Tauberbischofsheim

Corona-Pandemie Überschreitung der Zahl von 1000 Corona-Infektionen ist besondere Wegmarke / Persönliche Kontakte weiter vermeiden

„Infektionsgeschehen diffus und höchst dynamisch“

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Die Überschreitung der Grenze von insgesamt 1000 Coronavirus-Infektionen im Main-Tauber-Kreis betrachtet Erster Landesbeamter Christoph Schauder als besondere Wegmarke. Insbesondere weist er als Leiter des Arbeitsstabes Corona im Landratsamt auf die rasante Entwicklung der vergangenen Wochen hin.

„Nachdem die erste Welle der Pandemie im Main-Tauber-Kreis Ende Mai abgeklungen war, standen wir bei knapp 400 Fällen. Dann kam es bis Mitte Juli kaum zu Neuinfektionen, bis sich dann ein größeres Ausbruchsgeschehen in der Mitte des Landkreises entwickelte. Dieses konnte durch umfangreiche Quarantäneanordnungen und Testungen zügig eingedämmt werden.“ Nun habe sich aber in den vergangenen gut drei Wochen ein ganz neues Lagebild ergeben.

„Die Infektionszahlen sind stark und rasend schnell gestiegen. Sie lassen sich nicht mehr auf einzelne, größere, bekannte Cluster zurückführen. Vielmehr treten in allen Teilen des Landkreises ständig neue Infektionen auf. Vielfach können hierbei die Infektionsquellen nicht mehr ermittelt werden, auch wenn die Kontakte der neu Infizierten unter größten Anstrengungen weiter zuverlässig ermittelt werden können“, fasst Schauder zusammen. Allein am Dienstag seien wieder zehn Kommunen von Creglingen im Süden bis Freudenberg im Norden, von Boxberg im Westen bis Wittighausen im Osten betroffen gewesen.

„Das Infektionsgeschehen ist diffus und hochdynamisch; die Lage ist ernst“, erklärt der Erste Landesbeamte. Die Zahl der Testungen bewege sich auf einem hohen Niveau, gleichzeitig sei auch der Anteil der positiv Getesteten hoch. Inzwischen werde auch wieder in mehr Fällen eine stationäre Behandlung erforderlich.

Weiter blieben jedoch Ruhe und Besonnenheit die Gebote der Stunde. Das Gesundheitsamt und alle Akteure des Gesundheitswesens arbeiteten weiter strukturiert und unter Hochdruck. „Gleichzeitig ist es aber unser aller Aufgabe und Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger, Verzicht zu üben – insbesondere Verzicht auf direkte menschliche Begegnungen und persönliche Kontakte außerhalb unserer eigenen Haushalte und Kernfamilien“, ruft Schauder auf.

Er habe größtes Verständnis dafür, dass der Verzicht auf persönliche Kontakte zunehmend schwer falle, zumal Menschen nun einmal soziale Wesen seien, denen Begegnungen grundsätzlich guttun.

„Aber nun ist es oberste Priorität, eine Überlastung unseres hervorragend ausgebauten Gesundheitssystems zu vermeiden und auch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie durch ein beherztes Abbremsen der zweiten Welle zu begrenzen“, so Schauder

Das häufige gehörte Argument, dass die Auslastung der Intensivstationen entscheidend sei, weist er zurück: „Jede Person auf der Intensivstation eines Krankenhauses ist schwer krank. Unser Ziel muss sein, dass so wenig solcher Behandlungen erforderlich werden. Wir verzichten auch nicht auf den Sicherheitsgurt im Auto, nur weil es hervorragende Unfallchirurgen gibt.“

Die Schlagworte des Frühjahrs – „Stay at home“ und „Zusammen Abstand halten“ – seien leider kaum noch zu hören, aber wichtiger und relevanter als je zuvor. „Es wird uns schmerzhaft bewusst, dass die Bekämpfung der Pandemie ein Marathon ist und kein Sprint. Sie kann nicht durch behördliche Anordnungen, nicht durch die Zulassung eines ersten Impfstoffes allein gelingen. Damit setzt die Pandemiebekämpfung eine große Gemeinschaftsleistung der Bevölkerung voraus, die in der nächsten Zeit besonders auf Abstand, Hygiene und Alltagsmaske, auf regelmäßiges Lüften und die Nutzung der Corona-Warn-App achtet.“ lra