Tauberbischofsheim

Kirchenchor St. Martin Jubiläum anlässlich des 125-jährigen Bestehens mit Aufführung der „Missa octo vocum“ und Festakt gefeiert

Integraler Bestandteil der Liturgie

Archivartikel

Seinen 125. Geburtstag feierte der Kirchenchor St. Martin mit einem festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche und einem Festakt im Winfriedheim.

Tauberbischofsheim. Vielfältig sind die Aufgaben eines Kirchenchores im Rahmen der Liturgie. Sie alle kamen bei dem von Kaplan Dominik Albert zusammen mit Pfarrer Damian Samulski und Pfarrer Robert Geiger zelebrierten Festgottesdienst aufs Schönste zur Geltung. Beispielsweise wenn das von Kirchenmusikdirektor Michael Meuser so einfühlsam wie präzise geleitete Ensemble das Eingangslied zum Christkönigssonntag intonierte, dabei in den Gesang der Gemeinde einstimmte und diesen zugleich mit einer zweiten Stimme überhöhte.

Hohe musikalische Qualität

Höhepunkt und Ausweis der eigenen Qualität war aber die Aufführung von Hans Leo Haßlers „Missa octo vocum“. Den zweiten Chor dieser achtstimmigen Vertonung übernahm ein Bläserquartett mit historischen Instrumenten, das den dialoghaften, prächtigen Klang unterstützte. Klar und brillant begann der Sopran mit dem Kyrie, ehe die übrigen Stimmen fugenartig hinzukamen. Stimmgewaltig interpretierten Chor und Bläserquartett im Wechsel das Gloria. Gemeinsam meisterte man auch mit Bravour die Herausforderungen von Sanctus und Agnus Dei.

„Singen bringt die Menschen mit Gott in Beziehung“, erklärte Pfarrer Damian Samulski. Als Dekanatspräses der Kirchenchöre sprach er im Anschluss an den Festgottesdienst ein Grußwort. Singen mache seiner Meinung nach die Menschen moralisch und ethisch wertvoller. „Wer singt, lernt Werte und Tugenden.“ Gleichzeitig betonte Samulski den transzendentalen Charakter der Musica Sacra. Im Singen kosten die Sänger nach seiner Überzeugung das himmlische Hochzeitsmahl voraus.

„Das Jubiläum ist Anlass zu feiern, sich zu freuen und zu erinnern“, erklärte Peter Benz. Der Vorsitzende des Kirchenchores eröffnete den vom Flötenensemble „i flauti dolci“ musikalisch umrahmten Festakt im Winfriedheim. Benz dankte den Sängerinnen und Sängern für die „bedingungslose Bereitschaft“, an Proben und Auftritten teilzunehmen.

Der Vorsitzende würdigte auch das unermüdliche Engagement von Chorleiter Michael Meuser und seiner Frau Brigitta. Sie haben seinen Angaben zufolge den Chor geformt und geschult. Erst auf diesem hohem Niveau sei es möglich, solche Werke wie Hans Leo Haßlers „Missa octo vocum“ aufzuführen.

„Eine wichtige Stimme“

„Der Kirchenchor ist ein belebendes Element“, betonte Anette Schmidt. Als Ort des Miteinanders und der Geselligkeit werde in ihm Gemeinschaft erlebbar. Die Bürgermeisterin würdigte den Beitrag des Chores für das kulturelle Leben. Aus Sicht der Kommune ist es ihren Angaben zufolge besonders erfreulich, dass der Kirchenchor auch bei weltlichen Anlässen zur musikalischen Gestaltung beiträgt.

Als „Sinnbild für das Leben in der Kirchengemeinde“ bezeichnete Godehard Weithoff den Chor. Für den aus Freiburg angereisten Diözesankirchenmusikdirektor stellt der Kirchenchor eine wichtige Stimme dar, die gehört werden muss. Worte des Dankes und der Anerkennung hatte auch Dekan Gerhard Hauk. Er lobte die Sängerinnen und Sänger für ihren unermüdlichen Einsatz zur größeren Ehre Gottes.

Abbild des Schöpfungsplans

In seinem Festvortrag widmete Michael Pfeifer sich Fragen der liturgischen Ästhetik. „Jede Wirklichkeit braucht eine Form, in der sie zum Erlebnis wird“, machte der Referent für liturgische Bildung bei der Diözese Würzburg deutlich. Hüten solle man sich, für die Liturgie vorschnell einen Zweck zu suchen oder sie einer flüchtigen (Gegenwarts-)Relevanz zu unterwerfen.

Stattdessen identifizierte Pfeifer plastische, akustische und gestische Elemente, die in ihrem harmonischen Zusammenspiel die Liturgie zu einem Abbild des Schöpfungsplanes Gottes werden lassen können. Kirchengebäude beispielsweise nannte er ein „riesiges Potential“. Als „Orte des Himmels“ dürften sie nicht das Gewöhnliche widerspiegeln, sondern sollten eine „Ahnung des Göttlichen“ vermitteln.

Die Musik ist für Pfeifer integraler Bestandteil der Liturgie und nicht schmückendes Beiwerk. Für die Atmosphäre sei sie entscheidend, weil sie den Zuhörer aus dem Alltag der Welt entheben könne. Ihr lauschend könne man selbstvergessen in eine andere Welt eintauchen.

Liturgie wollte Pfeifer auch als „Performance“ verstanden wissen, als heiliges Schauspiel, das der Vorbereitung und angemessenen Durchführung bedürfe. Zudem seien, so der Referent, für eine angemessene Liturgie Zeit und Geld nötig. Anspruchsvolle Kirchenmusik sei beispielsweise nicht umsonst zu haben.

Argumente von Kritikern, dass dieses Geld für andere Dinge sinnvoller ausgegeben werde, hielt er nicht für angebracht. „Liturgie darf nicht gegen Caritas ausgespielt werden“, warnte Pfeifer.

Kunst ist in seinen Augen eben nicht überflüssig, sondern bereitet eine Atmosphäre, die eine Gottesbegegnung möglich macht. Letzten Endes, so Pfeifer, seien Schönheit und Ästhetik Wege der Gotteserkenntnis. feu