Tauberbischofsheim

150 Jahre Laientheater in Hochhausen Blick auf die wechselvolle Geschichte / Sechs verschiedene Vereine fungierten als Veranstalter / Gesangverein Liederkranz rief Veranstaltung ins Leben

In den Anfangsjahren gab’s sogar zwei Stücke am Abend

Auf eine 150-jährige Geschichte kann das Laientheaterspiel in Hochhausen zurückblicken.

Hochhausen. Eine lange Tradition hat das Theaterspiel in Hochhausen. Etliche Hochhäuser standen bereits auf der Bühne, um – mit meist heiteren Szenen – die Lachmuskeln des Publikums zu strapazieren. Sechs verschiedene Vereine haben mit dem Laienspiel bei meist voll besetztem Haus schon gute Einnahmen erzielt.

So traten bereits der Gesangverein, der Turnverein, der Kirchenchor, die Kolpingfamilie, die Feuerwehr und der Sportverein als Veranstalter der Hochhäuser Theateraufführungen auf. Manche Jahre wurde sogar von mehreren Vereinen zum Theaterspiel eingeladen.

Historisches Stück bei Premiere

Der Gesangverein Liederkranz Hochhausen, welcher 1862 ins Leben gerufen wurde, gilt als Begründer der jährlichen Aufführungen. Die Anzeigen aus der damaligen Zeitung „Die Tauber“ vom 31. Dezember 1868 und 10. Januar 1869, die zur „theateralischen Abendunterhaltung“ am 1. Januar 1869, und zur Wiederholung am 10. Januar 1869 in den Saal des Sängerlokals Gasthaus „Zum Adler“ einladen, sind das erste schriftliche Zeugnis und vermutlich auch die Geburtsstunde von Hochhäuser Theateraufführungen zum Jahreswechsel 1868/69 – vor also genau 150 Jahren.

Gespielt wurde damals das historische Schauspiel „Die Türken vor Wien“ in fünf Akten und als Vorspiel „Der Großvater“ in drei Akten. Die Aufführungen von Theaterstücken fanden, auch in den Folgejahren, zum Jahreswechsel statt, zumeist mit der ersten Aufführung am Zweiten Weihnachtsfeiertag – auch war es immer üblich gleich zwei Stücke aufzuführen.

An Weihnachten 1896 kostete der Eintritt zu einer Aufführung 30 Pfennige auf einem „Ersten Platz“, 20 Pfennige auf einem „Zweiten Platz“ und zehn Pfennige für Kinder. Bis zum Ersten Weltkrieg war meist der Gesangverein Liederkranz Veranstalter des Theaters, vereinzelt auch der Turnverein. Die Aufführungen fanden größtenteils im Saal des Gasthauses „Zum Adler“, teilweise aber auch im Saal der Gastwirtschaft „Zum weißen Ross“ (neben der heutigen Bushaltestelle, Zum oberen Tor 2) statt.

Freilichtaufführungen

1896 führte man eine Art Musical (Theaterstück mit Gesang) und 1904 ein Ritterspiel auf. Linus Fehrer gilt als erfolgreicher Regisseur in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Als der Nationalsozialismus im Dritten Reich den Vereinen das Handeln erschwerte, schliefen die Tätigkeiten in den Vereinen größtenteils ein, so auch das Theaterspiel in Hochhausen. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren somit der Gesangverein und der Turnverein die Veranstalter der Theateraufführungen.

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch war man wieder sehr aktiv – bereits 1946 spielte die Hochhäuser Jugend wieder mehrere Theaterstücke.

Animiert durch die Uissigheimer Laienspieler, die bei Freilichtstücken immer großen Andrang verbuchten, wagte der Kirchenchor 1947 auch in Hochhausen mit dem Singspiel „Heimatbrünnele“ erstmals eine Freilichtaufführung im Hochhäuser Pfarrhof zu veranstalten. Der Erfolg war sehr groß, zweimal saß der Pfarrhof, mit 500 bis 600 Zuschauern, voll. Daher führte man 1949 mit „Elmar“ erneut ein Freilichtstück im Pfarrhof auf, welches denselben Erfolg verspürte.

