Tauberbischofsheim

Jubiläum Rückblick auf 25 Jahre Tierschutzverein Tauberbischofsheim / Elisabeth Döringer seit 15 Jahren Vorsitzende

Hilfe und Rettung für unzählige Tiere in Not

Tauberbischofsheim.Im Laufe des Jahres 1994 kam wiederholt eine Hand voll Tierfreunde in Tauberbischofsheim zusammen. Die Treffen waren alle bestimmt vom gleichen Grundgedanken, nämlich sich als Verein zu organisieren, um den Tierschutzgedanken zu verwirklichen. Eine Satzung wurde ausformuliert, eine Mindestzahl an Mitgliedern war nötig und die neue Organisation erhielt einen Namen. Ferner wurde der Verein ordnungsgemäß beim Amtsgericht angemeldet. Als Lokal für die monatlichen Sitzungen fand sich das Nebenzimmer im Schlosscafé.

Elsbeth Bartels übernahm den Vorsitz, auch die anderen Vorstandsposten wurden besetzt. Das Vereinskapital bestand vorläufig aus einigen Mitgliedsbeiträgen. Damals und auch heute arbeiteten die Mitglieder stets ehrenamtlich.

In Tauberbischofsheim wurden die Tierschützer an verschiedenen Stellen tätig, fingen herrenlose Katzen ein, ließen sie kastrieren und brachten sie an gesicherte Futterstellen zurück. Ferner meldeten sich einige Pflegestellen für die zu vermittelnden Tiere und behielten sie bis zu ihrer Abgabe. Diese Pflegestellen wurden nach Möglichkeit mit Futterspenden und Katzenstreu unterstützt, mussten ihre Pflegetiere aber bis auf die Tierarztkosten selbstständig finanzieren. Mehrere Kastrationen wurden von den Vorständen und Beiräten privat bezahlt. Auf dem Marktplatz boten Mitglieder gelegentlich Kaffee und Kuchen an, um die finanzielle Situation zu verbessern. Auch Geldspenden und Flohmarktstände halfen dabei, anfallende Kosten zu tragen. In einigen Geschäften durfte der Verein Behälter für Futterspenden aufstellen.

Aufgenommene und gesunde Tiere werden seit Beginn der Vereinsarbeit nur über einen Schutzvertrag weiter vermittelt. Vor- und Nachkontrollen schließen aus, dass sie in falsche Hände kommen und sollen ihnen weiteres Leid ersparen. Die Schutzgebühr trägt auch zur Deckung der Unkosten wie zum Beispiel die Finanzierung der tierärztlichen Behandlung bei.

Große Aktionen

Eine große Aktion war das Einfangen zahlreicher wilder Katzen im Seniorenheim Gerlachsheim. Dort hatte eine alte Dame aus Mitleid die Tiere angefüttert und durfte das nicht mehr. Die meisten Tiere wurden von einer Dauerpflegestelle übernommen, für die zahmen Katzen suchte man neue Besitzer. Ähnliches geschah in Lauda am Kugelgraben, wo die Stadt alte Scheunen abriss und dort eine Katzenpopulation vorfand.

Drei Schafe wurden vor dem Schächten gerettet, Hunde aus schlechter Haltung befreit, ein Hahn und zwei Hühner vermittelt, ausgesetzte Kaninchen eingefangen und ähnliche Fälle mehr.

Schwierig gestaltete sich die Vermittlung von drei Hängebauchschweinen, aber mit Hilfe des Landestierschutzverbandes gelang deren Unterbringung auf einem Gnadenhof. Ziegen suchten ein neues Zuhause, auch das fand man. Bestimmt wurde die Arbeit des Vereins hauptsächlich aber durch unzählige Kastrationsaktionen und durch das Aufpäppeln kleiner und kranker Katzenkinder, für die nach ihrer Behandlung ein geeignetes Zuhause gesucht wurde. Mithilfe zusätzlicher Spenden hielt sich der Verein finanziell einigermaßen über Wasser.

Immer wieder rief man den Tierschutz, wenn Tiere nicht artgerecht gehalten wurden. Dabei musste man diese Verstöße oft ans Veterinäramt weiter leiten. Auch nach den darauf folgenden Kontrollen kümmerten sich die Tierschützer weiterhin um diese Fälle.

Inzwischen war der Tierschutzverein nicht nur über Privatnummern, sondern auch während des Tages über ein Notfallhandy telefonisch zu erreichen. Unter dieser Nummer konnte man Auskunft oder Hilfe erhalten. Bei Notfällen war ein Mitglied schnellstmöglich vor Ort, übernahm verletzte oder zurückgelassene Tiere und half so persönlich.

Tödlich verunfallte Katzen wurden nach Möglichkeit zum Tierarzt gebracht. Dort kontrollierte er, ob eine Kennzeichnung wie Tätowierung oder Chip vorhanden war. So konnte man oft den Besitzer feststellen und benachrichtigen. So schlimm es auch ist, ein Tier zu verlieren, aber die Ungewissheit über sein Schicksal ist noch viel schlimmer.

Eine weitere Aktion, die den Aktiven alles abverlangte, war ein Bauernhof im Main-Tauber-Kreis mit über 30 Katzen, die meisten krank und in schlechtem Zustand. Hier wurden Kontakte zu anderen Organisationen geknüpft, die nach der Behandlung der Tiere bereit waren, einige zu übernehmen.

