Tauberbischofsheim

„Ein Herz für Vielfalt“ Petition für den Erhalt des Ausbildungsstandorts Bad Mergentheim jetzt auch online / Initiator hofft auf zahlreiche Unterstützung

Fleischer fürchten um ihre Existenz

Bad Mergentheim.Wer Fleischer oder Fleischfachverkäufer werden möchte, kann den schulischen Teil der Ausbildung dafür künftig – nach jetzigem Stand der Dinge – nicht mehr im Main-Tauber-Kreis absolvieren. Die Beschulung an der Gewerblichen Schule Bad Mergentheim soll aufgrund der wenigen Auszubildenden ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr möglich sein.

Um die Standortverlagerung zu verhindern, setzt sich Manfred Silberzahn aus Boxberg mit der Fleischer- und Bäckerinnung mit der Petition „Ein Herz für Vielfalt“ ein. Schon seit Mitte Mai liegen in vielen Metzgereien in der Region Unterschriftenlisten aus. Seit Kurzem kann man sich auch online für die Rettung des Ausbildungsstandorts in der Großen Kreisstadt einsetzen – und so ohne großen Aufwand die Initiative tatkräftig unterstützen.

Trend wird begünstigt

Schließlich betreffe das Problem nicht nur die künftigen Auszubildenden, sondern auch jene, die mit Vorliebe regionale, handwerklich gefertigte Fleisch- und Wurstwaren verzehren, so der Initiator der Petition. Denn der Trend, dass es immer weniger Lehrlinge gebe, werde durch die Schließung der Abteilung noch mehr zunehmen.

Mit dem Verlust des einzigen Standorts im Main-Tauber-Kreis befürchtet Manfred Silberzahn, dass es künftig immer weniger Fachkräfte in der Region geben werde. „Wir müssen froh sein um jeden, der diesen Beruf noch erlernen möchte. Da sollte man es ihnen doch nicht noch zusätzlich erschweren“, äußert er sich gegenüber den Fränkischen Nachrichten. Stattdessen müssten dann künftige Azubis in Buchen, Künzelsau oder Würzburg unterrichtet werden.

Auch Bäcker und Bäckereifachverkäufer werden wohl in naher Zukunft von der Standortverlagerung der Fleischerbeschulung betroffen sein. Diese beiden Ausbildungsrichtungen seien nämlich derzeit schulisch eng miteinander verknüpft. So seien Fleischer, Bäcker und zugehörige Fachverkäufer jahrgangsübergreifend gemeinsam unterrichtet worden, um eine akzeptable Klassengröße zu erreichen – sonst wären es zu wenige gewesen.

„Ich hatte den Eindruck, sie machen es gerne“, schätzt Silberzahn seine ehemaligen Kollegen der Gewerblichen Schule in Bad Mergentheim ein. Schließlich hätten auch sie sich stets für den Erhalt des Standorts eingesetzt. „Das hat mir immer imponiert, wie sie gemeinsam an einem Strang gezogen haben“, so der Lehrer im Ruhestand.

Obwohl er selbst nie in der Nahrungsmittelbranche tätig war, sondern im Bereich Elektrotechnik, habe er die Aktion in die Wege geleitet. In seinem bisherigen privaten und beruflichen Leben habe er schließlich selbst erfahren dürfen, wie wertvoll persönliche Anteilnahme der Mitmenschen ist.

Als er Mitte Mai von dem Entschluss des Stuttgarter Kultusministeriums erfahren hatte, habe er daher kurz darauf selbst die Initiative ergriffen. Mit Unterstützung der Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft in Tauberbischofsheim, Angelika Gold, habe er die Petition auf die Beine gestellt, bei der man sich beim Besuch der Metzger- und Fleischer-Betriebe in ausliegende Listen eintragen könne.

Für vier Wochen könne man nun auch online die Vielfalt der Region unterstützen, so Silberzahn. Am 14. Oktober habe er schließlich seinen Termin beim Landtag in Stuttgart. Beim endgültigen Beschluss hoffe er auf parteiübergreifende Unterstützung.

Die Aktion sei neutral gehalten, weshalb Hilfe von allen Seiten höchst wünschenswert sei.

Teilweise habe er mehr Zuspruch erwartet, doch die Unterschriftenlisten lägen beispielsweise nicht einmal in allen Fleischerfachgeschäften aus.

Auch Innungsobermeister Jürgen Sendelbach (Werbach) ist mittlerweile die Rolle als Bittsteller leid. „Wenn die Bürger im Main-Tauber-Kreis die Petition nicht unterstützten“ und die Auszubildenden mehr und mehr abnehmen, „ist es so“, äußerte er sich zu diesem Thema.

Positive Resonanz

Andererseits ist Manfred Silberzahn beim Landratsamt Main-Tauber in Tauberbischofsheim sowie beim Kreistag auf positive Resonanz gestoßen.

So sei er zumindest nach wie vor stets hoffnungsvoll, was das Ergebnis der Aktion betreffe. Und selbst wenn das Ministerium sich, trotz der Petition, gegen den Erhalt der Schule aussprechen wird, habe er den Fleischern und Fleischfachverkäufern allein durch den Versuch gezeigt, dass sie in der Region wertgeschätzt werden – davon zeugten auch die gesammelten Unterschriften.