Tauberbischofsheim

350 Jahre Brauereigeschichte in Kloster Bronnbach Jubiläum wird mit Veranstaltungen und speziellem Bier gefeiert

Gerstensaft mit besonderem Charakter

In der Distelhäuser Brauerei entstand ein besonderes Klosterbier anlässlich des Jubiläums „350 Jahre Brauereigeschichte in Kloster Bronnbach“.

Distelhausen/Bronnbach. In dem geistlichen und kulturellen Zentrum der ehemaligen Zisterzienserabtei Kloster Bronnbach kann in diesem Jahr das Jubiläum 350 Jahre Brauereigeschichte gefeiert werden. Das Kulturamt Kloster Bronnbach bietet deshalb in Kooperation mit dem Archivverbund Main-Tauber und dem Freundeskreis Kloster Bronnbach drei Veranstaltungen rund um das Thema Klosterbrauerei und Klosterbier an.

Brauereibetrieb 1783 ausgebaut

Das genaue Datum der Gründung beziehungsweise Einrichtung einer Bierbrauerei in Kloster Bronnbach ist nicht bekannt. Aus vielen Quellen ist allerdings überliefert, dass in Zisterzienserklöstern Bier gebraut wurde. Viele heute bekannte Brauereien gehen auf ehemalige Klosterbrauereien zurück, die durch die Säkularisation verstaatlicht oder privatisiert wurden.

In Bronnbach wurde durch den seit 1783 amtierenden Abt Heinrich Göbhardt, der einen Braumeister aus Bamberg nach Bronnbach holte, der Brauereibetrieb ausgebaut. Durch die Säkularisation 1803 ging das Kloster Bronnbach an das Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim-Rochefort (später: -Rosenberg) über. Die Brauerei wurde zunächst als Pachtbetrieb, später als Eigenbetrieb bis zum 1. April 1970 fortgeführt, als die Braurechte an die Würzburger Hofbräu AG verkauft wurden. Der Braubetrieb wurde am 19. März 1974 eingestellt und eine Verkaufsniederlassung beibehalten.

Nun wurde in der Distelhäuser Brauerei in Distelhausen das Jubiläums-Klosterbier von Braumeister und Geschäftsführer Diplom-Ingenieur Roland Andre, der selbst auch Mitglied beim Freundeskreis Kloster Bronnbach ist, eingebraut. Dabei handelt es sich nach seinen Angaben um ein helles, obergäriges Starkbier. Für die Herstellung wurden ausgesuchte Gersten- und Weizenmalze ausschließlich regionaler Herkunft verwendet. Durch eine ausgefeilte Hopfengabe und eine spezielle Hefe aus einer belgischen Klosterbrauerei, der „Belgian Abbey“, erhält das Jubiläumsbier seinen besonderen und einzigartigen Charakter.

Die Rezeptur wurde von Roland Andre in Anlehnung an die berühmten Biere aus den Trappisten-Klöstern entwickelt und zusammengestellt.

Gebraut wird nur eine kleine Menge von etwa 200 Litern, die später in 0.33-Liter--Flaschen abgefüllt wird. Am frühen Samstagmorgen begann in der Distelhäuser Brauwerkstatt, einer Kleinbrauerei im Maßstab 1:100, der Brauvorgang mit dem Ansetzen der Maische, die anschließend stufenweise von 55 Grad Celsius auf 78 Grad Celsius erwärmt wird. Dabei wandelt sich die unlösliche Stärke des Malzes in löslichen Zucker um.

Feinwürziges Aroma

Im Läuterbottich werden dann die festen Bestandteile (Treber) abgetrennt und die konzentrierte Würze gewonnen. Während des folgenden Kochens setzt der Braumeister nach und nach die ausgesuchten Hopfensorten in kleinen Mengen zu. Diese sorgen im fertigen Bier für ein feinwürziges Aroma und eine angenehme Bittere.

Als Besonderheit bekommt das Bronnbacher Jubiläumsbier noch eine gehörige Portion Kandiszucker verabreicht, das diesem besonderen Bier die außergewöhnliche Stärke und einen goldgelben Farbton verleiht. Dies ist nach dem deutschen Reinheitsgebot bei obergärigem Bier auch erlaubt, wird aber nur noch sehr selten angewandt.

Nach acht Stunden geduldiger und sorgfältiger Arbeit war es dann soweit. Als am Ende des Kochens Roland Andre mit der Spindel die Stammwürze misst, weist das Bier mit 19,5 Prozent die gewünschte Stärke auf. Dies entspricht einem kräftigen Doppelbock mit einem den Alkoholgehalt von rund 9,5 Prozent im fertigen Bier.

Abschließend wurde die heiße Würze dann auf 20 Grad Celsius abgekühlt und die „Belgian Abbey“ - Hefe zugesetzt. In etwa zwei Wochen hat die Hefe den Extrakt vollständig vergoren und das Bier reift im Lagerkeller bei kalten Temperaturen aus, ehe es bei der Bierprobe am 3. April 2020 mit anderen europäischen Klosterbieren verkostet werden kann.

Die Veranstaltungen

Am Freitag 3. April, findet um 18.30 Uhr eine Bierprobe mit europäischen Klosterbieren zum Jubiläum 350 Jahre Brauerei Bronnbach mit Unterstützung der Distelhäuser Brauerei im Konventbau statt.

Vom 3. April bis 17. Juli findet im Foyer des Archivverbundes Main-Tauber die Kabinettausstellung „350 Jahre Brauerei Bronnbach – historische Tatsache oder zeitgenössisches Marketing“ statt.

Am Mittwoch, 13. Mai , gibt es um 19.30 Uhr im Vortragssaal des Archivverbundes Main-Tauber einen Vortrag mit dem Titel „Hopfen und Malz, Gott erhalt´s – 350 Jahre Brauereigeschichte in Bronnbach; von der Klosterbrauerei zur Fürstlichen Schlossbrauerei Bronnbach“ statt.