Nach zehn Jahren übergab Elsbeth Bartels 2004 den Verein an Elisabeth Döringer. Mittlerweile trat der Tierschutzverein auch im Internet auf, präsentierte dort seine Tiere, stellte Fundtiere vor und erzählte immer wieder Geschichten von besonderen Tierschicksalen.

Inzwischen kümmerten sich einzelne Pflegestellen um die Aufnahme von Auslandshunden oder übernahmen Hunde, die ihren Besitzer verloren hatten oder als Notfall abgegeben wurden. Man versuchte auch diese Tiere nach Kontrollbesuchen und mit Schutzvertrag an ein geeignetes, neues Zuhause zu vermitteln. Einige blieben als Patenhunde bei ihrer Pflegestelle, weil sie trotz aller Fürsorge nicht vermittelbar waren.

2008 mietete der Vorstand am Marktplatz 5 a einen Lagerraum, um einen Dauerflohmarkt zu gründen. Der Laden sollte an mehreren Wochentagen geöffnet sein und durch den Verkauf von Sachspenden die finanzielle Situation verbessern.

Laden gut angenommen

Die Bevölkerung nahm diesen Laden dankbar an, denn jetzt hatte der Verein auch ein Gesicht. Es gab nicht nur eine Telefonnummer, sondern auch einen Platz und eine Person, an die man sich wenden konnte. Viele Probleme mit Haustieren wurden besprochen, auch Tiere vermittelt, sogar abgegeben.

Es entwickelte sich eine Stammkundschaft, die immer mehr interessierte Käufer mitbrachte. Nach einiger Zeit mietete man den kleinen Laden am Durchgang mit einem Schaufenster Richtung Marktplatz dazu, so dass die Waren besser präsentiert werden konnten.

Ein Flyer wurde im Laden und in anderen Geschäften ausgelegt und informierte die Bevölkerung über den Verein und seine Aufgaben.

Tragisch war das Schicksal eines kleinen, ausgesetzten Hündin Reicholzheim. Mehrere Jahre lang versuchten die Tierschutzvereine sie einzufangen, aber sie entging sogar dem Blasrohr der Tierärzte. Irgendwie schaffte sie es, im Winter nicht zu verhungern und zu erfrieren. Nach einem Autounfall stürzte sie in die Tauber und wurde von Ruderern geborgen. Eine Tierfreundin aus Dertingen nahm sie auf und pflegte sie. Sie gab ihr die Zuneigung, die sie sicher schon lange vermisst hatte, aber die Hündin durfte nicht lange in fürsorglicher, menschlicher Obhut sein. Ihr Körper war durchsetzt von Tumoren und sie starb nach einigen Wochen.

Ein außergewöhnliches Schicksal hatte Kater George. Aufmerksame Autofahrer bemerkten an der Autobahnausfahrt Tauberbischofsheim am Rand einer Fahrspur eine Katze, die angefahren worden war, aber die sich noch bewegte. Sie verständigten die Autobahnpolizei und diese informierte den Tierschutzverein. Zwei Aktive wurden von den Polizisten auf die Autobahn geführt. Der Verkehr wurde verlangsamt, bis die beiden Tierschützer den Kater gesichtet und rasch in einen Korb eingepackt hatten. Dann lief der Verkehr wie gewohnt weiter. George war zwar verletzt, hat aber den Unfall überlebt und nach seiner Genesung ein liebevolles Zuhause gefunden.

Auf einem Autobahnrastplatz bei Ahorn waren während der Sommerferien zwei Zwergkaninchen ausgesetzt worden. Die Autos rasten im Abstand weniger Meter an ihnen vorbei. Mit aller Vorsicht und der Hilfe eines freundlichen Brummi-Fahrers gelang es, sie in Käfige zu packen und in Sicherheit zu bringen. Die Arbeit wurde nicht weniger. Kastrationsaktionen auch im weiteren Umkreis häuften sich und die Aktiven fuhren sehr oft zu Einsätzen . Inzwischen waren es nicht nur Haustiere, denen geholfen wurde. In den letzten Jahren kamen auch Wildtiere und Vögel dazu.

Der Verein kümmerte sich um Igel, Entchen, kleine Feldhasen, Marderbabys, Fledermäuse, um einen Schwan,der einen Angelhaken verschluckt hatte, um Vogelküken, kranke Tauben, Hühnchen, Siebenschläferbabys, verletzte Greifvögel.

Sicher hat der Verein nicht für all diese Tiere Möglichkeiten der Behandlung und Unterbringung. Inzwischen findet man aber durch Recherchen im Internet kompetente Spezialisten, die Wildtiere professionell betreuen. Man muss genau nachprüfen, welche Stelle für das jeweilige Tier geeignet ist, telefonisch nachfragen und den Transport organisieren. Das kostet oft viel Zeit, denn die Plätze sind rar und ein Telefonat reicht meist nicht aus.

Der Sommer hat wieder eine Kätzchenschwemme gebracht. Nach der Quarantänestation werden die Kitten zu Pflegestellen gebracht.

Diese Stellen, von denen der Verein noch mehr gebrauchen könnte, platzen aus allen Nähten. Für alle kleinen „Racker“ wird nun ein liebevolles Zuhause gesucht.