Tauberbischofsheim

Stadtkirche St. Martin Orgelkonzert mit dem ehemaligen Bezirkskantor Thomas Drescher

Glanzvoll und vielseitig

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Glanzvoll und vielseitig war das Orgel- und Chorkonzert anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums der großen Winterhalter-Orgel in der Stadtkirche St. Martin. Am Liobafeiertag 1989 war sie vom damaligen Weihbischof Wolfgang Kirchgässner geweiht und in den Dienst gestellt worden.

Der überaus gute Besuch von interessierten Zuhörern beim Konzert zeugte nicht nur vom Interesse den Musikern und der Musik gegenüber, sondern war zugleich auch eine Würdigung für die Anschaffung dieses herausragenden Instruments für die Stadtkirche.

Thomas Drescher aus Mainz, der von 1983 bis 1991 Bezirkskantor in Tauberbischofsheim gewesen war und den Orgelneubau angestoßen hatte, war auf Einladung des amtierenden Bezirkskantors Michael Meuser gekommen, um mit einem Orgelkonzert die Herzen der Kulturfreunde zu erfreuen. Und in der Tat gelang dies vortrefflich.

Drescher begann mit Präludium H-Moll BWV 544 vom barocken Großmeister Johann Sebastian Bach, ließ die Partita „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Georg Böhm mit ihren filigran-virtuosen Variationen folgen und präsentierte dann den Choral Nr. 2 H-Moll von César Franck. Bei diesem Stück spürte man, dass es die ganz genau passende Musik für dieses französisch konzipierte Instrument ist: Satte Grundstimmen, tragfähige Zungenregister und die präzise Ansprache der repetierenden Prinzipalstimmen prägen den besonderen Klang dieser Komposition, die ein einziger dramatischer Spannungsbogen ist. Apart und zugleich ungewöhnlich in der klanglichen Mischung zeigten sich „Idyll“ und „Chant du Soir“ (Abendgesang) von Marco Enrico Bossi, in denen vor allem die überblasenden Flötenstimmen voll zur Geltung kamen.

Zwischen den einzelnen Orgelwerken steuerte das Gesangsensemble „Vierklang“ (Edeltraud Rupek, Brigitta Meuser, Thomas Drescher, Michael Meuser) Motetten englischer Meister bei: das innig-liebliche „How blessed be the god and father“ von Samuel Sebastian Wesley mit einem ausdrucksstarken Bass-Solo, das fröhliche „How beautiful upon the mountains“ von John Stainer, das würdevolle „O taste and see“ von John Goss und „Praise our god“ von Andrew Moore, das geradezu Ohrwurmqualität hatte.

Fein und differenziert waren die Stimmen auf einander eingestimmt, harmonierten sehr gut miteinander und präsentierten die Motetten intonationssicher und ausdrucksstark. Den begleitenden Orgelpart hatte der junge Kirchenmusiker Christopher Henk (Hainstadt) übernommen und war ebenbürtiger musikalischer Partner, wie es lange Tradition in der englischen Musik ist. Das Konzert endete mit der H-Moll Fuge BWV 544 von J.S.Bach und nach dem Verklingen des letzten Tons dankte das Publikum den Akteuren für dieses hervorragende Musik-Ereignis mit stehenden Ovationen und lang anhaltendem Beifall. bm