Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Gekämpft bis zur letzten Patrone“ (FN, 15. Juli)

„Jeder ist gefragt, etwas zu tun“

Was jetzt bei der Metzgerausbildung im Main-Tauber-Kreis passiert ist, wird wohl in den kommenden Jahren noch anderen Handwerkszweigen blühen. Wenn Berufsschulklassen nur noch gering besetzt sind (laut FN-Bericht mit einem bis vier Schülern) ist die logische Folge, dass schulische Ausbildung zentralisiert stattfindet.

Um das zu verhindern, muss allerdings die Ursache angepackt werden. Warum zeigen so wenig Azubis Interesse an einer Ausbildung im handwerklichen Bereich? Für mich liegen die Gründe auf der Hand. Zum einen fehlt oft der Anreiz, da körperliche Arbeit und Arbeitszeit im krassen Gegensatz zum geringen Lohn stehen. Wie soll man einem Schulabgänger das Handwerk schmackhaft machen, wenn z.B. ein Industriekaufmann rund das doppelte an Azubi-Gehalt gegenüber eines Metzgers bekommt und dabei meist noch weniger Stunden und vor allem weniger körperlich arbeitet? Zum anderen wird man in der heutigen Gesellschaft teilweise wie ein Mensch zweiter Klasse angesehen, wenn man kein Abitur und kein Studium zu bieten hat. Wenn ein junger Mensch heute sagt: „Ich bin Metzger, Bäcker, Maurer“ kommt dies in der Gesellschaft fast einem „outen“ gleich.

Um dieser Misere gegenwirken zu können sind auch die Handwerksbetriebe gefragt. Wie kann man bessere und lukrativere Ausbildungsvoraussetzungen schaffen und bessere Löhne zahlen? Aber auch die Gesellschaft muss lernen, Berufe aus dem Handwerk, dem Einzelhandel etc. wieder zu respektieren. Sonst werden wir in eine Zukunft gehen in der wir viele hochqualifizierte Fachkräfte haben, die Abläufe berechnen und optimieren können, aber niemand mehr, der das tägliche Fleisch und Brot produziert – zumindest nicht beim „kleinen“ Metzger oder Bäcker des Vertrauens, sondern eher in großen Konzernen. Unter welchen Bedingungen dort gearbeitet wird, können wir derzeit in den Medien entnehmen – Tönnies lässt grüßen.

Optimierung bedeutet meist: Immer mehr, zum günstigeren Preis zum Wohle des Profits. Handwerk bedeutet: Gute Arbeit, gute Qualität zum reelen Preis. Jeder ist gefragt etwas zu tun damit das „goldene Handwerk“ nicht ausstirbt.