Tauberbischofsheim

Corona-Pandemie Landratsamt seit mehr als vier Monaten im Krisenmodus / Alois Gerig und Nina Warken informierten sich vor Ort

„Gesundheitsversorgung den Rücken stärken“

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Bei einem Besuch des Gesundheitsamts in Tauberbischofsheim informierten sich die Bundestagsabgeordneten Nina Warken und Alois Gerig über den aktuellen Stand der Corona-Pandemie. Bereits mehr als vier Monate befindet sich das Landratsamt Main-Tauber-Kreis im fordernden Corona-Krisenmodus. Beim informellen Besuch der beiden Bundestagsabgeordneten erläuterte der Leiter des Corona-Arbeitsstabs, Erster Landesbeamter Christoph Schauder, die Entwicklung und die Arbeit zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Landkreis.

„Gewaltige Aufgabe“

Das Gesundheitsamt meldete am 4. März den ersten, zwei Tage später den zweiten Coronavirus-Fall im Main-Tauber-Kreis. „Für das Gesundheitsamt des Landratsamts begann danach die gewaltige Aufgabe des Kontaktpersonenmanagements“, erklärt Christoph Schauder. Das Kernteam im Gesundheitsamt habe zu Beginn der Krise aus 26 Mitarbeitern bestanden. Um den schon bald auf sieben Tage in der Woche ausgeweiteten Betrieb zu organisieren, wurde das Personal aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung, durch Ehrenamtliche des Deutschen Roten Kreuzes und kurzfristig gewonnene, befristet beschäftigte Kräfte aufgestockt. Zur Spitzenzeit der Pandemie bestand das Team des Gesundheitsamts aus über 80 Mitarbeitern.

„Der Wissenstransfer der sich ständig ändernden Informationen zwischen den einzelnen Arbeitsteams – beispielsweise Bürgertelefon, Kontaktpersonenmanagement, Listenführung – war eine der besonderen Herausforderungen“, berichtete Sozialdezernentin Elisabeth Krug. „Ziel war und ist es weiterhin, dass wir die Pandemie bestmöglich überwinden. Unser frühzeitig eingerichteter Corona-Arbeitsstab konnte extrem schnell die notwendigen Entscheidungen treffen“, so Krug weiter. Zwei Reha-Kliniken mussten aufgrund des Infektionsgeschehens unter Quarantäne gestellt und für sie ein strukturiertes Entlassmanagement mit einer Prozessstraße unter Mithilfe der Feuerwehr Bad Mergentheim über den Corona-Arbeitsstab organisiert werden. Ebenso wurde zeitweise für sieben Alten- und Pflegeheime die Quarantäne angeordnet. Im Zeichen der Corona Krise wurden bislang 400 infizierten Personen im Kreis sowie deren rund 2100 Kontaktpersonen Informationen und Verfügungen übermittelt. Hinzu kamen 119 weitere infizierte Patienten und Mitarbeiter der beiden Reha-Kliniken, die nicht im Main-Tauber-Kreis wohnen.

„Wir wissen, was hier geleistet wurde“, sagte MdB Alois Gerig. „Die Bundespolitik kann nur erfolgreich arbeiten, wenn die Vorgaben in den Kommunen umgesetzt werden. Ich bin deshalb überzeugt, dass das 200 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket der Bundesregierung eine echte Chance ist, dass der Aufschwung gelingt.“

Beeindruckt zeigte sich auch MdB Nina Warken über die Zahlen: „Ich hatte allerdings immer ein gutes Gefühl, dass wir die Situation gut meistern. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung über die Arbeit des Gesundheitsamts waren stets sehr positiv.“ Froh sei sie über die Krankenhausstruktur im Land und auch im Landkreis. Das sei nicht in allen Bundesländern so. „Darauf legen wir auch weiterhin großen Wert“, sagte Warken. „Bei der Lieferung von Schutzausrüstung hatte die Bundesregierung jedoch ein Problem. Hier müssen wir uns in Zukunft besser aufstellen.“

Die stellvertretende Amtsleiterin des Gesundheitsamts, Dr. Eva-Maria Dittmer, berichtete von einer vorbildlichen Zusammenarbeit mit den Kliniken und den niedergelassenen Ärzten. „Man kennt sich im Kreis und wir können uns bei allen Beteiligten und medizinischen Partnern nur bedanken“, erklärte Dr. Dittmer. „Aber nicht nur die Zusammenarbeit im medizinischen Bereich hat uns gut durch die Krise geführt“, ergänzte Erster Landesbeamter Christoph Schauder. „Der enge Kontakt und der rege Austausch mit allen Städten und Kommunen hat gezeigt, dass wir eine intakte und funktionierende kommunale Familie sind.“

Mit dem Rückgang der Infektionszahlen hat sich die Belastung des Bürgertelefons und des Kontaktpersonenmanagements deutlich reduziert. Seit zwei Wochen wird wieder in der Fünf-Tage-Woche mit Rufbereitschaft am Wochenende gearbeitet. „Alle Systeme sind aber auf Stand-by. Wir wären im Bedarfsfall sofort wieder zu 100 Prozent einsatzbereit. Wir können im Fall einer zweiten Welle auf eine große Erfahrung zurückgreifen und müssten nicht wieder bei Null anfangen“, erklärten Elisabeth Krug und Christoph Schauder unisono. In seiner letzten Sitzung hat der Kreistag sechs neue Stellen für das Gesundheitsamt genehmigt, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. „Bund und Land müssen der öffentlichen Gesundheitsversorgung den Rücken stärken“, gab Dr. Dittmer den beiden Abgeordneten mit auf den Weg. lra