Konradsaal ab 1954 Spielstätte

In den Folgejahren luden Kolpingfamilie, Sportverein, Gesangverein und Feuerwehr zu verschiedenen Theateraufführungen ein. Da gleich mehrere Vereine jährlich zum Theater einluden, die Laienspieler aber dennoch meist dieselben waren, fanden also nicht nur zur Weihnachtszeit Theateraufführungen statt. Ab 1954, nach dem Bau des Konradsaals, fanden die Vorstellungen, die anfangs noch vom Gesangverein und dann hauptsächlich von der Kolpingfamilie veranstaltet wurden, nicht mehr im Adlersaal, sondern im neu errichteten Konradsaal statt. 1965 lud die Kolpingfamilie zum letzten Mal zum Theater ein, nachdem sie auf Grund des Weggangs von Dekan und Präses Cornel Stang im Jahre 1966, mit ihrem Fortbestand zu kämpfen hatte.

Nachdem einige Jahre keine Theateraufführungen mehr stattgefunden hatten, besann sich im Herbst 1976 eine Stammtischrunde der Laienspiele, die jährlich um die Weihnachtszeit stattgefunden hatten. Gerd Krimmer fragte als Vorsitzender des SV Hochhausen, Werner Schramm, ob er denn als Regisseur für ein Wiederaufleben eines solchen Projektes zur Verfügung stünde.

Nach der Zusage von Schramm und dem kurzfristigen Entschluss ein Theaterstück für Weihnachten einzustudieren, blieben den Verantwortlichen und Akteuren nur 8 Proben, um im kalten Konradsaal bis zur öffentlichen Generalprobe am Altennachmittag für die Aufführung fit zu sein. Nach dem Erfolg an Weihnachten 1976, war sich der Sportverein im kommenden Jahr einig, das Theaterspiel als festen Bestandteil seines Jahresprogrammes zu etablieren.

1977 übernahm Kilian Schmitt die Regie und die Laienspiele zum Jahreswechsel erfreuten sich weiterhin stets großer Beliebtheit. Ab 1982 fand man die Neubürgerin Gabriele Kistner als Regisseurin und die Hochhäuser Schauspieler erwarben sich mit der Zeit auch überregional einen Namen. Jährlich fanden drei bis vier Aufführungen bei meist vollem Hause statt und in manchen Jahren kamen sogar Busse angefahren, um den Veranstaltungen beizuwohnen.

„Hochhäuser Dorftheater“

In den 1980er Jahren waren Gesangverein, Musikverein und das Duo Zeller in den Pausen für einen musikalischen Rahmen zuständig. Unter Kistners Anregung gab sich dann 1993 die Laienspielgruppe auch den Namen „Hochhäuser Dorftheater“. Bis 1995 stand Gabriele Kistner als Regisseurin zur Verfügung. Wegen Verhinderung hatte 1988 Manfred Morgenthaler das Amt für ein Jahr von ihr übernommen und ab 1991 stieg Wolfgang Frank als weiterer Regisseur zu Kistner mit ein und war ab 1996 alleine für die Regie-Tätigkeit verantwortlich. Die Aufführungen waren von nun an nicht mehr nur zum Jahreswechsel, sondern standen für ein paar Jahre stattdessen auch im März/April auf dem Jahresprogramm des Sportvereins als Veranstalter. Nach Franks Ausstieg als Regisseur im Jahre 2005 übernahm Erich Knüttel 2006 die Leitung der Theatergruppe. Die Untergruppierung Theater etablierte sich mit der Zeit als eigenständige Abteilung des SV Hochhausen. Seit 2013 ist Arno Gärtner verantwortlicher Regisseur.

Immer wieder wagte man mit besonderen Stücken Experimente. Im Jahre 2000 führte man mit der „Hochhäuser Miss Marple“ ein „kriminalistisches Lustspiel“ auf, welches aufgrund seines großen Zuspruches, außerhalb der eigentlichen Vorführzeit, sogar im Oktober 2000 auf der Martini-Messe in Tauberbischofsheim erneut dargeboten wurde. 2013 spielte das Hochhäuser Dorftheater mit dem diebischen Schwank „Schupfa-Hupfa“ im Grünauer Hof wieder eine Freilicht-Aufführung auf. Längst spielen sich die Szenen nicht mehr jährlich in alten Bauernstuben ab, sondern in modernen Wohnungen, oder auch sonst wechselnden Orten – so auch einmal an einer Bushaltestelle, einer Kneipe, oder in einem Zugabteil. Auch wechseln manchmal Bühnenbilder zwischen den Akten.

Dieses Jahr keine Aufführung

Seit etwa 2012 wird das Ambiente im Saal auch teilweise dem Stück angepasst, Weiter reduzierte man das Publikum, um eine angenehmere Atmosphäre zu erhalten.

Leider findet ausgerechnet diese Wintersaison – 150 Jahre nach dem ersten Laienspiel durch Hochhäuser Vereine – keine Theateraufführung statt. rk