Tauberbischofsheim

Vortrag Die Entwicklungs-Genossenschaft Oikocredit

Es geht um weit mehr als Geld

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Und ob Frauen das können. Weltweit leiden Frauen unter Gewalt. Sie werden unterschätzt, benachteiligt und diskriminiert. Die Entwicklungs-Genossenschaft Oikocredit hat sich zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern. Bei ihrem Vortrag auf Initiative des Weltladens Tauberbischofsheim, der noch vor den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stattfand, berichtete Bildungsreferentin Dr. Christina Alff, wie die Genossenschaft Frauen mehr Gestaltungsmöglichkeiten gibt.

Im gut besetzten Saal von Netzwerk Familie warf sie einen Blick in den globalen Süden: Während 70 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeiten von Frauen geleistet werden, besitzen sie nur zehn Prozent des Landes.

Frauen werden unabhängiger

Diese fehlende Sicherheit schließt sie von Krediten und damit Teilhabe aus. Mikrokredite und Sparmöglichkeiten könnten es den Frauen jedoch erleichtern, finanziell unabhängiger zu werden und mehr Einkommen zu erwirtschaften.

Hier setzt die Genossenschaft an. Sie vergibt Kredite und Kapitalbeteiligungen an Partnerorganisationen des globalen Südens schwerpunktmäßig in den Sektoren inklusives Finanzwesen, Landwirtschaft und erneuerbare Energien.

Davon profitieren vor allem die Frauen: 86 Prozent der Kundschaft der Mikrofinanzorganisationen, in die Oikocredit investiert, sind weiblich.

„Es geht dabei um weit mehr als Geld“, sagte die Oikocredit-Referentin und gab einige Beispiele: In Peru erfuhr die Schneiderin Alicia Quispe in ihrer Frauen-Kreditgruppe, dass Gewalt gegen Frauen in Peru gesetzlich verboten ist. Sie engagierte sich daraufhin öffentlichkeitswirksam gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.

In Bolivien baute die Bäuerin Albina mithilfe von Krediten nicht nur eine große Milchkuhherde auf, sondern erlangte dadurch ein größeres Selbstbewusstsein und ermöglichte es ihren vier Kindern, eine gute Ausbildung zu machen.

In Indien herrscht eine besonders schwierige Situation: Hier hat rund die Hälfte der Bevölkerung weder fließend Wasser noch eine eigene Toilette.

„Für Mädchen und Frauen birgt der nächtliche Gang aufs Feld das Risiko, von Männern belästigt oder gar vergewaltigt zu werden“, so die Expertin. Eine weitere Gefahr seien Schlangen, die im Dunklen nicht gesehen werden.

Die Mikrofinanzinstitution Guardian vergibt ihre Kleinkredite bevorzugt an Frauen, die damit unter anderem ihre Lebensumstände verbessern und diese für Toiletten, Wasseranschlüsse und Duschen einsetzen. Die Folge ist ein besserer Gesundheitszustand der gesamten Familie.

Bildungsarbeit

„Die Mitarbeiter leisten Bildungsarbeit und klären in Workshops über den Zusammenhang von Fäkalien und Krankheiten auf“, berichtete Christina Alff. Das verbessere das Leben der Menschen vor Ort substantiell. Unterstützt werde die Arbeit von Guardian von Oikocredit, genauer von über 8000 Oikocredit-Anlegerinnen und -Anlegern aus Baden-Württemberg. Laut FAO könnte die Zahl der unterernährten Menschen um bis zu 150 Millionen sinken, wenn Frauen gleichberechtigt wären. Das Ziel 5 der Agenda 2030 der Vereinten Nationen, das Geschlechtergerechtigkeit weltweit einfordert, ist noch lange nicht erreicht.

„Doch wir arbeiten daran“, so Dr. Alff. Sie lud die Zuhörer ein, daran mitzuwirken. Das Weltladen-Team unterstützt die Genossenschaft und ihren Förderkreis in Stuttgart seit vielen Jahren durch Genossenschaftsanteile. sps