Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Den Kopf nicht in den Sand stecken“ (FN, 15. August)

Fleischer-Beschulung totgeschwiegen

Vertraut man den Worten von Wolfgang Reinhart, müssen wir uns um unsere Zukunft keine allzu großen Sorgen machen.

Im Sommer-Interview mit FN-Redaktionsleiter Fabian Greulich zeigt er sich ganz entspannt, was die Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Region Odenwald-Tauber angeht. Er „glaubt“ zwar nicht, dass die Krise in einem Jahr vorbei ist, den Kopf in den Sand stecken sollten wir trotzdem nicht.

Schließlich investiert der Staat und die Wirtschaft verstärkt in die Digitalisierung. Dies, „digitale Transformation“ genannt, stärkt Innovation und Wettbewerbsfähigkeit unseres ländlichen Raumes. Die 90-prozentige staatliche Förderung des Breitbandausbaus ist daher gut angelegtes Geld. Sicher wird der Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion hierzu noch etails nachliefern.

Weiter geht es mit der Aussicht auf einen Bläh-Bundestag bei der nächsten Bundestagswahl. Leider vergisst er zu erwähnen, dass in der Vergangenheit insbesondere die Unionsparteien einer Reduzierung der Abgeordnetenzahl im Wege standen. Konkret wird er beim Thema Landgasthöfe. Ein spezielles Hilfsprogramm soll deren Siechtum beenden.

Totgeschwiegen wurde zu meinem Bedauern die zu Ende gehende Beschulung der angehenden Fleischer im Main-Tauber-Kreis. Bleibt es beim Beschluss des Kultusministeriums, geht hier eine Ära zu Ende. Das Land leistet somit aktive „Sterbehilfe“ für diesen traditionsreichen Beruf. Die damit zusammenhängende Beschulung der Bäcker inclusive Fachverkäufern wird dadurch auch auf die Palliativstation eingeliefert.

Dies wird einen herben Verlust für unsere ländlich geprägte Region darstellen, den wir uns noch gar nicht ausmalen können. Einen Vorgeschmack bietet uns ein Rückblick in die Ferienzeit. Viele warten doch sehnsüchtig darauf, dass der Bäcker oder Metzger ihres Vertrauens wieder öffnet. Offensichtlich wissen die Menschen um die Qualität der handwerklich gefertigten Lebensmittel.

Zudem haben die aktuellen Berichterstattungen ein Fenster zu der industriellen „Fertigung“ unserer Fleischprodukte aufgestoßen.

Die Bewohner unserer Region haben das Recht zu erfahren, nach welchen Maßgaben hier Schulstandorte in angrenzenden Landkreisen von der Politik bevorzugt werden.