sich die Situation bis zum Ende der Sommerferien im September weiter verbessere.

„Stand jetzt werden wir dann aber auf jeden Fall wieder starten.“ Ein den aktuellen Vorgaben entsprechendes Hygienekonzept hat die Vorsitzende bereits erstellt. Derzeit ist sie dabei, genügend Desinfektionsmittel für den Neustart zu besorgen. „Das ist eine teure Angelegenheit. 1000 Euro sind da schnell weg“, sagt sie.