Tauberbischofsheim

Leserbrief Zum Bericht „Fleischer fürchten um ihre Existenz“ (FN, 11. September)

„Es geht um weit mehr als um die Wurst“

Die Petition zum Erhalt der Fleischerbeschulung spricht bislang nur eine Minderheit der Bewohner im Main-Tauber-Kreis an. Leider. Zu Beginn der Aktion hegte ich die Hoffnung auf rund 10 000 Unterstützer. Zugegeben, das stellt auf den ersten Blick eine sehr große Erwartungshaltung dar, dies sind jedoch weniger als zehn Prozent der Bewohner unseres Landkreises.

Nach vielversprechendem Start in zahlreichen motivierten Metzgerei-Fachgeschäften im Landkreis sollte eine Online-Petition weitere Unterstützer gewinnen. Dies wurde durch den FN-Bericht einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Im Vergleich zur herkömmlichen erfolgreichen Unterschriftensammlung zeigte sich jedoch, dass die „Neuen Medien“ total überschätzt werden. Trotz der aktuellen, durch die Corona-Pandemie erschwerten Bedingungen wurden bislang durch persönliche Ansprache und die ausliegenden Listen weitaus mehr Stimmen gesammelt.

Wer also im Fachgeschäft seines Vertrauens keine Unterschriftenliste vorfindet und auch keine Möglichkeit hat, die Online-Variante zu nutzen, wird nicht vergessen. Es besteht auch die Möglichkeit, Unterschriftenlisten mittels Telefon (07930/2858) anzufordern.

Diese Aktion bietet vermutlich die letzte Chance, dass die traditionelle, handwerkliche Produktion unseres täglichen Brots sowie der Wurst erhalten bleibt. Es ist bereits jetzt abzusehen, dass ohne die Auszubildenden im Bereich Fleisch, die der Bäcker den gleichen bitteren Gang antreten müssen.

Wer zuckt nicht zusammen, wenn er den Namen Tönnies hört? Allerdings ist dies die Zukunft, wenn wir uns heute nicht für die regionale Handwerkerausbildung stark machen.

Ein Blick zurück ins Jahr 2013 zeigte bereits damals die Zukunft unseres täglichen Brots. In der SWR-Sendung „betrifft“ wurde die Abwicklung des Lebenswerks eines Karlsruher Bäckers begleitet. Der Familienbetrieb musste dem Druck der Billigkonkurrenz weichen. Auf der Spur der Teiglinge reiste „betrifft“ durch Großbäckereien in Deutschland und Polen, sowie durch die Labore der Hamburger Mühlenchemie und eines dänischen Backmittelherstellers.

Fazit: Die Branche bemüht sich, das Image von Tradition und Handwerk nach außen zu verkaufen. In Wirklichkeit aber legen ihre Produkte immer öfter Tausende von Kilometern zurück.

Tiefgefrorene Teiglinge, irgendwo in Europa produziert, werden in Backshops oder Bäckereien vom Verkaufspersonal fertig gebacken. In den städtischen Zentren ist dies bereits Realität.

Sie sehen also, es geht um weit mehr als um die Wurst.